Ost und West wachsen zusammen
Freitag, 19. November 2010
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Zur Feier von 20 Jahren deutscher Einheit spielen eine West- und eine Ostauswahl am Samstag in Leipzig gegeneinander. UEFA.com wirft einen Blick zurück in die Geschichte der beiden getrennten Fußballnationen.
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Niemand, der damals in Deutschland lebte, wird die ereignisreichen Tage der Wiedervereinigung vergessen. Das Geschehen nahm damals so rasch seinen Lauf, dass nur 49 Tage nach der offiziellen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 der Deutsche Fußball-Verband der DDR (DFV) dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) beitrat.
Dieser bewegten Zeiten soll mit einer Reihe von Veranstaltungen an diesem Wochenende gedacht werden. Am Samstag tritt eine Auswahl der Fußballweltmeister von 1990 in Leipzig gegen eine Elf ostdeutscher Legenden an, bevor eine Gala am Sonntag, 21. November, in derselben Stadt die 20-Jahr-Feier der Wiedervereinigung des DFB zelebriert.
"Leipzig hat in der Geschichte des DFB immer eine entscheidende Rolle gespielt", sagte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. "Von der Gründung am 28. Januar 1900 im Leipziger Mariengarten bis zum Vereinigungsbundestag 1990 und der Endrunden-Auslosung zur WM 2006 am 9. Dezember 2005 war diese Stadt immer ein symbolträchtiger Ort. Daher haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden, hier den 20. Jahrestag der Fußball-Einheit zu feiern."
Hans Georg Moldenhauer, der letzte DFV-Präsident, der jahrelang zum DFB-Präsidium gehörte und nun Ehrenvizepräsident des DFB ist, hat noch lebhafte Erinnerungen an die Zeit der Wende. "Die Erinnerung an damals ist noch immer sehr emotional. In der ersten Zeit, als die Mauer gefallen war, haben wir gleich versucht, Kontakte zu knüpfen", sagte er. "Die Tage der Einheit waren eine fantastische Zeit mit vielen Bildern, die mir auch heute immer wieder ins Gedächtnis kommen."
Während die Erfolge der westdeutschen Fußballer weltweit bekannt sind, trifft das für die der Deutschen Demokratischen Republik weitaus weniger zu. Dabei gab es durchaus auch große Höhepunkte zu feiern, so etwa die Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1976 mit einem 3:1 im Endspiel gegen Polen. Der größte Triumph aber bleibt der 1:0-Sieg im Gruppenspiel der FIFA-WM 1974 in Westdeutschland im einzigen Länderspiel der geteilten Nation.
Obwohl beide Teams schon sicher in der nächsten Runde standen, wollte keines das letzte Gruppenspiel verlieren. Die Bundesrepublik sollte zwar den Titel holen, doch der Bruderstaat aus dem Osten gewann durch das legendäre Tor von Jürgen Sparwasser in der 77. Minute in Hamburg. "Wenn auf meinem Grabstein eines Tages nur 'Hamburg 74' steht, weiß jeder, wer darunter liegt", sagt Sparwasser heute.
Während es nur ein Länderspiel zwischen den beiden deutschen Staaten gab, traf man im Europapokal nicht weniger als 17 Mal aufeinander. Im allerersten Vereinskräftemessen konnte sich der große FC Bayern München gerade so mit 7:6 nach Hin- und Rückspiel gegen den 1. FC Dynamo Dresden in der zweiten Runde des Pokals der europäischen Meistervereine 1974 durchsetzen. Nach einem spannenden 4:3-Heimerfolg lag Bayern mit 2:3 in Dresden hinten. Das frühe Ausscheiden drohte, doch dann war es wieder einmal Gerd Müller vorbehalten, in unnachahmlicher Manier für das Weiterkommen des Favoriten zu sorgen. Ähnlich verliefen auch die meisten folgenden Aufeinandertreffen zwischen Ost und West, denn die DDR-Klubs setzten sich insgesamt nur drei Mal durch.
Zu den berühmtesten Erfolgen der Westklubs gehören sicherlich jene von Bayer 05 Uerdingen und dem SV Werder Bremen gegen Dynamo Dresden und den BFC Dynamo. Dresden hatte im Viertelfinale des UEFA-Pokalsieger-Pokals 1985/86 zu Hause 2:0 gewonnen und führte zur Halbzeit in Krefeld bereits 3:1, ehe Uerdingen in einem Wahnsinnsspiel sechs Tore in den zweiten 45 Minuten erzielte und doch noch in die nächste Runde einzog. Drei Jahre später, in der ersten Runde des Meisterpokals, erging es dem ostdeutschen Titelträger BFC nicht viel besser: Nach einem 3:0-Heimsieg in Berlin kam man in Bremen mit 0:5 unter die Räder.
Aus guter alter Tradition bestritt man am 19. Dezember 1990 das erste gesamtdeutsche Länderspiel gegen die Schweiz. Der heutige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Andreas Thom waren die ersten ostdeutschen Fußballer in der gesamtdeutschen Nationalmannschaft, daher ist es nur passend, dass sie am Samstag ebenfalls auflaufen, wie auch Perry Bräutigam, Thomas Doll und Uwe Rösler. Für den Westen haben bereits Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann ihr Kommen fest zugesagt. Wie Moldenhauer schon sagte: "Vieles ist zusammengewachsen, wir können zufrieden sein."