2007 bis heute: Eine neue Ära beginnt
Freitag, 1. Juli 2005
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Mit einem neuen Gesicht an der Spitze hat die UEFA auch in den letzten Jahren intensiv an der Weiterentwicklung des europäischen Fußballs gearbeitet.
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Im Januar 2007 begann für die UEFA eine neue Ära, als der Franzose Michel Platini, in den 1980er-Jahren ein Weltklassespieler, beim XXXI. Ordentlichen UEFA-Kongress in Düsseldorf zum neuen UEFA-Präsidenten gewählt wurde. Lennart Johansson, der nach 17 herausragenden Jahren an der Spitze des europäischen Fußball-Dachverbands sein Amt abgab, wurde zum UEFA-Ehrenpräsident ernannt.
Michel Platini kann auf eine glanzvolle aktive Laufbahn zurückblicken, die ihn über AS Nancy-Lorraine und AS Saint-Étienne zu Juventus führte, und in der er dreimal zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde. Auch seine Nationalmannschaftskarriere kann sich sehen lassen: In 72 Länderspielen für Frankreich erzielte er 41 Tore und führte die Equipe Tricolore als Kapitän zum Gewinn der UEFA-Europameisterschaft 1984 vor eigenem Publikum. Von 1988 bis 1992 war er Trainer der Nationalelf, ehe ihm ein reibungsloser Übergang in die Fußballpolitik gelang. Zur FIFA-Weltmeisterschaft 1998 in seinem Heimatland war er Co-Präsident des Organisationskomitees.
Die Entwicklungen innerhalb der UEFA und des europäischen Fußballs gingen derweil rasant weiter. Im April 2007 vergab das UEFA-Exekutivkomitee die Austragung der UEFA EURO 2012™ an Polen und die Ukraine. Dadurch wurde zum dritten Mal in der Geschichte eine Europameisterschaft von zwei Ländern veranstaltet. 2002 hatte das Turnier in Belgien und den Niederlanden stattgefunden, 2008 hießen die Gastgeber Österreich und Schweiz.
Beim zehnten außerordentlichen UEFA-Kongress im Mai 2007 in Zürich wurden einige Änderungen an den Statuten vorgenommen, die unter anderem zur Entstehung des Strategischen Beirats für Berufsfußball führten. Diesem gehören die Vizepräsidenten der UEFA und Vertreter der europäischen Vereine, Ligen und Spieler an. Michel Platini lobte diese Entscheidung als „wichtigen Schritt, um die Fußballfamilie näher zusammenzubringen. Ich rufe die großen europäischen Klubs offiziell dazu auf, sich mit allen anderen Klubs zusammenzuschließen, um mit den anderen Mitgliedern der europäischen Fußballfamilie in einen fruchtbaren, produktiven und demokratischen Dialog zu treten“, so Platini. „Die Tür der UEFA steht offen – sprechen Sie mit uns und ich verspreche Ihnen, dass Sie nicht enttäuscht werden.“
Am 1. Juni 2007 wurde David Taylor, der ehemalige Geschäftsführer des Schottischen Fußballverbands, zum neuen UEFA-Generalsekretär ernannt. Gianni Infantino wurde sein Stellvertreter und zusammen mit einer loyalen und starken Administration leitete das neue Führungstrio fortan die Geschicke der UEFA.
Die anschließende Gründung der Europäischen Klubvereinigung (ECA) und die Unterzeichnung einer Grundsatzvereinbarung zwischen der UEFA und der ECA haben eine neue und harmonische Zeit im europäischen Fußball eingeläutet. Im Rahmen der Grundsatzvereinbarung wurde vereinbart, dass die UEFA alle vier Jahre einen Teil des Gewinns der jeweiligen UEFA-Europameisterschaft an die Vereine abgibt, die Spieler abgestellt haben. Im Herbst 2007 wurde eine weitere Grundsatzvereinbarung zwischen der UEFA und der europäischen Division der Spielergewerkschaft FIFPro unterzeichnet, die ebenfalls das Ergebnis eines Dialogs zwischen den beiden Organisationen war.
Intensive Gespräche zwischen der UEFA und den Interessenträgern der Fußballs führten auch zu Formatänderungen in den UEFA-Klubwettbewerben, die vom UEFA-Exekutivkomitee verabschiedet wurden: Seit der Saison 2009/10 qualifizieren sich 22 Mannschaften direkt für die Gruppenphase der UEFA Champions League, in der insgesamt 32 Teilnehmer an den Start gehen. Zu den direkt qualifizierten Teams gehören nunmehr die drittplatzierten Vereine der drei stärksten Ligen und die Meister der auf den Plätzen zehn bis zwölf der UEFA-Koeffizientenrangliste klassierten Verbände. Das Endspiel der UEFA Champions League wird seit 2010 samstags ausgetragen. In der Saison 2009/10 wurde außerdem der UEFA-Pokal nach 37 Jahren durch die UEFA Europa League ersetzt, die mit einer Gruppenphase mit 48 Mannschaften beginnt. Dem Wettbewerb wurde dadurch in sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht neues Leben eingehaucht.
Die UEFA EURO 2008™ in Österreich und der Schweiz war sportlich und wirtschaftlich ein voller Erfolg. Schon in der Vorbereitung auf diesen Höhepunkt blickte die UEFA über den Tellerrand hinaus und vergab die UEFA EURO 2012™ wie bereits erwähnt nach Osteuropa an Polen und die Ukraine. Im September 2008 beschloss das UEFA-Exekutivkomitee zudem, das Teilnehmerfeld für die EURO 2016 von 16 auf 24 Mannschaften aufzustocken. Im Mai 2010 wurde Frankreich als Ausrichter dieser EM-Endrunde ausgewählt.
Der unermüdliche Kampf der UEFA zur Beseitigung der negativen Erscheinungen des Fußballs wurde fortgeführt. Eine Null-Toleranz-Politik wird insbesondere gegen Gewalt und Rassismus verfolgt. Auch soziale Verantwortung wird bei der UEFA groß geschrieben. Das FARE-Netzwerk (Fußball gegen Gewalt in Europa) wird vom europäischen Dachverband stark unterstützt, außerdem leistete die UEFA während der UEFA EURO 2008™ einen Beitrag zur Kampagne des Roten Kreuzes (IKRK) zugunsten von Landminenopfern. Hilfestellung gab es unter anderem auch für Fußballverbände, die von Naturkatastrophen heimgesucht wurden, obdachlose Fußballer, behinderte Spieler und Fußballer mit Lernbehinderungen sowie für Jugendliche in Krisenregionen. Außerdem profitieren alle 53 Mitgliedsverbände von dem ambitionierten HatTrick-Unterstützungsprogramm.
Viele UEFA-Projekte sind auf die langfristige Zukunft ausgerichtet. Intensive politische und diplomatische Gespräche mit der Europäischen Union über zahlreiche Themen gehen weiter. Die UEFA steht auch im ständigen Dialog mit den Fans und 2007 wurde erstmals ein Treffen mit Fanvertretern veranstaltet. Der Kampf gegen Doping – bei der UEFA EURO 2008 wurden erstmals Blutproben während und zwischen den Spielen genommen –, Korruption und illegale Wetten wird unvermindert fortgesetzt. 2009 wurde ein Frühwarnsystem zur Aufdeckung betrügerischer Wetten eingeführt, das mehr als 29 000 Spiele pro Saison unter die Lupe nimmt. Im September 2009 schließlich bewilligte das UEFA-Exekutivkomitee das Konzept des finanziellen Fairplays, das für mehr finanzielle Gerechtigkeit und Stabilität in den Europapokal-Wettbewerben sorgen soll.
In der UEFA Champions League und der UEFA Europa League wurde ein Experiment mit zwei zusätzlichen Schiedsrichterassistenten durchgeführt. Ziel war es, dass die Schiedsrichter bei schwierigen Entscheidungen zusätzliche Unterstützung erhalten. Die Topreferees der Zukunft werden nunmehr im neuen Schiedsrichter-Exzellenzzentrum der UEFA (CORE), das seit Sommer 2010 existiert, noch besser auf ihre Aufgaben vorbereitet.
Die Respekt-Kampagne, die von Michel Platini vor der EM-Endrunde 2008 initiiert worden war, zielt darauf ab, den Respekt zwischen Spielern, Trainern, Offiziellen und Fans zu fördern und war ein wichtiger Bestandteil des Turniers. Die weitreichende Strahlkraft der Kampagne in und über die Gastgeberstädte hinaus trug in Österreich und der Schweiz maßgeblich zu der geselligen und freundschaftlichen Atmosphäre auf und abseits des Rasens bei. Da die Reaktionen auf die Respekt-Kampagne so positiv ausfielen, wurde sie auf alle UEFA-Wettbewerbe ausgeweitet. Zudem wird die Botschaft von der Fußballfamilie auch auf nationaler und regionaler Ebene weitergetragen. Die UEFA ist der Ansicht, das Vielfalt eine Bereicherung für Europa ist und respektiert werden muss. Insbesondere müssen Probleme wie Rassismus, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie bekämpft werden. Gleichzeitig muss auch die Unterstützung für unsere Partner bei der Förderung des Behindertensports aufrechterhalten werden.
Im September 2009 ließ das Exekutivkomitee die Marketingstrukturen der UEFA überprüfen und gab anschließend grünes Licht für die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft: Die UEFA Events SA ist seither für die kommerziellen Belange der UEFA zuständig. David Taylor wurde zum 1. Oktober 2009 zum CEO der UEFA Events SA ernannt, gleichzeitig wurde der stellvertretende UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino zum UEFA-Generalsekretär befördert.
Die Arbeit der UEFA beruht auf elf Schlüsselwerten – entsprechend der Zahl der für ein Fußballteam benötigten Spieler. Diese Werte sollen für die UEFA eine Basis für ihre Aktivitäten sowie den Dialog als Vertreterin des europäischen Fußballs mit Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Sportwelt bilden. Michel Platini stellte die elf Schlüsselwerte beim XXXIII. Ordentlichen UEFA-Kongress im März 2009 in Kopenhagen, Dänemark, vor. Sie decken die ganze Bandbreite der Aktivitäten der UEFA ab – von Einheit und Führung, Good Governance und Wahrung der Autonomie bis hin zum Schutz und der Förderung der Jugend, der Integrität des Sports und dem finanziellen Fairplay – mit dem Versprechen, dass der Fußball bei allem, was die UEFA tut, immer an erster Stelle steht.
Am 22. März 2011 wurde Michel Platini beim XXXV. Ordentlichen UEFA-Kongress in Paris per Akklamation wiedergewählt. Er führte den Kampf gegen Korruption, das finanzielle Fairplay und die Notwendigkeit, die grundlegenden Werte des Fußballs für künftige Generationen zu schützen, als wichtigste Prioritäten für die kommenden Jahre an.
Nach mehr als fünf Jahrzehnten Existenz ist die Stimme der UEFA präsenter denn je und lässt keinen Zweifel daran, dass das Wohlergehen des Fußballs weiterhin an erster Stelle steht.