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Europa League Performance Insights: Unai Emerys Meisterstück bringt Aston Villa den Titel

Der Technische Beobachter der UEFA, Gaizka Mendieta, erklärt, wie Aston Villa mit einer starken Mischung aus offensiver Flexibilität, defensiver Disziplin in Istanbul triumphierte.

Aston-Villa-Coach Unai Emery auf den Schultern von Torhüter Emiliano Martínez
Aston-Villa-Coach Unai Emery auf den Schultern von Torhüter Emiliano Martínez Aston Villa FC via Getty Images

"Der Trainer hat das Spiel perfekt vorbereitet." Emiliano Martínez brachte Aston Villas 3:0-Sieg im Finale der UEFA Europa League in Istanbul mit seiner Analyse schnell auf den Punkt und zollte damit Erfolgstrainer Unai Emery Tribut. Der argentinische Torhüter hob zudem die Arbeit von Assistenzcoach Austin MacPhee hervor, dessen Wissen über Standardsituationen zum wichtigen Führungstor beitrug und bereits in der ersten Analyse dieses Endspiels genauer beleuchtet wurde.

In diesem Artikel geht der Technische Beobachter der UEFA, Gaizka Mendieta, gemeinsam mit der UEFA Game Insights Unit nun noch genauer darauf ein, wie Aston Villa mit einer flexiblen und kontrollierten Leistung aus dem Spiel heraus dem gefeierten baskischen Trainer den rekordträchtigen fünften Europa-League-Titel bescherte.

So lief das Spiel: Freiburg - Aston Villa 0:3

Die Anfangsphase, die Villa-Stürmer Ollie Watkins später als "zäh" beschrieb, war geprägt von Freiburgs Mann-gegen-Mann-Ansatz, mit dem die Deutschen den Spielaufbau der Engländer unterbinden wollten.

Martínez eröffnet das Spiel von hinten

Um Freiburgs Manndeckung zu knacken, setzte Villa früh auf Martínez als Initiator aus der letzten Linie. "Villas Matchplan war darauf ausgelegt, Räume für lange Bälle zu schaffen oder über Martínez kurz aufzubauen", erklärte Mendieta. "Sie wollten, dass die beiden Stürmer ihre direkten Gegenspieler binden und dabei Martínez' Fähigkeiten am Ball nutzen."

Mendieta erkannte dabei eine klare Grundstruktur im Spielaufbau der Engländer. "Die Ausgangspositionen waren meistens dieselben", sagte er. "Villa baute mit hoch positionierten Stürmern auf, öffnete teilweise eine Seite, ließ die Außenspieler einrücken und nutzte kluge Laufwege der zentralen Mittelfeldspieler. Entscheidend war dann oft, welcher Spieler welche Zone besetzte – davon hing ab, ob Villa lang spielte, kurz kombinierte, durch die Mitte aufbaute oder auf die Außen verlagerte."

Wie die Szenen im ersten Video unten zeigen, hatte der Torhüter "ohne Druck genügend Zeit, genau den Pass zu spielen, den er wollte".

"Sie waren eine Mannschaft, die konsequent Mann gegen Mann gespielt hat. Wir haben vorne viele Spieler, die den Ball behaupten und in die Tiefe gehen können. Ich wollte sie mit langen Bällen drehen, damit wir anschließend mehr Räume für unser Kurzpassspiel bekommen."

Aston-Villa-Torhüter Emiliano Martínez über Freiburg

Die erste Szene verdeutlicht, dass Villa Martínez bewusst viel Ballbesitz überließ und dabei auf einen variablen Ansatz setzte. Innenverteidiger Victor Lindelöf, den Emery in einer tiefen Mittelfeldrolle einsetzte, ließ sich zurückfallen, um sich aus der Manndeckung zu lösen und das Spiel voranzutreiben. Anschließend entschied sich Martínez für den direkten langen Ball.

In der zweiten Szene hält Martínez den Ball fast 17 Sekunden am Fuß – ein taktisches Geduldsspiel, während Villa auf den richtigen Auslöser für den Angriff wartet. Schließlich entscheidet er sich erneut für den langen Ball und verschafft seinem Team den Weg ins letzte Drittel.

Europa League Performance Insights: Die langen Bälle von Martínez

Variabilität als Schlüssel

Diese Flexibilität im Ballbesitz ermöglichte es Villa in der Anfangsphase, gezielt nach Lücken in Freiburgs Defensivstruktur zu suchen.

Doch die Partie kippte mit Youri Tielemans' überragendem Treffer nach einer clever ausgespielten Ecke in der 41. Minute. Während Villa immer mehr Kontrolle übernahm, führte eine weitere ruhige Ballbesitzphase nach einer Standardsituation kurz vor der Pause dann zum 2:0 durch Emiliano Buendía.

Wie die Grafik oben zeigt, war Martínez ein entscheidender Faktor dabei, die Angriffe der Engländer immer wieder unterschiedlich einzuleiten.

Mendieta hob besonders die "Bedeutung des Timings" in Villas Spiel hervor. Die erste Szene im zweiten Video demonstriert die perfekte Abstimmung innerhalb der Mannschaft.

"Während Villa sich durch das Pressing kombiniert, rückt der Flügelspieler [Buendía] ein und läuft einen Bogen, um den Rechtsverteidiger aus seiner Position zu ziehen. Er zeigt dabei genau an, was er vorhat. Dadurch entsteht Raum für Tielemans, der den Ball mit freiem Blick auf das gesamte Spielfeld aufnehmen kann."

Auch die Spielintelligenz der Angreifer sei entscheidend, betonte Mendieta. "Es ist enorm wichtig, dass sie ihre Läufe richtig timen. Sie müssen ihre hohe Position möglichst lange halten, um das Spiel breit zu machen und keine zusätzlichen Gegner ins Zentrum zu ziehen. Für Offensivspieler ist das eine Schlüsselqualität. Gegen ein konsequentes Eins-gegen-eins-Pressing entsteht der größte Vorteil dadurch, dass man Gegenspieler aus den Räumen zieht, die man für Mitspieler öffnen will."

Die zweite Szene zeigt schließlich, wie Villa mit einem flüssigen Angriff den Sieg endgültig besiegelte. Ausgangspunkt ist erneut Martínez, ehe eine Überzahlsituation und Tempowechsel Morgan Rogers am kurzen Pfosten freispielen – der Spieler der Saison der Europa League vollendet souverän.

Europa League Performance Insights: Die kurzen Bälle von Martínez

Wie Villa Freiburg den Zugriff nahm

"Villa zeigte ein hervorragendes Verständnis für die verschiedenen Optionen im Angriff", sagte Mendieta. "Aber auch gegen den Ball ist diese Mannschaft exzellent trainiert."

Die Grafik oben zeigt Villas 4-4-2-Ordnung, mit der Freiburg in der zweiten Halbzeit auf einen xG-Wert von lediglich 0,06 begrenzt wurde.

"Ob im Mittelfeldpressing oder tiefen Block – Villas Defensive war immer stabil", sagte Mendieta. "Sie neutralisierten Freiburgs Offensive, weil jeder Spieler konsequent Teil des Blocks war und kaum Räume zwischen den Linien entstanden. Sie verteidigten als Einheit."

Das letzte Video zeigt drei Szenen aus Freiburgs Bemühungen, nach der Pause zurück ins Spiel zu finden.

Mendieta lobte vor allem den kompakten Defensivblock, der Freiburg "nach außen zwang" – durch Disziplin, kollektive Bewegungen und abgestimmte Reaktionen. Besonders die zweite Szene demonstriert Lindelöfs Defensivinstinkte in seiner ungewohnten Mittelfeldrolle vor der Abwehr.

Europa League Performance Insights: Villas 4-4-2-Block

Genau diesen Punkt hob auch Emery nach dem Spiel hervor. "Das Mittelfeld ist extrem wichtig, um die Balance zu halten", erklärte der Trainer. "Wir haben dort Spieler mit unterschiedlichen Profilen – defensiv wie offensiv. Aber die Bereitschaft, alles für das Team zu tun, war entscheidend."

Was Trainer von Emery lernen können

Nachdem Unai Emery als erster Trainer den UEFA Cup bzw. die Europa League mit drei verschiedenen Vereinen gewonnen hatte, wollte er nichts von einer Rückkehr auf den "Thron" des Wettbewerbs wissen. Stattdessen sprach er lieber über den Wert des Lernprozesses.

"Meine Botschaft dreht sich immer um den Prozess", sagte er. "Wir sind anspruchsvoll. Wir müssen ehrgeizig sein. Wir wollen hart arbeiten."

Für die Technische Beobachtergruppe der UEFA war dieses Finale ein weiterer Beweis für Emerys außergewöhnliche Fähigkeiten als Trainer.

"Emery ist unglaublich", sagte der frühere slowenische Nationalspieler Zlatko Zahovič. "Seine Strategie besteht darin, sowohl die eigene Mannschaft als auch den Gegner bis ins kleinste Detail vorzubereiten. In diesem Spiel hatte er sowohl seine Spieler als auch die gegnerische Taktik komplett unter Kontrolle."

Auch Zahovič lobte Emerys Arbeit auf dem Trainingsplatz: "Ich habe mir seine Trainingseinheiten angesehen. Es waren die Besten, die ich je gesehen habe.“

Willi Ruttensteiner ergänzte, Emerys Ansatz liefere wertvolle Lektionen darüber, welche Rolle Trainer vor und während eines Spiels einnehmen sollten. "Emery überragt in drei Bereichen", sagte er. "Hervorragende Trainingsvorbereitung, präzise Matchplanung für den jeweiligen Gegner und eine unglaubliche Kontrolle während des Spiels. Dazu kommt, dass er an der Seitenlinie eine echte Führungsfigur ist. Er gerät nie in Panik – und diese Ruhe überträgt sich auf seine Mannschaft."

Für Wayne Allison liegt der Schlüssel vor allem in der ständigen Wiederholung kleiner Spielformen im Training, um die Spieler auf Situationen vorzubereiten, die sie im Spiel erleben werden.

"Die Prinzipien bleiben immer dieselben", erklärte er. "Bei Emery ist das 4-4-2 ein einfaches System, das die Spieler komplett verinnerlicht haben. Das Prinzip, den Gegner nach außen zu lenken, bleibt gleich – egal ob im 3-gegen-3, 5-gegen-5 oder 11-gegen-11. Genau das ist der Lernprozess. Emery besitzt die Klarheit und Kommunikationsstärke, seinen Spielern enormes Vertrauen in ihre Aufgaben zu vermitteln."

Für Mixu Paatelainen sprechen letztlich vor allem die Ergebnisse. "Emery versteht es hervorragend, Vertrauen aufzubauen", sagte er. "Die Resultate zeigen den Spielern, dass seine Ideen funktionieren. Dadurch entsteht dieser starke Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft."

Emerys taktisches Erfolgsrezept

  • Hervorragende Vorbereitung durch die ständige Wiederholung von Übungen und Prinzipien.
  • Konstanz durch ein vertrautes Grundsystem als Basis für unterschiedliche Offensivansätze.
  • Klarheit und Kommunikation, die durch sichtbare Ergebnisse Vertrauen schaffen.
  • Delegation als Führungsansatz, bei dem Spezialisten gezielt eingebunden werden.

Der zweimalige Finalist der UEFA Champions League mit Valencia, Gaizka Mendieta, spielte auch in Italien und England und absolvierte 40 Länderspiele für Spanien. Seit seinem Karriereende 2008 arbeitet der frühere Barcelona-Spieler als TV-Experte und DJ.

Zlatko Zahovič bestritt 80 Länderspiele für Slowenien und erzielte dabei 35 Tore – bis heute slowenischer Rekord. Außerdem war er der erste slowenische Spieler überhaupt in der UEFA Champions League und traf dort elfmal. Nach seiner Karriere feierte er als Sportdirektor von NK Maribor große Erfolge.

Willi Ruttensteiner machte sich im österreichischen Fußball als Trainer und Nachwuchsexperte einen Namen und war ab 1999 sechs Jahre lang Trainer der österreichischen U21-Nationalmannschaft. Von 2001 bis 2017 fungierte er als Sportdirektor des österreichischen Verbands, ehe er später Sportdirektor und Nationaltrainer Israels wurde.

Nach einer 20-jährigen Spielerkarriere in England wechselte Wayne Allison in verschiedene Trainerrollen hinter den Kulissen und promovierte später über die Auswirkungen hochintensiver Belastungen auf Entscheidungsprozesse im Fußball. Heute ist er Coaching Director bei der englischen Schiedsrichterorganisation PGMOL.

Nach einer erfolgreichen Karriere als Stürmer in Schottland und England schlug der 70-malige finnische Nationalspieler Mixu Paatelainen eine Trainerlaufbahn ein. Er trainierte unter anderem Hibernian, Kilmarnock und Dundee United sowie die Nationalteams von Finnland, Lettland und Hongkong.

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