Portugal bei der EURO 2004 mit den besseren Nerven gegen England

Portugal - England 2:2, 6:5 n.E.
Portugal konnte sich im Viertelfinale gegen England nach einem dramatischen Spiel erst im Elfmeterschießen durchsetzen.

Ricardo verwandelt den entscheidenden Elfmeter
Ricardo verwandelt den entscheidenden Elfmeter ©Getty Images

Portugal hat mit einem denkwürdigen und dramatischen 8:7-Sieg im Estádio da Luz in Lissabon über England das Halbfinale erreicht. Das Spiel musste im Elfmeterschießen entschieden werden.

Früh war England durch Owen in Führung gegangen, ehe kurz vor Schluss die Portugiesen durch Postiga ausgleichen konnten. In der zweiten Hälfte der Verlängerung erzielte Rui Costa die Führung, doch Frank Lampard traf für England zum 2:2 und die Partie ging ins Elfmeterschießen, wo Portugals Torhüter Ricardo beim 6:5 der große Held war.

Beide Mannschaften begannen fast unverändert, England mit der gleichen Aufstellung wie zuletzt beim 4:2 gegen Kroatien, und bei den Portugiesen begann Nuno Gomes, der als Einwechselspieler in der zweiten Hälfte das entscheidende Tor gegen Spanien geschossen hatte, er ersetzte den gesperrten Pauleta.

Es waren gerade zweieinhalb Minuten gespielt, als die Engländer in Führung gingen. Ein langer Ball von Torwart David James in Richtung portugiesischer Strafraum wurde von Costinha per Kopf unglücklich auf Owen verlängert, der drehte sich und hob den Ball über den Torwart. Sein erster Turniertreffer.

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Die Portugiesen wirkten keineswegs geschockt und hatten unmittelbar nach dem Führungstreffer einige gute Möglichkeiten. So wurde Ronaldos Versuch nach Vorlage von Figo aus kurzer Distanz von Cole und dann von Campbell abgewehrt. Kurz darauf verfehlte Kapitän Figo das Gehäuse nur knapp. Und schließlich war es Nuno Gomes, der per Kopf seine Chance nicht nutzen konnte.

Aber nach seinem ersten Tor wirkte Owen wie aufgedreht. Der Stürmer von Liverpool FC hatte in der 20. Minute Pech, als sein Schuss nur auf dem Tornetz landete. Und nach einer halben Stunde sahen die 50 000 Fans eine ähnliche Szene wie beim Führungstor. Diesmal zwang Owen Torhüter Ricardo zu einer Glanzparade.

Kurz davor mussten die Engländer eine herben Verlust hinnehmen. Englands Superstürmer Wayne Rooney ging vom Platz, nachdem ihm Andrade auf den Fuß getreten war. Der Stürmer verlor dabei seinen Schuh und knickte um. Für ihn kam Darius Vassell, der zum tragischen Helden werden sollte.

Highlights: Die besten Tore der EURO 2004
Highlights: Die besten Tore der EURO 2004

Trotz der scheinbaren Überlegenheit der Portugiesen kamen sie gegen die gut organisierte Abwehr der Engländer kaum an. Und wenn sie mal eine Chance hatten, wie in der 45. Minute durch Figo per Freistoß aus 19 Metern, wurde sie kläglich vergeben.

Die Gastgeber versuchten sich weiter, aber nur durch eine glückliche Fügung entstand so etwas wie eine Chance. Eine Flanke von Nuno Valente wurde immer länger und landete am Pfosten, im Nachfassen konnte Ricardo vor dem einschussbereiten Nuno Gomes klären.

Insgesamt wirkten die Portugiesen zu harmlos. Man hatte selten das Gefühl, als würde hier bald der Ausgleich fallen. Einzig, als Deco auf Costinha flankte und der den Ball zu Cristiano Ronaldo köpfte, worauf dieser die Kugel mit seinem Kopf über das Gehäuse setzte, kam Hoffnung auch.

Erst, als nach gut einer Stunde Simão für Costinha kam, wurden die Portugiesen wieder gefährlich. Ein belebendes Element, dem aber zunächst die ganz große Wirkung versagt blieb. Sein Schuss aus 20 Metern strich am Gehäuse vorbei. Nun kamen die Engländer wieder mit Kontern, ohne sich jedoch große Möglichkeiten zu erspielen.

Und dann ein emotionaler Augenblick. Eine Viertelstunde vor dem Ende versuchte sich Figo mit einem 20-Meter-Schuss, der von John Terry abgefälscht wurde und James zu einer Parade zwang. Und unmittelbar danach wurde er ausgetauscht. Wortlos trabte er an Trainer Luiz Felipe Scolari vorbei. Es hätte sein letztes Länderspiel sein können, wen Portugal verloren hätte.

Kaum war Hélder Postiga für Figo gekommen, konnten die Portugiesen jubeln. Hereingabe von links von Deco auf den Kopf von Postiga und der verwandelte aus fünf Metern knallhart. Alles wieder offen, die Verlängerung war ganz nah. Nur noch sieben Minuten in der regulären Spielzeit waren zu absolvieren.

In dieser berannten die Portugiesen unablässig das Tor der Engländer, ohne sich große Chancen herauszuspielen zu können. Erst gegen Ende der ersten 15 Minuten kamen auch die Engländer, und wie. Eine lange Hereingabe von Hargreaves erwischte Beckham mit dem Kopf - knapp daneben.

In der 108. Minute lag den Portugiesen der Torschrei auf der Zunge. Eine Ecke von Rui Costa landete bei Nuno Gomes, der Richtung Gehäuse köpfte, aber Ashley Cole konnte auf der Linie klären. Doch eine Minute später war es soweit. Rui Costa marschierte durchs Mittelfeld, ließ Phil Neville aussteigen und knallte die Kugel aus 17 Metern an die Unterkante der Latte. Die Führung für Portugal.

Aber sechs Minuten vor dem Abpfiff der Ausgleich für die Engländer Ecke von Beckham auf den Kopf von Terry, weitergeleitet vor die Füße von Lampard, und der drehte sich und verwandelt aus sechs Metern eiskalt.

Es ging ins Elfmeterschießen. Gleich den ersten Schuss vergab Englands Kapitän David Beckham, der das Leder in den Himmel von Lissabon beförderte. Dieser Fehlschuss wurde beim Stande von 2:2 ausgeglichen wurde, als Rui Costa es Beckham nachmachte. Anschließend trafen bis zum 5:5 alle Schützen, ehe Portugals Torhüter Ricardo – ohne Handschuhe – den Elfer von Darius Vassel hielt und dann selbst zur Ausführung antrat. Ricardo traf, Portugal schwebte im siebten Fußballhimmel.

EURO 2004: Team des Turniers

Aufstellungen

Portugals Startelf in Lissabon
Portugals Startelf in Lissabon

Portugal: Ricardo; Miguel (79. Rui Costa), Jorge Andrade, Ricardo Carvalho, Nuno Valente; Costinha (63. Simão Sabrosa), Deco, Maniche; Luis Figo (75. Hélder Postiga), Cristiano Ronaldo, Nuno Gomes
Bank: Quim, Moreira, Beto, Paulo Ferreira, Rui Jorge, Fernando Couto, Petit, Tiago
Trainer: Luiz Felipe Scolari

England: James; Ashley Cole, Campbell, Terry, Gary Neville; Scholes (57. Phil Neville), Gerrard (81. Hargreaves), Lampard, Beckham (K); Rooney (27. Vassell), Owen
Banks: Robinson, Walker, Bridge, Carragher, Butt, Joe Cole, Dyer, Heskey
Trainer: Sven-Göran Eriksson

Schiedsrichter: Urs Meier (Schweiz)

Man of the Match: Ricardo Carvalho (Portugal)

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