Staubli: "Es ist wirklich großartig"

"Ich versuche immer noch, meine Emotionen zu erfassen", sagte Schiedsrichterin Esther Staubli, die am Sonntag das Endspiel der UEFA Women's EURO leiten wird, im Gespräch mit UEFA.com.

Esther Staubli im Schiedsrichterhotel in den Niederlanden
Esther Staubli im Schiedsrichterhotel in den Niederlanden ©UEFA.com

Das Endspiel der UEFA Women's EURO 2017 ist nicht nur für die beteiligten Spielerinnen eine große Sache, sondern auch für die 37-jährige Schweizer Schiedsrichterin Esther Staubli, die am Sonntag das Endspiel zwischen Gastgeber Niederlande und Dänemark leiten wird.

UEFA.com: Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung als Finalschiedsrichterin der UEFA Women's EURO. Wie stolz sind Sie?

Esther Staubli: Es ist wirklich großartig. Ich erinnere mich, wie ich gesagt habe, dass es eine Ehre ist, dass Finale der Champions League [2015] zu leiten, und es ist erneut eine große Ehre, dieses Finale zu pfeifen. Das ist wie eine Rückzahlung für die Anstrengungen, das ganze Training in all den Jahren. Ich versuche immer noch, meine Emotionen zu erfassen, aber sie sind noch nicht da. Sie werden kommen, wenn ich am Montag nach Hause fliege.

Können Sie einen Tag im Leben einer Schiedsrichterin bei der UEFA Women's EURO 2017 beschreiben?

Nach dem Frühstück trainieren wir für zwei Stunden: Wir haben eine körperliche Trainingseinheit und einen praktischen Teil mit Bällen. Am Nachmittag haben wir manchmal Nachbesprechungen, aber meistens eher Massagen und ein wenig Zeit zur Entspannung. An Spieltagen wartet man auf sein Spiel am Abend. Vor einem Spiel schlafe ich immer etwa zwei Stunden lang; das ist sehr wichtig für mich.

Wie alt waren Sie, als Sie mit dem Schiedsrichterdasein begonnen haben?

Ich war 21. Ich war Fußballspielerin in der höchsten Schweizer Liga, aber ich wusste, dass es für die Schweizer Nationalmannschaft nicht reichen würde. Deshalb habe ich eine neue Herausforderung im Fußball gesucht, denn der Fußballsport ist wirklich meine Leidenschaft. Ich habe eine Lösung gefunden und bin Schiedsrichterin geworden. Und das macht mir richtig Spaß. Für mich ist jedes Spiel eine neue Herausforderung.

Können Sie als Schiedsrichterin Ihren Lebensunterhalt verdienen?

Nein. In der Schweiz ist es nicht möglich, vom Schiedsrichtergehalt leben zu können. Ich bin Lehrerin in einer Landwirtschaftsschule. Ich unterrichte 16- bis 20-Jährige, wie man Kühe melkt und Schweine füttert.

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Wie bereiten Sie sich auf das Endspiel vor?

Wir haben in diesem Turnier viel Glück, denn erstmals haben wir einen Spielanalytiker, der uns mit Clips und sehr gutem Input versorgt, wie die Teams spielen, wie sie ihre Standards, Ecken und Konter ausführen. Das hilft sehr in unserer Vorbereitung. 

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Was denken Sie kurz vor einem Finale?

Nicht viel. Ich versuche, meine Konzentration hochzuhalten, aber wenn die Nationalhymnen erklingen, ist es schon emotional. Ich versuche, diesen Moment zu genießen.

Was bedeutet das Wort "Respekt" für Sie?

Ich versuche immer, die Leute so zu behandeln, wie ich behandelt werden will. Das ist für mich Respekt.

Haben Sie für junge Frauen eine Botschaft, wenn sie Schiedsrichterinnen werden wollen?

Das würde ich jeder jungen Frau empfehlen. Das ist eine der besten Ausbildungen: Es ist das Interessanteste, mit Menschen klarzukommen, und wenn man Fußball mag, dann ist man in einem sehr interessanten Sport tätig. Das Positive überwiegt zumeist gelegentliche negative Dinge.