Marco Reus: Ungeduldig optimistisch

Das Comeback von Marco Reus rückt näher. Der Dortmunder Offensivstar hat sich während der langen Ausfallzeit überlegen können, wie er der Mannschaft helfen will.

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Viele Spieler wird es nicht geben, die das WM-Jahr mit mehr Motivation beginnen als Marco Reus. Die letzten beiden großen Turniere hat der 28-Jährige verpasst und weil ihn das Verletzungspech auch letzten Sommer wieder traf, ist er im Rennen um die begehrten Plätze für die Endrunde in Russland vorerst in die zweite Reihe gerückt.

Dortmunds Hochgeschwindigkeitsdribbler macht keinen Hehl daraus, dass die WM in seinem Hinterkopf sehr wohl eine Rolle spielt, der Weg dahin sei aber mit so vielen Kurven und Abzweigungen gespickt, dass er den Blick nicht zu weit nach vorne richten will.

"Priorität hat für mich, dass ich komplett ins Mannschaftstraining zurückkomme. Dann will ich wieder in den Spielbetrieb und den Rhythmus finden. Wer mich kennt, der weiß, dass ich das Potenzial und die Mentalität dazu habe. Wenn alles nach Plan läuft und ich meine Spielpraxis bekomme, dann möchte ich mich [für die WM] anbieten. Den Austausch mit dem Bundestrainer gibt es auf jeden Fall."

Nach seinem Kreuzbandriss im Pokalfinale 2017 lässt sich der 29-malige Nationalspieler die Zeit, um sich langsam heranzutasten. Im Winter hat er einige Fortschritte gemacht, aber er sagt auch: "Ich hoffe, dass ich das Pensum langsam steigern kann. Es müssen noch einige Schritte kommen, die ich erfolgreich absolvieren muss. Es gibt nichts schlimmeres, als so lange verletzt zu sein. Vor allem, wenn man so extrem ungeduldig ist wie ich."

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Während die körperliche Arbeit einige Monate lang auf ein Minimum reduziert werden musste, hat Reus in der Hinrunde miterleben müssen, wie der BVB unter Peter Bosz erst ein Berg- und dann eine rasante Talfahrt hinlegte.

"Es war interessant, das Geschehen von außen zu betrachten. Du hast einen anderen Blickwinkel, wenn du die ganze Hinrunde ausfällst. Da war einiges nicht so schön, aber es war auch nicht alles schlecht."

Für den neuen Trainer Peter Stöger hat er nur gute Worte: "Er ist sehr offen und ehrgeizig. Das Training macht unheimlich viel Spaß." Zudem versucht sich Reus auch selbst ein wenig als Mentalcoach: "Ich versuche Spielern zu helfen, die bisher nicht so zum Einsatz gekommen sind. Das geht über Gespräche. Ich will für die Mannschaft da sein, das Ziel ist es doch, dass wir als Mannschaft auf dem Platz eine Einheit sind."

Und eine noch gefährlichere Einheit wäre Dortmund, wenn Reus wieder seine Topform erreicht. Wohl auch ohne BVB-Brille wird ihm dies nach den vielen Verletzungen jeder gönnen.

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