Kämpfer mit großem Herzen

Domagoj Vida verkörpert die Leidenschaft der kroatischen Nationalmannschaft wie kaum ein anderer. So ist es nicht zuletzt sein Verdienst, dass Kroatien am Sonntag im WM-Finale die Chance hat, Geschichte zu schreiben.

Domagoj Vida verkörpert die Leidenschaft der kroatischen Nationalmannschaft
Domagoj Vida verkörpert die Leidenschaft der kroatischen Nationalmannschaft ©Getty Images

"Wir sehen Videos und Bilder von Zuhause und ganz Kroatien ist wie in Trance und feiert. Wir sind überglücklich, dass wir unseren Landsleuten so viel Freude bereiten können", freute sich Kroatiens Verteidiger Domagoj Vida nach dem 2:1-Halbfinalsieg über England.

Mann mit Erfahrung: Vida kommt auf 24 Einsätze in der Königsklasse
Mann mit Erfahrung: Vida kommt auf 24 Einsätze in der Königsklasse©Getty Images

Der 1,84m große Innenverteidiger passt auf den ersten Blick nicht wirklich in die Phalanx der technisch versierten Fußballer des nur gut vier Millionen Einwohner zählenden Landes. Für die Spielkultur sind beim WM-Finalisten eher Luca Modrić und Ivan Rakitić zuständig, für die Tore Ivan Perišić und Mario Mandžukić, aber in Sachen Leidenschaft kommt der aus Osijek stammende Vida ins Spiel.

Der 29-jährige Abwehrspieler verkörpert allein durch sein Aussehen schon eine ganz andere Art von Spielertyp. Der eigenwillige blonde Haarzopf, sein bulliger Körperbau, seine rustikale Art auf dem Platz – ein Mann fürs Grobe eben, der sich für keinen Zweikampf zu schade ist, privat aber als großherzig und gutmütig gilt. Er steht wie kein anderer für die Hingabe der Kroaten, die sich durch drei  Verlängerungen inklusive zwei Elfmeterschießen ins WM-Finale gekämpft haben.

Im Viertelfinale traf Vida sogar zwischenzeitlich zum wichtigen 2:1 in der Verlängerung gegen Russland und auch im Elfmeterschießen übernahm er Verantwortung. Er ist zwar nicht unbedingt für seine Torgefahr bekannt, dennoch gelangen ihm bei Dynamo Kiew, für das er von 2013 bis Januar 2018 spielte, immerhin 13 Tore in 160 Spielen.

Seltener Anblick: Bei Leverkusen konnte Vida nie wirklich Fuß fassen
Seltener Anblick: Bei Leverkusen konnte Vida nie wirklich Fuß fassen©Getty Images

Dinge, die man von seiner Zeit in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen nicht behaupten konnte. In der Saison 2010/11 kam er dort lediglich auf insgesamt neun Einsätze - einzig in der UEFA Europa League war er fast immer gesetzt. Einem zweijährigen Intermezzo bei Dinamo Zagreb folgte dann der Wechsel zu Dynamo Kyiv. Nach guten Leistungen bei den Ukrainern wurde Beşiktaş auf ihn aufmerksam und konnte ihn zu Jahresbeginn ablösefrei verpflichten.

Beim 3:1-Sieg gegen Fenerbahçe zählte er sogar zu den Torschützen
Beim 3:1-Sieg gegen Fenerbahçe zählte er sogar zu den Torschützen©Getty Images

Trotz großer Konkurrenz spielte er sich in Istanbul in die Stammelf und soll in der kommenden Saison zu den Leistungsträgern des entthronten türkischen Meisters werden, wie Vereinspräsident Firket Orman kürzlich bekannt gab: "Momentan möchte ich Vida definitiv nicht verkaufen."

Ob man sich vielleicht dennoch ab einer bestimmten Summe gesprächsbereit zeigt, wird sich zeigen, denn ein Transferplus würden die Türken auf jeden Fall erzielen. Interessenten gibt es genug – gerade aus der Premier League, in der Vidas Qualitäten enorm gefragt sind. Seine guten Leistungen bei der WM und in der Nationalmannschaft werden seinem Marktwert sicherlich nicht schaden.

Doch bevor er sich mit seiner Zukunft auseinandersetzen wird, steht am Sonntag das wohl wichtigste Spiel seiner Karriere an: Um 17 Uhr steigt im Luschniki-Stadion das WM-Finale gegen Les Bleus - dort kann er sich gegen Top-Stürmer wie Kylian Mbappé oder Antoine Griezmann beweisen. Solche klangvollen Namen scheinen ihn aber nicht einzuschüchtern – ganz im Gegenteil: "Es wird ein schwieriges Match werden, aber wir glauben an uns. Das haben wir […] nach dem Rückstand [gegen England] ja auch bewiesen."

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