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Europa League Performance Insights: Wie Stuttgarts Überzahlsituationen Celtic zu schaffen machten

Die UEFA-Abteilung für Spielanalysen und der Technische Beobachter David James analysieren, wie Überzahlsituationen im Angriff und schnelle Umschaltphasen einen entscheidenden Teil der mutigen und offensiven Spielführung der Stuttgarter in der UEFA Europa League bei Celtic Glasgow ausmachten.

Bilal El Khannouss (links) und Finn Jeltsch feiern den ersten der vier Treffer von Stuttgart
Bilal El Khannouss (links) und Finn Jeltsch feiern den ersten der vier Treffer von Stuttgart UEFA via Getty Images

"Stuttgart kam mit einem klaren Plan, bis zum Schlusspfiff so viele Tore wie möglich zu erzielen", sagte David James, Technischer Beobachter der UEFA, nachdem Stuttgart in der UEFA Europa League im Hinspiel der Play-offs der K.-o.-Phase bei Celtic einen 4:1-Sieg eingefahren hatte.

Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß verließ den Celtic Park mit einem verdienten Erfolg als Belohnung für die mutige Strategie, die Kontrolle in einer Partie zu übernehmen, die von regelmäßigen Phasen eiskalter Angriffsintensität geprägt war.

Live-Blog: Celtic - Stuttgart 1:4

Diese Analyse beleuchtet die Effektivität der Herangehensweise der Gäste und die taktische Reaktion von Celtic, das von Martin O'Neill in seinem 1.000. Spiel als Cheftrainer angeführt wurde.

Stuttgarts Taktik, um die Abwehr von Celtic zu überlasten

Taktische Erkenntnisse in der Europa League: Stuttgarts Überladen

Ausgehend von Stuttgarts ursprünglicher Absicht wies James auf den Vorteil hin, den die deutsche Mannschaft durch ihr 3-2-2-3-System im Ballbesitz gegenüber dem 4-4-2-System von Celtic hatte. "Es ging dabei weniger um Positionen, sondern vielmehr um die Funktion", erklärte James. "Die vier Spieler im zentralen Mittelfeld von Stuttgart verschafften ihnen dort zeitweise einen zusätzlichen Mann, wodurch kleine Ballbesitzbereiche entstanden, in denen ein freier Spieler den Ball bekommen konnte."

Video eins veranschaulicht die Auswirkungen dieser Struktur im Ballbesitz. Die ersten beiden Clips zeigen, wie Stuttgart durch den zusätzlichen Mann im Mittelfeld eine 5-gegen-4-Überzahlsituation in der Abwehr von Celtic schafft, die zu Flankengelegenheiten führt. In Clip drei sehen wir eine geschickt getimte Bewegung des rechten Außenverteidigers, um eine 4-gegen-3-Situation weiter vorne auf dem Spielfeld zu schaffen. Ein langer Ball vom Torwart wird zu einem gefährlichen Angriff.

Der letzte Clip zeigt laut James drei klare Eigenschaften der Stuttgarter Spieler: kollektiver Gegendruck, Bewegungsabläufe, um Raum für Flanken zu schaffen, und defensive Ausgewogenheit, um die Angriffe aufrechtzuerhalten. Der Spielzug erfolgte, nachdem Benjamin Nygren von Celtic den Führungstreffer von Bilal El Khannouss ausgeglichen hatte – und veranschaulicht, was James als "Stuttgarts Fähigkeit, Räume und Chancen zu suchen, um seltene Momente des Ungleichgewichts mit wunderbaren Abschlüssen zu schaffen und auszunutzen", bezeichnete.

Der ehemalige Torhüter der englischen Nationalmannschaft und des FC Liverpool sagte: "Das zweite Tor von Stuttgart ist das beste Beispiel dafür, wie sie ganz klar versucht haben, diese Flankensituationen zu kreieren. Das 3-gegen-3 auf der rechten Seite schafft Raum für die Vorlage zur Flanke. Bei der Schaffung dieser 1-gegen-1-Situationen auf den Außenbahnen ging es nicht darum, dass der Spieler den Verteidiger ausspielen musste. Es ging darum, Raum für die Flanken zu schaffen. Flanken waren die ganze Saison über ein wichtiger Bestandteil des Spiels von Stuttgart. Es ist ein großartiger Abschluss von El Khannouss, da die Flanke abgefälscht wurde und er sich anpassen musste, um den Ball zu verwerten."

Celtics Versuche, ins Spiel zurückzufinden

Taktische Erkenntnisse in der Europa League: Celtics direkte Antwort

"Celtic ist viel besser in die zweite Halbzeit gestartet", sagte James. "Sie zeigten mehr Einsatz, um höher zu pressen, während sie in der ersten Halbzeit oft mit einem Mittelfeldblock spielten. Vor allem Linksverteidiger Kieran Tierney schob zunehmend nach vorne. Sie erreichten eine viel bessere Ballkontrolle im Mittelfeld und kamen häufiger hinter die Stuttgarter Abwehrreihe."

Im zweiten Video sehen wir, wie Rechtsverteidiger Julián Araujo aus der eigenen Hälfte nach vorne stürmt und in den Strafraum eindringt, während Celtic auf den Ausgleich drängt. Die Clips zwei und drei zeigen die zusätzliche Dringlichkeit nach den Auswechslungen, die als Reaktion auf den 1:3-Rückstand vorgenommen wurden.

"Die Einwechslungen haben die Herangehensweise von Celtic gestärkt", sagte James. "In der ersten Halbzeit gab es im Spielaufbau mehrere Pässe im hinteren Bereich, die im Mittelfeld landeten, oft wieder zurückkamen und mit einem langen Ball endeten, der verloren ging. Als die Einwechselspieler kamen, spielten sie direkter auf das generische Tor zu."

Clip drei zeigt Hyunjun Yang, wie er in der 68. Minute in den Strafraum dribbelt.

Stuttgarts Bestreben, seinen Vorsprung auszubauen

Die zusätzliche Dringlichkeit von Celtic nach der Pause veränderte das Bild der Ballbesitzverhältnisse. Während Stuttgart in der ersten Halbzeit 54 % Ballbesitz hatte, dominierte Celtic nach der Pause mit 60 %. Stuttgarts "Torhunger" schwankte jedoch während des gesamten Spiels nicht, sagte James. Sie wählten einfach ihre Momente für Angriffe mit einer eiskalten Überzeugung, die zu vier Toren aus nur fünf Abschlüssen auf das gegnerische Gehäuse führte – und das bei einem xG von 1,88.

Taktische Erkenntnisse in der Europa League: Stuttgarts Effektivität

Das abschließende Video zeigt Stuttgarts Zielsetzung, insbesondere in Umschaltsituationen, den Ball unter Bedrängnis herauszuspielen und weiterhin mit vielen Spielern den Strafraum anzugreifen. Clip eins zeigt das entscheidende dritte Tor von Jamie Leweling nach einem Ballverlust bei einem Einwurf von Celtic. "Diese Momente wirkten wie einstudiert", erklärte James. "Die 2-gegen-2-Situation ist kein Zufall. Dann kommt es auf die Schönheit des Abschlusses an. Es ist ein sehr bewusster Schuss durch die Beine des Verteidigers, genau wie beim ersten Tor des Abends. Das lässt Kasper Schmeichel nur sehr wenig Zeit zu reagieren." Clip zwei zeigt ein weiteres Beispiel für eine Umschaltaktion nach einem Einwurf von Celtic.

Der dritte Clip zeigt schließlich das vierte Tor von Stuttgart – eine schnelle und präzise Kombination zwischen den beiden Einwechselspielern Nikolas Nartey und Tiago Tomás. James lobte die Wirkung der Entscheidungen von Hoeneß. "Der Trainer wusste genau, warum er diese Spieler einwechselte", betonte James.

"Da ist ein hungriger Spieler, Nikolas Nartey. Er dreht sich mit dem Ball um 180 Grad, um nach vorne zu spielen. Dann gibt es einen zweiten hungrigen Spieler, Tiago Tomás, der von dem Moment an, als er eingewechselt wurde, immer versuchte, hinter die Abwehr zu kommen. Bei diesem Tor agierte Tomás brillant. Er gewann den ersten Kopfball, sah, wie sich der Spielzug entwickelte, erkannte die Lücke und sprintete zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger hindurch. Das ist eine wunderbare Ballannahme und ein hervorragender Abschluss unter Druck."

Hoeneß lobte anschließend: "Wir haben über weite Strecken sehr kontrolliert gespielt. Wir waren effektiv. Wir haben das Beste aus unseren Chancen gemacht."

David James ist ein ehemaliger englischer Nationaltorwart, dessen Vereinskarriere Stationen bei Liverpool, Portsmouth, Manchester City und West Ham United umfasste. Er vertrat Liverpool und Portsmouth in diesem Wettbewerb.