Über den Atlantik hinaus: Die globale Strahlkraft der UEFA Women’s Champions League
Donnerstag, 21. Mai 2026
Artikel-Zusammenfassung
Immer mehr Spielerinnen aus aller Welt wagen den Sprung nach Europa, wo sie mit der UEFA Women’s Champions League auf einen weltweit beachteten Elitewettbewerb treffen und unterschiedliche Spielweisen kennenlernen.
Top-Medien-Inhalte des Artikels
Artikel-Aufbau
Mit nur 18 Jahren beschloss Alyssa Thompson, auf das College zu verzichten, und wurde 2023 als erste Highschool-Spielerin überhaupt in die US-amerikanische National Women’s Soccer League (NWSL) gedraftet. Sie landete beim Angel City FC, dem Verein ihrer Heimatstadt Los Angeles.
Nach dem typisch amerikanischem Einstieg in ihre Profikarriere unterschrieb Thompson Ende 2025 bei Chelsea und ließ ihre Heimatstadt, ihren Stammverein und ihre Schwester Gisele, die ebenfalls bei Angel City spielte, hinter sich, um ins 5 000 Meilen entfernte London zu ziehen. Einer der Hauptgründe, der sie zu diesem Schritt veranlasste, war die UEFA Women’s Champions League.
„Viele Amerikaner träumen als Kind davon, nach Europa zu kommen“, erklärt Thompson. „In der Champions League zu spielen, das wollen alle Fußballer. Diese Chance hat bei meinem Wechsel [zu Chelsea] definitiv eine Rolle gespielt.
Es ist fantastisch, auf höchstem Niveau gegen verschiedene Gegner aus Europa anzutreten. Ob die USA oder England, Spanien, Italien – jede Liga hat ihren eigenen Stil. Es ist wirklich cool, das erleben zu dürfen und mein Spiel so weiterzuentwickeln.“
Bewährungsprobe auf der größten Bühne Europas
Thompsons Karriereverlauf ist nicht außergewöhnlich. Sie ist bei weitem nicht die einzige Spielerin von außerhalb Europas, die zu einem für die Women’s Champions League qualifizierten Verein wechselt.
Zu den Landsfrauen Thompsons, die in dieser Saison auf sich aufmerksam gemacht haben, gehören die Nationalspielerinnen Lily Yohannes und Lindsey Heaps, die beim diesjährigen Finalisten Lyon ein gefürchtetes Mittelfeldduo bilden. Emily Fox ist ein fester Bestandteil der Abwehr von Arsenal, dem letztjährigen Sieger der Königsklasse, während Manchester-United-Torhüterin Phallon Tullis-Joyce in fünf von sechs Spielen unbezwungen blieb und so maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Mancunians bei ihrer ersten Teilnahme im Wettbewerb das Viertelfinale erreichten.
Die USA sind das prominenteste, aber bei weitem nicht das einzige Land, dessen Stars es nach Europa zieht. 52 Spielerinnen von außerhalb Europas sind in der laufenden Women‘s Champions League zum Einsatz gekommen, darunter 13 US-Amerikanerinnen, zehn Brasilianerinnen und acht Kanadierinnen.
Das ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein klares Signal für das unaufhaltsame Wachstum des Wettbewerbs. Der Anteil nichteuropäischer Spielerinnen nimmt jedes Jahr zu und ist allein in den letzten drei Spielzeiten um 29 % gestiegen.
Diese Spielerinnen zeichneten in der Saison 2025/26 für 33 der in der Ligaphase erzielten Tore verantwortlich. Die Kanadierin Evelyne Viens vom AS Rom war gar die beste Torschützin der Ligaphase, in der sie fünf der neun Treffer der Römerinnen erzielte.
Eines der vier langfristigen Ziele der UEFA-Frauenfußballstrategie „Unstoppable“, Europa zur Heimat der weltbesten Spielerinnen zu machen, ist dank der Women’s Champions League auf bestem Wege.
Wachsendes weltweites Publikum
Je mehr Spielerinnen von außerhalb Europas bei Vereinen spielen, die sich im europäischen Geschäft befinden, desto größer wird die Aufmerksamkeit für die hier ausgetragenen Wettbewerbe. Die weltweite Strahlkraft der Women’s Champions League ist in dieser Saison stark gestiegen. Eine Reihe neuer Broadcaster haben sich Übertragungsrechte gesichert und sich dazu verpflichtet, mehr Ressourcen für ihre Sendungen bereitzustellen.
Erstmals wurde beispielsweise Disney+ als offizieller Sendepartner verpflichtet, der sämtliche 75 Partien des Wettbewerbs in fernen Ländern wie Brasilien und Australien ausstrahlen wird. Der Streaming-Gigant hat eine eigene, von der ehemaligen Champions-League-Siegerin Alex Scott moderierte Spieltag-Sendung auf den Weg gebracht und die Mindestanzahl der für Übertragungen verwendeten Kameras auf sechs verdoppelt. Dies steigert den Produktionswert und zeigt, welche Bedeutung Disney+ dem Wettbewerb beimisst.
In den USA hat der Sender CBS Sports einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet, in dessen Rahmen sämtliche Partien des Wettbewerbs in den kommenden fünf Jahren ausgestrahlt, in Studiosendungen zusammengefasst und von hochkarätigen Expert/-innen analysiert werden.
Neue Investitionen
Nicht nur Spielerinnen und Broadcaster jenseits des Atlantiks haben das Potenzial des europäischen Frauenfußballs erkannt, sondern auch potente Investoren. In den letzten Jahren haben mehrere von ihnen in europäische Vereine investiert, wie die US-amerikanische Geschäftsfrau Michele Kang, die Haupteigentümerin von OL Lyonnes, oder der US-amerikanische Unternehmer Alexis Ohanian, der letzte Saison Minderheitseigner bei den Chelsea Women wurde.
Bei der Bekanntgabe seines Einstiegs bei den Westlondonerinnen gab Ohanian eine mutige Prognose zum erwarteten Interesse an seinem neuen Verein auf der anderen Seite des Atlantiks ab: „Das wird Amerikas Team.“
Angesichts der wachsenden Zahl von Spielerinnen und Fans, die sich für die Vereine in der Women’s Champions League interessieren, dürfte der begehrte Pokal künftig noch umkämpfter sein.
Endspielprogramm erhalten
Dieser Text ist ein übersetzter Auszug aus dem offiziellen Programm des Endspiels der UEFA Women’s Champions League 2026. Klicken Sie hier, um ein Exemplar (in englischer Sprache) zu kaufen.