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Interview mit Julian Schuster: Der Freiburg-Trainer über seinen Traumstart als Coach und das Europa-League-Finale

"Das Gefühl von Zusammenhalt und Unterstützung in der Stadt ist jetzt noch stärker", sagte Julian Schuster im Gespräch mit der UEFA vor dem Europa-League-Finale von Freiburg.

Julian Schuster hat Freiburg zum ersten Europapokalfinale in der Vereinsgeschichte geführt
Julian Schuster hat Freiburg zum ersten Europapokalfinale in der Vereinsgeschichte geführt UEFA via Getty Images

Etwas mehr als zwei Jahre nach seiner ersten festen Trainerstation dürfte selbst Julian Schuster überrascht sein, wie viel er in dieser kurzen Zeit bereits erreicht hat.

Als verlässlicher Mittelfeldspieler absolvierte Schuster während seiner aktiven Karriere fast 250 Spiele für seinen Herzensverein Freiburg, ehe er 2024 an die Seitenlinie wechselte. Dort entwickelte er sich schnell zu einem Erfolgstrainer: In seiner ersten Saison führte er den Sport-Club direkt auf Platz fünf, erreichte anschließend das Halbfinale im DFB-Pokal und steht nun mit Freiburg im Finale der Europa League in Istanbul.

Vorbericht: Freiburg - Villa

Im Gespräch mit der UEFA vor dem womöglich größten Spiel der Freiburger Vereinsgeschichte gegen Aston Villa blickt Schuster auf die Bedeutung dieses Erfolgs zurück.

"Wenn man den Menschen ins Gesicht geschaut und das Funkeln in ihren Augen gesehen hat, konnte man spüren, was das für alle bedeutet", sagte er über den historischen Halbfinal-Rückspielsieg gegen Braga.

"Man hat es schon die ganze Woche davor gemerkt: Diese Vorfreude war etwas ganz Besonderes und natürlich enorm wichtig. Schon damals haben viele erzählt, dass sie ihre Reise nach Istanbul bereits gebucht haben."

"Das Gefühl von Zusammenhalt und Unterstützung in der Stadt ist jetzt noch stärker als ohnehin schon. Das ist großartig. Genau das ist die Kraft des Fußballs: Er kann Menschen begeistern und zusammenbringen. Das ist ein wunderschönes Gefühl, das wir im Moment sehr genießen."

Julian Schuster feiert Freiburgs Halbfinalsieg gegen Braga
Julian Schuster feiert Freiburgs Halbfinalsieg gegen BragaAFP via Getty Images

Schuster betont jedoch, dass er bei seinem Trainerschein im Jahr 2023 noch lange nicht an ein solches Szenario gedacht habe: "Es wäre vermessen gewesen, überhaupt solche Gedanken zu haben. Was ich damals wirklich entdeckt habe, war die Freude am Trainerberuf und die Leidenschaft dafür, Wissen weiterzugeben."

"Ich habe schnell gemerkt, dass ich unbedingt Trainer werden möchte. Natürlich war der Gedanke da, diese Mannschaft irgendwann einmal zu trainieren – aber ohne einen konkreten Plan. Dass ich nur drei Jahre später in einem Finale stehen würde, davon war ich damals weit entfernt."

Was also sind die Geheimnisse hinter Schusters Erfolg?

"Für einen Trainer ist es immer wichtig, die Qualitäten seiner Mannschaft zu kennen: wie sie spielen möchte, wie sie Fußball versteht und womit sich die Menschen hier identifizieren", erklärt er. "Und das verbindet man dann mit den eigenen Überzeugungen."

Schuster während seiner aktiven Zeit in Freiburg
Schuster während seiner aktiven Zeit in FreiburgBongarts/Getty Images

"Es wäre naiv, nur an sich selbst zu denken. Aber die Mannschaft hat definitiv die Fähigkeit entwickelt, ihre eigenen Stärken auf den Platz zu bringen. Gleichzeitig ist es wichtig zu überlegen, welche Überzeugungen wir teilen, um den Gegner am Ende zu schlagen. Deshalb gehen wir in jedes Spiel mit dem Ziel, es zu gewinnen."

Mit gerade einmal 41 Jahren wirkt Schuster bereits bemerkenswert souverän im Umgang mit dem Druck des Trainerdaseins.

"Ich empfinde Druck als etwas Positives, weil er mich fordert und antreibt, Herausforderungen direkt anzunehmen und alles zu tun, was nötig ist, um eine Aufgabe erfolgreich zu erfüllen", sagt er weiter.

"Das sind die ersten Erfahrungen, die ich als Trainer sammle, und ich bin sehr dankbar, dass ich solche besonderen Momente schon so früh in meiner Karriere erleben darf."

Trotz der Bedeutung des bevorstehenden Spiels macht Schuster klar, dass er seine gewohnten Abläufe nicht grundlegend verändern will.

Alle Tore von Freiburg in der Europa League bislang

"Ich spreche während und nach jedem Spiel mit meinem Trainerteam und versuche, so viele Fragen wie möglich zu stellen und von erfahrenen Kollegen zu lernen. Und das, was man von ihnen hört oder liest, dreht sich vor allem um die Kunst, große Spiele so routiniert wie möglich anzugehen."

"Man neigt dazu, alles abdecken zu wollen und jede einzelne Idee weiterzugeben. Genau darin liegt die große Gefahr: dass man zu viel Energie verliert und die Jungs am Ende überlädt."

"Allein die Tatsache, dass wir jetzt hier zusammensitzen, zeigt schon, dass rund um dieses Spiel vieles anders ist als sonst – einfach wegen der Bedeutung der Partie. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, die Vorbereitung so normal wie möglich zu halten."

Schuster versucht zwar bewusst, die Bedeutung der Partie herunterzuspielen, doch eines steht fest: Ein Sieg im Beşiktaş Park am Mittwoch würde seinen Status als Freiburger Vereinsikone weiter zementieren – und einen bemerkenswerten Start in seine Trainerkarriere krönen.

Dieses Interview wurde am 11. Mai 2026 geführt.