Deschamps geht im Groll
Dienstag, 20. September 2005
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"Das Leben als Trainer ist sehr frustrierend." uefa.com beleuchtet den Rücktritt von Didier Deschamps als Coach des AS Monaco FC.
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"Das Leben als Trainer ist sehr frustrierend", sagte Didier Deschamps letzten Monat gegenüber uefa.com, als er seine Karrieren als Spieler und Coach miteinander verglich. Die letzten vier Wochen seiner Amtszeit beim AS Monaco FC haben ihn in dieser Meinung sicher bestärkt.
Dienstältester Trainer
Am Montag war der erfolgreichste Fußballer Frankreichs als Trainer der Monegassen zurückgetreten, nachdem sein Team in der französischen Meisterschaft und in der Qualifikation zur UEFA Champions League enttäuscht hatte. Es war ein trauriges Ende seiner ersten Trainerstation, die er im Juni 2001 angetreten hatte. Höhepunkt war dabei das Champions League-Finale 2004, das Monaco gegen den FC Porto verlor. Nach Trainerlegende Guy Roux von AJ Auxerre war Deschamps der dienstälteste Coach in der höchsten französischen Spielklasse.
"Lektionen lernen"
"Im Profifußball gibt es Höhen und Tiefen. Manchmal muss man seine Lektionen aus den harten Zeiten lernen und anschließend wieder zurückkommen", sagte Deschamps. "Meine Entscheidung war angesichts der Situation die einzig richtige. An diese vier Jahre werde ich mich immer erinnern." Der Rücktritt von Deschamps war keine große Überraschung, denn sein Verhältnis zu Spielern und Vorstand war zuletzt enorm belastet, vor allem aufgrund des Ausscheidens in der Champions League.
Zu spät verstärkt
Als französischer Vizemeister trat der Klub aus dem Fürstentum in der dritten Qualifikationsrunde an und scheiterte dort am spanischen Vertreter Real Betis Balompié. Da man erst spät auf dem Transfermarkt tätig wurde, hatten sich die Neuzugänge wie Olivier Kapo, Camel Meriem und Gérard Lopez erst eingelebt, nachdem ihr neuer Verein bereits aus der europäischen Königsklasse ausgeschieden war. "Wenn man in die Champions League will, muss man das Team vor der Qualifikation verstärken, nicht danach", sagte Monacos französischer Nationalspieler Patrice Evra.
"Ein kleiner Verein"
Vereinspräsident Michel Pastor schob die Schuld Deschamps in die Schuhe. "Alle Neuzugänge wurden in Absprache mit der sportlichen Leitung verpflichtet", sagte er. Der 36-jährige Baske wollte dies nicht auf sich sitzen lassen und monierte mangelnde ihm zur Verfügung stehende finanzielle Mittel. Höhepunkt war dabei seine Aussage: "Monaco ist ein kleiner Verein."
Heimpleite und Platzverweise
Mitte letzter Woche gab es zwar im UEFA-Pokal einen Sieg über Willem II, doch nach der 0:2-Heimpleite am Sonntag gegen Stade Rennais FC mit zwei Platzverweisen warf Deschamps das Handtuch. Nach vier Niederlagen in sieben Ligaspielen liegt der Klub aus dem Fürstentum bereits zehn Punkte hinter Tabellenführer Olympique Lyonnais. Für Deschamps, der in seiner aktiven Karriere die FIFA-Weltmeisterschaft, die UEFA-Europameisterschaft und zwei Mal die Champions League (mit Olympique de Marseille und Juventus FC) gewann, eine mehr als unbefriedigende Situation.
Petit übernimmt
Pastor beförderte den "ewigen" Co-Trainer Jean Petit, der bereits seit 1969 für den Verein arbeitet, zum Chefcoach. "Didier konnte und wollte nicht mehr", sagte dieser. Für Deschamps sind diese Worte vielleicht ein gutes Omen, denn ähnliches sagte Petit über Arsène Wenger, als dieser den Klub 1995 verließ, um nach einem kurzen Aufenthalt in Japan erfolgreich bei Arsenal FC anzuheuern. Petit wird das Team jedoch nicht lange betreuen, dies stellte Pastor klar. "Er wird für ein paar Spiele auf der Bank sitzen, nicht länger", machte Monacos Präsident deutlich. "Wir erwarten einige Angebote. In zwei Wochen werden wir eine Entscheidung treffen."