Unity EURO Cup: ein Fußballfest für Geflüchtete und ihre aufnehmenden Gemeinden
Samstag, 20. Juni 2026
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Aus Anlass des Weltflüchtlingstags organisiert die UEFA einen Wettbewerb, der sich zu einem der inspirierendsten Beispiele für Inklusion im europäischen Fußball entwickelt hat.
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Für Menschen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, kann der Fußball etwas Unschätzbares bieten: ein Gefühl der Zugehörigkeit. Der in Zusammenarbeit mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) organisierte Unity EURO Cup bietet durch den Fußball Geflüchteten sowie ihren aufnehmenden Gemeinden genau dieses Gefühl.
Seit seiner ersten Ausgabe 2022 sind Größe und positiver Einfluss dieses jährlich stattfindenden Turniers stetig gewachsen. Was als kleines Pilotturnier mit acht Teams begann, ist zu einem einzigartigen europäischen Fest der Inklusion geworden, an dem 2026 22 Teams in Coverciano, dem technischen Zentrum des Italienischen Fußballverbands (FIGC) am Stadtrand von Florenz, teilnehmen.
Die Erweiterung des Turniers spiegelt sowohl seinen eigenen Erfolg als auch das anhaltende Engagement des europäischen Fußballs wider, Geflüchteten die Möglichkeit zu bieten, Fußball zu spielen, sich zugehörig zu fühlen und sich persönlich weiterentwickeln zu können.
„Der Unity EURO Cup ist ein wunderbares Beispiel für den tiefgreifenden Einfluss unseres Sports auf das Leben der Menschen. Das Turnier fördert die Werte, für die der UNHCR und die UEFA einstehen.“
Anhaltender Erfolg 2025
Das Konzept ist einfach, aber wirkungsvoll: Ganz im Sinne der Inklusion werden die Teams aus geflüchteten Spielerinnen und Spielern sowie Mitgliedern der aufnehmenden Gemeinden zusammengestellt. Das Turnier wird in einem gemischtgeschlechtlichen Format ausgetragen.
2025 fand das Turnier mit 18 Teams am Sitz des Niederländischen Fußballverbands (KNVB) in Zeist statt. Dank eines Schulungsprogramms des niederländischen Vereins AVV Zeeburgia und des KNVB kamen als Unparteiische ausschließlich Geflüchtete zum Einsatz. Dieses Programm hat sich seither zu einer landesweiten Initiative entwickelt und gilt als bleibendes Vermächtnis der vierten Ausgabe des Wettbewerbs.
Einfluss in ganz Europa
Der Unity EURO Cup bietet Menschen verschiedenster Herkunft eine gemeinsame Sprache. So bilden soziale Events einen ebenso festen Bestandteil des Turniers wie die Spiele selbst und es entstehen Freundschaften, die Teilnehmenden werden selbstbewusster und fühlen sich als Teil ihrer aufnehmenden Gemeinden.
„Der Fußball ist das verbindende Element in einer von Grenzen geprägten Welt“, so UEFA-Präsident Aleksander Čeferin. „Dieses Turnier ist ein wunderbares Beispiel für den tiefgreifenden Einfluss unseres Sports auf das Leben der Menschen. Es fördert die Werte, für die der UNHCR und die UEFA einstehen.
Der Neuanfang in einem ungewohnten Umfeld ist oft nicht einfach. Der Fußball hat jedoch die Fähigkeit, die Integration zu beschleunigen, und ein Gefühl der Verbundenheit zu schaffen. Er fördert das gemeinsame Verständnis und eröffnet Möglichkeiten, sich regelmäßig einzubringen. Solche Erfahrungen können unsere Gemeinschaften voranbringen.“
Positiver Einfluss, Integration und Inklusion in ganz Europa
Im Vorfeld der Ausgabe 2026 haben die europäischen Nationalverbände ihre eigenen Programme im Bereich Fußball und Flüchtlinge weiterentwickelt. Jedes Programm bietet Geflüchteten sowie Einheimischen die Gelegenheit, sich auszutauschen, in Kontakt zu kommen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Gleichzeitig werden Partnerschaften zwischen Fußballorganisationen, aufnehmenden Gemeinden und Unterstützungsnetzwerken für Flüchtlinge gestärkt, darunter auch im Rahmen der Länderaktivitäten des UNHCR.
Nachfolgend sind Beispiele aufgeführt, wie einige der teilnehmenden Länder den Fußball als treibende Kraft für positiven Wandel nutzen.
Der deutsche Qualifikationswettbewerb zum Unity EURO Cup beinhaltet ein Punktesystem, das neben der Leistung auf dem Platz auch Fairplay, Respekt und Solidarität belohnt. Bei der Durchführung der Veranstaltung stehen die Flüchtlingsgemeinschaften des Landes im Zentrum. Die Unparteiischen und ehrenamtlichen Helfer/-innen sind Geflüchtete, die Verpflegung wird von einem von Geflüchteten betriebenen Unternehmen bereitgestellt und ein engagiertes Team sorgt für ein sicheres und einladendes Umfeld für alle Beteiligten.
Der Französische Fußballverband arbeitet mit den Partnerorganisationen „Kabubu“ und „Sport et Citoyenneté“ zusammen. Gemeinsam nutzen sie Sensibilisierungskampagnen, kreative Geschichten und Schulungen für Unparteiische, um die Integration von Geflüchteten zu unterstützen, ihren Zugang zum Fußball zu verbessern und ihre langfristige Inklusion vor Ort zu fördern.
Die griechische Auswahl hatte vor der Ausgabe 2025 noch nie zusammen gespielt, doch dank der Widerstandsfähigkeit, Entschlossenheit und des Zusammengehörigkeitsgefühls erreichte das Team beim Unity EURO Cup 2025 den dritten Platz. Der iranische Spieler Arjin brachte über die um seinen Hals hängende Medaille hinaus die wahre Bedeutung des Turniers auf den Punkt: „Ich habe eine neue Familie gefunden; ich habe das Gefühl, mich im Fußball und durch den Fußball wieder zu etwas zugehörig zu fühlen.“ Das Team spielt nicht nur weiterhin zusammen, sondern hat sich seitdem zahlenmäßig verdoppelt – und hofft, seine Leistung beim diesjährigen Turnier zu wiederholen oder sogar zu übertreffen.
Im Vorfeld der Ausgabe 2026 in Coverciano haben die Ausrichter des Turniers mit der Aktion „Road to Unity EURO Cup 2026“ eine Initiative auf dem Weg gebracht, bei der Fußball mit Aktivitäten zur Sensibilisierung für das Thema Geflüchtete und zu sozialer Inklusion kombiniert wird. Die Aktivitäten des italienischen Verbands zur Unterstützung von Flüchtlingen erstrecken sich auf 91 Flüchtlingszentren und zählen 784 Spieler/-innen sowie 29 Vereine. Dabei werden strukturierte Teilnahme-, Auswahl- und Integrationsmöglichkeiten geschaffen.
Das lettische Integrationsprogramm „Fußball für Flüchtlinge“ unterstreicht die Fähigkeit des Fußballs als Weg für Inklusion und zur Förderung von Führungskompetenzen. Geflüchtete Spieler wie die ukrainischen Zwillinge Matwijs und Tomofijs Marusiji haben das Programm genutzt, um sich immer besser zu integrieren, und traten bereits in der Vergangenheit beim Unity EURO Cup in Erscheinung. Oleh Lazurk, der das lettische Team beim Unity EURO Cup 2025 als Kapitän anführte, trainiert heute gemischte Teams aus Geflüchteten und Einheimischen in Riga.
Die Mitarbeitenden des Maltesischen Fußballverbands (MFA) gehören oftmals zu den ersten, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Die daraus entstehenden Begegnungen verändern das Leben aller Beteiligten, sowohl der Geflüchteten als auch der Mitarbeitenden. Der Fußball bietet Menschen verschiedenster Herkunft und Kultur die Möglichkeit, sich auf Augenhöhe zu treffen. Wöchentliche Trainingseinheiten bilden einen strukturierten und einladenden Raum zum Austausch und zum Spielen. Einige ehemalige Teilnehmende des Unity EURO Cup engagieren sich weiterhin als ehrenamtliche Helfer/-innen, Coaches oder auf lokaler Ebene.
Das Integrationsprogramm der IFA-Stiftung führt das ganze Jahr über sportliche Initiativen zur Überwindung von Traumen in ganz Nordirland durch. Geflüchtete und lokale Gemeinden werden eingebunden, um Inklusion und Zugehörigkeit zu fördern. Darüber hinaus nehmen auch Wohlbefinden und die Beschäftigungsfähigkeit einen zentralen Platz ein. Die Initiativen stehen unter der Federführung von Geflüchteten, fördern die Teilnahme von Frauen und bieten Möglichkeiten, sich Vereinen anzuschließen und Teil des Lebens vor Ort zu werden.
„Durch das Programm bin ich selbstbewusster geworden und habe die Fähigkeiten erhalten, mich aktiv einzubringen“, sagte Emmanuel Aluko, einer der Teilnehmer. „Es hat mir geholfen, mich als Teil der Gemeinschaft zu fühlen.“
Der Österreichische Fußball-Bund arbeitet mit der in Wien ansässigen Nichtregierungsorganisation „Breaking Grounds“ zusammen, um das österreichische Team für den Unity EURO Cup zu rekrutieren. Die Initiative nutzt den Fußball, um die Inklusion von Geflüchteten, ihr Selbstvertrauen und ihre persönliche Entwicklung zu fördern. Gleichzeitig hilft sie den Teilnehmenden dabei, durch die gemeinsame Ausübung des Sports Kontakte zu knüpfen sowie soziale und kulturelle Barrieren zu überwinden.
„Wenn man mich nicht in Österreich aufgenommen hätte, wäre ich wahrscheinlich noch in Afghanistan“, so Shifoka, eine der Spielerinnen der österreichischen Auswahl. „Ich würde sicher einfach zu Hause sitzen – wegen des strengen Taliban-Regimes. In Afghanistan hatten Jungs schon immer mehr Freiheiten als Mädchen. Für afghanische Mädchen ist Fußballspielen praktisch unerreichbar. Es war daher ein sehr emotionaler und besonderer Moment für mich, am Unity EURO Cup teilzunehmen und Österreich zu vertreten.“
Der Rumänische Fußballverband hat eine neue Initiative auf den Weg gebracht, um Rumäniens erstes Team für den Unity EURO Cup zu bilden. Ziel des in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und der nationalen Agentur für Sport durchgeführten Auswahlturniers war es, Vielfalt, Freundschaften und Inklusion zu fördern, während gleichzeitig die Zusammenstellung der Auswahl erfolgte.
Ausgabe 2026 größer als je zuvor
Die Ausgabe 2026 wird die Mission des Turniers fortsetzen. Im nationalen Trainingszentrum Italiens vor den Toren von Florenz kommen 22 Teams sowie beinahe 400 Spieler/-innen, Coaches, ehrenamtliche Helfer/-innen und Organisatoren aus ganz Europa zu einem zweitägigen Fest der Freundschaft und Inklusion zusammen, bei dem der Fußball das Herzstück bildet.
Neben den Spielen finden soziale und kulturelle Aktivitäten statt, bei denen Austausch, Wissenserwerb und gegenseitiges Verständnis gefördert werden.
Zum Abschluss werden natürlich die Sieger gekrönt, aber der wahre Erfolg des Unity EURO Cup lässt sich nicht allein an diesen Ergebnissen messen. Sein größter Erfolg besteht darin, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen verschiedenster Herkunft als Mitspieler/-innen und Gegner/-innen freundschaftlich zusammenkommen können.
Der Unity EURO Cup ist am diesjährigen Weltflüchtlingstag erneut ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was möglich ist, wenn der Sport seine Türen für alle öffnet.
UEFA-Toolkit „Fußball für Flüchtlinge“
Fußballorganisationen, die eine eigene Flüchtlingsinitiative ins Leben rufen möchten, können das UEFA-Toolkit „Fußball für Flüchtlinge“ konsultieren. Neben praktischen Anleitungen soll das Toolkit auch den Dialog mit der Bevölkerung vor Ort fördern, um sicherzustellen, dass alle Menschen die Chance haben, sich weiterzuentwickeln, einen Beitrag in der Gesellschaft zu leisten und sich im Fußball wirklich zu Hause zu fühlen.