Cüneyt Çakır über Vorbereitung & Vorfreude
Freitag, 5. Juni 2015
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Cüneyt Çakır blickt einem "Fest des europäischen Fußballs" entgegen und kann seinen Stolz, als erster Türke ein Finale der UEFA Champions League zu leiten, nicht verbergen.
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"Ich werde auf die Hymne der Champions League warten und dann einfach den Moment genießen." Der türkische Schiedsrichter Cüneyt Çakır ist bereit für "ein Fest des europäischen Fußballs" wenn er am Samstag im Finale der UEFA Champions League zwischen Juventus und FC Barcelona in Berlin die Leitung des Spiels übernimmt.
Çakır ist sich durchaus bewusst, dass er Teil von etwas Besonderem ist und blickt mit Vorfreude auf das Finale. Doch der 38-jährige Unparteiische aus Istanbul, der seit 2006 internationale Spiele pfeift, betont ebenso, dass er und seine Kollegen dieses Spiel wie jedes andere angehen werden.
Çakırs Landsmänner Bahattin Duran und Tarık Ongun sind die Schiedsrichterassistenten, der Schwede Jonas Eriksson wird der vierte Offizielle sein und die beiden zusätzlichen Assistenten sind Hüseyin Göçek und Barış Şimşek – ebenfalls aus der Türkei. Ein weiterer türkischer Reserveassistent – Mustafa Emre – komplettiert das Schiedsrichterteam im Finale.
"Für mich war es ein unvergesslicher Moment", sagt Çakır über den Moment, in dem er erfuhr, dass er der Finalschiedsrichter sein wird. "Als mich [die UEFA] anrief und mir mitteilte, dass ich mit meinem Team das Champions League Finale leiten darf, war ich extrem glücklich. Wenn ich an mein Team denke, meine Familie, und alle Menschen, die mir halfen, zu dem Schiedsrichter zu werden, der ich heute bin. Sie haben alle an mich geglaubt, deshalb bin ich sogar noch glücklicher.
"Natürlich darf man darauf stolz sein, aber es ist auch eine große Verantwortung. Es ist das erste Mal, dass ein türkischer Schiedsrichter mit einem türkischen Schiedsrichterteam das Finale pfeift, was unsere Verantwortung noch verdoppelt."
Çakır, der Betriebswirtschaftslehre studierte und bei einer Versicherung arbeitete, verdankt sein Interesse für die Arbeit der Schiedsrichter seinem Vater. "Als ich jünger war, habe ich Fußball gespielt", sagt er, "und ich wollte Fußballspieler werden. Aber mein Vater war Schiedsrichter und dank ihm war ich mir immer bewusst, wie die Welt der Schiedsrichter funktioniert – und es hat mir gut gefallen. Ich habe seine Spiele angeschaut und dann haben wir sie gemeinsam analysiert. Es war, als ob ich sein Assistent war.
"Als ich 17 war, wurde ein Schiedsrichterkurs angeboten, für den ich mich angemeldet habe und seitdem pfeife ich Spiele. Es ist etwas, das mir unglaublich Spaß macht."
Çakır war Teil des Aufgebots der Schiedsrichter bei der UEFA EURO 2012 und der FIFA-Weltmeisterschaft 2014 und sagt, dass harte Arbeit und Einsatz ihn zu seiner momentanen Position geführt haben. "Heute wird der Fußball auf so hohem Niveau gespielt und als Schiedsrichter muss man sich wirklich auf die Spiele vorbereiten", sagt er. "Schiedsrichter zu sein ist mehr als nur 90 Minuten auf dem Platz. Neben dem Spiel selbst muss man auch als Schiedsrichter physisch, technisch und mental vorbereitet sein, man muss viel Zeit aufwenden.
"Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, egal was ich gerade mache. Das ist einfach meine Philosophie. Natürlich hatte ich gewisse Ziele, als ich mal als Schiedsrichter angefangen habe, ich wollte schon immer auf hohem Niveau pfeifen und große Spiele wie ein Endspiel bekommen. Ich habe immer hart gearbeitet, habe mir Ziele gesetzt und bin geduldig geblieben. Wenn man hart arbeitet, dann wird man belohnt. "
Im schnellen, modernen Spiel heutzutage kann die Bedeutung von einem Team aus Schiedsrichtern, das gut zusammenarbeitet, nicht genug betont werden und auch Çakır hebt immer wieder hervor, wie wichtig seine Kollegen sind. "Die Schiedsrichter bilden ein echtes Team, egal ob auf oder abseits des Platzes", sagt er. "Alleine kann man gar nichts erreichen, man muss als Mannschaft arbeiten und sich auch zusammen vorbereiten. Meinen Erfolg als Schiedsrichter verdanke ich meinem gesamten Team. Wir haben uns immer sehr gut auf unsere gemeinsamen Aufgaben vorbereitet und ich möchte ihnen für das, was wir zusammen erreicht haben, danken. Wenn es sie nicht gäbe, wäre ich auch nicht hier."
Die Vorbereitung auf Samstag wird so ablaufen wie immer. "Es gibt keinen großen Unterschied zwischen diesem Spiel und jedem anderen", erklärt Çakır. "Wir bereiten uns wie auf jedes andere Spiel vor, weil wir immer unser Bestes geben. Natürlich ist es ein Finale, ein besonderer Tag, aber wir machen alles wie immer und wir sind genauso diszipliniert, wie wir es bei jedem anderen Spiel auch sind."
Trotzdem kann man die Vorfreude nicht ignorieren. "Genau wie die Spieler sind wir Teil des Spiels und genau wie sie verspüren wir eine riesige Vorfreude auf den Anpfiff. Wir sind jetzt schon auf dieses Gefühl gespannt, wenn man aufgeregt in den Katakomben steht und sich anschließend auf den Weg macht, den Platz zu betreten."
Was erhofft sich Cüneyt Çakır für das Finale in Deutschlands Hauptstadt? "Ich hoffe, dass es ein schönes Spiel für alle wird, weil eines feststeht: es ist das Finale der Champions League, es ist ein Fest des europäischen Fußballs."