Innovationsprogramm bei der UEFA Women’s EURO 2025: Herausforderungen im Frauenfußball bewältigen
Dienstag, 5. August 2025
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Die UEFA Women’s EURO 2025 mag zwar vorbei sein, aber zusammen mit den UEFA-Partnern adidas, Amazon und Disney wurde die Grundlage für das Vermächtnis des Turniers geschaffen, das noch lange nach dem Schlusspfiff nachwirken wird.
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Das Innovationsprogramm bei der UEFA Women’s EURO 2025 ist eine umfassende Initiative, um den europäischen Fußball bei der Bewältigung der realen Herausforderungen im Frauenfußball an der Basis der Fußballpyramide zu unterstützen.
Im Rahmen des Programms kommen kommerzielle Partner, akademische Einrichtungen in der Schweiz, der Schweizerische Fußballverband (SFV) und lokale Fußballorganisationen zusammen, um neue Ideen zu testen und konkrete Lösungen zu schaffen, mit denen die Zukunft des Frauenfußballs in ganz Europa gestaltet werden kann.
Weichenstellung für Innovation und Zusammenarbeit
Das Innovationsprogramm stützt sich auf „Unstoppable“, die UEFA-Strategie für den Frauenfußball, mit der eine dynamische und nachhaltige Zukunft des Frauenfußballs in ganz Europa sichergestellt werden soll.
Die Auftrag ist klar: Es soll untersucht werden, wie Innovationen die Entwicklung des Frauenfußballs an der Basis in ganz Europa unterstützen können. Dabei dient die Schweiz als Versuchsfeld und auch international renommierte Institutionen aus der Schweiz bringen sich bei dieser Arbeit ein.
Um diese Vision mit Leben zu füllen, wurde unter Federführung der UEFA-Abteilung Frauenfußball und des Innovation Hub ein Ansatz unter Einbeziehung mehrerer Interessenträger verfolgt.
So kommen im Rahmen des Programms akademische Einrichtungen des Landes, kommerzielle Partner und der SFV zusammen. Die zentrale Rolle des Verbands bestand darin sicherzustellen, dass jedes Pilotprojekt auf konkreten Bedürfnissen basiert und von lokalen Breitenfußballvereinen und -organisationen in der Schweiz getestet wird.
Jedes der vier Pilotprojekte erhielt die entsprechenden finanziellen Mittel und wurde von akademischen Einrichtungen in Zusammenarbeit mit einem UEFA-Partner bzw. der UEFA selbst entwickelt. Im Rahmen dieser Kooperationen wurden die spezifischen Hürden für eine Teilnahme von Frauen und Mädchen im Fußball angegangen.
Die Innovationsveranstaltung
Der Höhepunkt dieser Arbeit fand am 27. Juli im Vorfeld des Endspiels der Women’s EURO 2025 im Kongresszentrum der Messe Basel statt.
Die Veranstaltung umfasste Podiumsdiskussionen mit Projektverantwortlichen und Partnern. Dabei erhielten alle Teilnehmenden, darunter wichtige Interessenträger im europäischen Fußball, Vertreter/-innen kommerzieller Partner der Frauen-EM-Endrunde und lokale Interessenträger, Einblicke in die jeweiligen Kooperationen, die entwickelten Lösungsvorschläge und die ersten Ergebnisse.
Nach Abschluss der Pilotphase werden Informationen und Berichte zur Wirkung dieser Initiativen veröffentlicht.
Pilotprojekte
HEAD und UEFA: Gleichstellung abseits des Rasens – Neugestaltung von Umkleidekabinen
Herausforderung: Wie können bestehende Breitenfußballeinrichtungen dahingehend umgestaltet werden, dass sie für Frauen ein einladenderes und inklusiveres Umfeld bieten?
Lösung: In Zusammenarbeit mit der Genfer Hochschule für Kunst und Design (HEAD) untersuchte die UEFA, wie sich die Gestaltung von Umkleidekabinen auf das Erlebnis von Spielerinnen auswirkt. Untersuchungen, die eine Rücklaufquote von über 70 % bei Frauen hatten, haben gezeigt, dass 83 % der Befragten Platzmangel als Hauptproblem ansehen.
Auf Grundlage von Marktforschung, Virtual-Reality-Simulationen und Interviews vor Ort wurden verschiedene innovative Designkonzepte entwickelt. Das Ergebnis waren modulare Aufbewahrungs- und Hängelösungen zur Maximierung des vertikalen Raums sowie rekonfigurierbare Sitz- und Aufbewahrungsmöglichkeiten für eine bessere Funktionalität der Umkleidekabinen.
Mit Unterstützung des SFV wurde das Pilotprojekt beim SC Worb in Bern umgesetzt, wo die Femina Kickers Worb – der größte unabhängige Frauenfußballklub der Schweiz – beheimatet ist. Die renovierten Räumlichkeiten verfügen nun über funktionale und flexible Aufbewahrungsmöglichkeiten, ergonomische Möbel, Spiegel und eine verbesserte Beleuchtung, um ein einladenderes und inklusiveres Umfeld zu schaffen.
Mit diesem nutzerzentrierten Konzept, in dessen Rahmen 15- bis 19-jährige Mädchen der Femina Kickers laufend Rückmeldungen bieten, wird sichergestellt, dass die Lösung sowohl praktikabel ist als auch ihre gewollte Wirkung entfaltet.
UNIGE und adidas: Trainingsmethoden und Erhaltung von Spielerinnen
Herausforderung: Welche Trainingsmethoden motivieren bzw. demotivieren junge Spielerinnen und wie wirken sich diese auf die Abbrecherquote aus?
Lösung: Im Rahmen dieses Projekts von adidas und der Universität Genf wurde untersucht, wie sich Trainingsmethoden auf den Nachwuchs, insbesondere auf Mädchen, auswirken. Zudem sollen geschlechterspezifische Dynamiken beleuchtet werden, die sich auf das Engagement der Spielerinnen und Spieler auswirken.
Anhand von Online-Umfragen wurden im Rahmen der Studie die psychologischen Auswirkungen verschiedener Trainingsmethoden untersucht. Diese sind an der sogenannten Selbstbestimmungstheorie angelehnt, bei der die Bedeutung von Autonomie, Kompetenz und sozialen Beziehungen im Mittelpunkt steht.
Der SFV bietet entsprechende Unterstützung bei der Validierung des Forschungsprotokolls und der Einführung in einer Auswahl lokaler Schweizer Vereine. Es wurden bereits erste Daten von Trainer/-innen und Nachwuchsspieler/-innen erhoben, die vielversprechende Erkenntnisse lieferten und das Potenzial dieser Methodik für messbare, evidenzbasierte Coaching-Strategien untermauern.
Diese Erkenntnisse sollen in künftige Trainerausbildungsprogramme einfließen und die Nationalverbände dabei unterstützen, ein inklusiveres und motivierenderes Umfeld zu schaffen, um den Nachwuchs, und in besonderem Maße Mädchen, an den Fußball zu binden.
HEIG-VD und Amazon: Rekrutierung der nächsten Generation an Trainerinnen
Herausforderung: Wie können das Interesse am Trainerwesen und die aktive Beteiligung von Frauen als Trainerinnen erhöht werden?
Lösung: In dem vom Institut für Medientechnik an der Hochschule für Ingenieurwissenschaften und Management des Kantons Waadt (HEIG-VD) in Zusammenarbeit mit Amazon geleiteten Projekt werden junge Frauen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren in der ganzen Schweiz für eine Aufgabe als Trainerin sensibilisiert.
Im Mittelpunkt steht eine Website mit einer interaktiven Coaching-Simulation, einem Toolkit für Einsteigerinnen und einer dynamischen visuellen Identität, um potenzielle Trainerinnen zu inspirieren. Das digitale Erlebnis wird um eine physische Plakatkampagne ergänzt, bei der Frauen mithilfe von Spiegeln und QR-Codes dazu aufgerufen werden, sich selbst als Trainerinnen vorzustellen.
Während der Pilotphase hat der SFV seine Expertise im Bereich der Trainerausbildung eingebracht, um sicherzustellen, dass die Inhalte die Gegebenheiten im Schweizer Fußball widerspiegeln und ein Zugang zu Coaching-Möglichkeiten im ganzen Land besteht.
Zusammen ergeben diese Elemente einen überzeugenden Handlungsaufruf, mit dem mehr Frauen ermutigt werden sollen, selbstbewusst eine Führungsrolle an der Seitenlinie zu übernehmen.
ETH Zürich und Disney: Erhalt von Mädchen im Fußball
Herausforderung: Wie können Mädchen nach Abschluss des UEFA-Playmakers-Programms dabei unterstützt werden, im Fußball aktiv zu bleiben?
Lösung: In Zusammenarbeit mit Disney und der UEFA hat das Game Technology Centre (GTC) der ETH Zürich einen Prototyp für eine App entwickelt, mit der Mädchen zwischen acht und elf Jahren nach Abschluss des UEFA-Playmakers-Programms weiter im Fußball aktiv sein können.
Aufbauend auf der Magie der Disney-Geschichten und dem Schwerpunkt des Playmakers-Programms auf körperlicher Aktivität kombiniert die App ein narratives Spielgeschehen mit fußballbezogenen Übungen, die Eltern zusammen mit ihren Töchtern zu Hause oder draußen absolvieren können.
Die App, die sich um die beliebte Disney-Figur Stitch dreht, fördert in sechs aufeinander aufbauenden Einheiten Bewegung, Spaß und Erfolgserlebnisse. Dabei wird weder der Bildschirmzeit noch einem wettbewerbsorientierten Umfeld Bedeutung beigemessen.
Mit Unterstützung des SFV wird die App derzeit zusammen mit Eltern getestet, deren Kinder aktiv am Playmakers-Programm in einem Verein in der Schweiz teilgenommen haben. Erste Rückmeldungen von Eltern und Mädchen sind vielversprechend.
Im Rahmen dieser Initiative wird aufgezeigt, wie kreative Partnerschaften neue, messbare Wege eröffnen können, damit Mädchen dem Fußball erhalten bleiben.
Unstoppable: Strategie für den Frauenfußball
Bis 2030 soll der Frauenfußball im Rahmen der Frauenfußballstrategie:
• anhand von Entwicklungsmöglichkeiten für Spielerinnen, Coaches und Referees sowie durch Möglichkeiten im Breitenfußball die am meisten praktizierte Sportart für Frauen und Mädchen in allen europäischen Ländern sein;
• in Europa die Heimat der weltbesten Spielerinnen, mit sechs reinen Profiligen und 5 000 reinen Profispielerinnen, sein;
• der nachhaltigste und für Investitionen attraktivste Frauensport sein, mit rekordverdächtigen UEFA-Wettbewerben;
• für seine Werte, Kultur und eigene Geschichte gefeiert werden und für alle einen Platz bieten.