Unity EURO Cup: Yusras Geschichte
Freitag, 16. Oktober 2026
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Sich als Flüchtling in einem neuen Land niederzulassen, bedeutet unter anderem, eine neue Sprache zu lernen, neue Freundschaften zu schließen und ein neues Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Nach ihrer Flucht aus Somalia fand Yusra heraus, dass eine Fußballeinheit pro Woche alle drei dieser Herausforderungen wesentlich leichter machte.
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Als Teenager in Wien angekommen, begann Yusra ein neues Leben in ungewohnter Umgebung, in der Menschen eine Sprache sprachen, die sie noch nicht verstehen konnte. Auf dem Fußballplatz fand sie aber einen Ort, an dem sich diese Herausforderungen weniger beängstigend anfühlten.
„Der Fußball gab mir ein Zugehörigkeitsgefühl. Ich musste mir keine Gedanken darüber machen, woher ich komme oder welche Sprache ich spreche“, so Yusra. „Auf dem Platz waren wir einfach Teamkolleginnen, die zusammen spielten und Spaß hatten.“
Aus einer wöchentlichen Trainingseinheit wurde ein zentraler Bestandteil ihres neuen Lebens. Sie konnte Freundschaften schließen, ihr Deutsch verbessern und neue Möglichkeiten nutzen, die einst unerreichbar schienen. Derzeit bereitet sich Yusra darauf vor, ihre Wahlheimat Österreich bei der Ausgabe 2026 des Unity EURO Cup zu vertreten.
Der Unity EURO Cup
Die fünfte Ausgabe des Unity EURO Cup findet am 15. Oktober im technischen Zentrum des Italienischen Fußballverbands bei Florenz statt. Er ist mehr als nur ein Fußballturnier – bei der Veranstaltung geht es um die Kraft des Fußballs, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft zusammenzubringen. Bei der von der UEFA in Zusammenarbeit mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) organisierten Veranstaltung treten Teams bestehend aus Flüchtlingen sowie Spielerinnen und Spielern aus ihren aufnehmenden Gemeinden bei einem gemischtgeschlechtlichen Turnier gegeneinander an, bei dem die wichtige Rolle des Fußballs bei der Förderung von gesellschaftlicher Inklusion im Mittelpunkt steht.
Startschuss für einen Neubeginn
Yusra war schon lange vor ihrer Ankunft in Österreich fußballbegeistert, obwohl sie in Somalia nur wenige Möglichkeiten hatte, zu spielen. Über die Organisation Breaking Grounds, einer vom Österreichischen Sportministerium unterstützten Nichtregierungsorganisation, die den Sport als Katalysator für gesellschaftlichen Wandel nutzt, hat sie ihren Weg zurück in den Sport gefunden.
Aus einer wöchentlichen Trainingseinheit wurden viele mehr, gefolgt von einem Platz in der Youth Leader Academy, wo Yusra die Gelegenheit erhielt, selber Fußballtrainerin für Breaking Grounds zu werden. Mittlerweile trainiert sie jede Woche ein Team von Mädchen unter 13 Jahren, die hoffen, in ihre Fußstapfen zu treten.
„Der Fußball ist ein Ort, an dem ich mich akzeptiert fühle und ich mich selbst sein kann.“
Heute spielt Yusra für verschiedene Teams und der Fußball prägt ihren Alltag. Österreich beim Unity EURO Cup zu vertreten, wird ein weiterer Meilenstein auf ihrer bemerkenswerten Reise sein und sie ihrem Traum, eines Tages für die somalische Nationalelf zu spielen, einen Schritt näher bringen.
„Sie haben mir eine Chance gegeben, haben an mich geglaubt und mir geholfen, zu wachsen“, sagt sie über Breaking Ground. „Ich wusste nicht, wohin mich dieser erste Schritt führen würde. Ich wusste einfach, dass ich Fußball spielen wollte.“
Ihren Platz finden
Mit wachsendem Selbstbewusstsein auf dem Platz fühlte sich Yusra auch abseits des Rasens zunehmend wohler. In Gesprächen mit den Teamkolleginnen konnte sie ihr Deutsch verbessern. Durch das Training entstanden Freundschaften und Kontakte zu Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen. „Fußball ist mittlerweile mehr als nur ein Sport für mich. Es ist ein Ort, an dem ich mich akzeptiert fühle und ich mich selbst sein kann.“
Durch den Fußball konnte sie auch ungewohnte Orte kennenlernen. Im August besuchte sie gemeinsam mit der UEFA-Stiftung für Kinder den UEFA-Superpokal in Salzburg, wo sie den somalischen Schiedsrichter Omar Artan traf. Es war ein denkwürdiges Treffen mit einem Menschen mit derselben Herkunft und Leidenschaft.
Durch ihre Tätigkeit als Trainerin hat Yusra die Möglichkeit, jüngeren Mädchen dabei zu helfen, Selbstvertrauen aufzubauen – wie es einst bei ihr der Fall war. „Ich möchte ihnen dasselbe Gefühl vermitteln, dass jemand an mich geglaubt und mir eine Chance gegeben hat.“ Aus dem kontaktscheuen Mädchen ist eine junge Frau geworden, an die sich andere wenden können, die Unterstützung und Motivation brauchen.