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Champions League Performance Insights: Real Madrids Abwehrkünste

Ex-Profi Giovanni van Bronckhorst, inzwischen Technischer Beobachter der UEFA, hat für uns die Defensivarbeit von Real Madrid analysiert.

Toni Kroos (links) war einer von Real Madrids Schlüsselspielern beim 2:2 in München
Toni Kroos (links) war einer von Real Madrids Schlüsselspielern beim 2:2 in München AFP via Getty Images

"Real Madrid scheut sich nicht, in einen Mittelblock oder sogar in einen niedrigen Block zu gehen, um zu verteidigen“, sagt Giovanni van Bronckhorst, Mitglied der technischen Beobachtergruppe der UEFA, über die Strategie des spanischen Meisters, wenn der nicht in Ballbesitz ist.

Van Bronckhorst, einst mit Barcelona Gewinner der UEFA Champions League, beobachtete letzte Woche in München das 2:2 zwischen Bayern München und Real Madrid und erkannte an diesem Abend, wie auch im Viertelfinalspiel bei Manchester City, dass die Abwehrarbeit der Gäste im Mittelblock ein wichtiges Merkmal ihrer Leistung ohne Ball war.

Bislang bringt es Real 2023/24 in der K.o.-Phase auf im Schnitt 43,8% Ballbesitz. Am Dienstag in München waren es 48,7%, wenn Real den Ball nicht hatte, verteidigte man gut 38% dieser Zeit in einem Mittelblock, wie in der Grafik unten zu sehen ist.

Madrid ist nicht die einzige Mannschaft, die so vorgeht. Laut der UEFA-Leistungsanalyseeinheit ist es in der Champions League generell ein Trend, Räume zu markieren und nicht die Spieler. Die Frage ist, wie Carlo Ancelottis Mannschaft dies erfolgreich umsetzt. Laut Van Bronckhorst, ehemaliger Trainer von Feyenoord und den Rangers, ist dafür in erster Linie eine kompakte Formation erforderlich. "Wenn man in einem Mittelblock steht, verteidigt man den Raum, also steht man normalerweise sehr eng und kompakt", so der Niederländer.

"Es ist sehr wichtig, die Linien zu blockieren, vor allem für die Mittelfeldspieler, die sich zwischen den Abwehr- und Mittelfeldlinien bewegen", fährt er fort, und das folgende Video zeigt, wie Madrid dies im Spiel gegen die Bayern zu erreichen versuchte.

Champions League Performance Insight: Real Madrids Mittelblock 1

Madrid postierte sich in einer 4-4-2-Defensivformation, und Toni Kroos dirigierte die Spieler um sich herum und sorgt dafür, dass die Viererkette stand. Dann verschob die gesamte Mannschaft zonenweise, bevor sie das Spielfeld enger machte und die Bayern mit ihrer Fähigkeit, die Winkel zu schließen, dazu zwang, zurück zu spielen.

Auf der höchsten Ebene des Fußballs verfügt jedoch jeder Verein über Spieler, die die individuelle Qualität haben, zwischen den Linien zu spielen, was auch im weiteren Verlauf des Spiels geschah. "Heute sieht man viele Spieler, die es gewohnt sind, zwischen den Linien zu spielen - Spieler wie Phil Foden, Kevin De Bruyne, Jamal Musiala und Leroy Sané“, so Van Bronckhorst weiter. "Man muss sicherstellen, dass der Mannschaft klar ist, was ihre Aufgaben sind."

Dies bringt uns zu einem besonderen Aspekt der Aufgabe der Verteidiger. Die größte Gefahr für eine Mannschaft, die im Mittelblock verteidigt, geht in der Regel von gegnerischen Spielern aus, die in den Raum dahinter eindringen. Wenn dies geschieht, müssen die Verteidiger in der Lage sein, sofort zu reagieren. Dabei ist es wichtig, dass sie sich in einer Position befinden, die es ihnen ermöglicht, möglichst schnell zu beschleunigen, wie Van Bronckhorst erklärt.

"Als Innenverteidiger musst du dir immer bewusst sein, dass der Ball hinter dich kommen kann, also musst du deine Körperposition berücksichtigen“, so Van Bronckhorst. "Bist du in der Lage, direkt auf dein eigenes Tor zuzulaufen? Dein Körper muss immer in einem guten Winkel stehen."

"Wenn dein Gegner aus dem Mittelfeld auf das Tor zustürmt, ist er mit voller Geschwindigkeit unterwegs. Wenn du mit dem Rücken zum Tor stehst, dauert es etwas, bis du dich umdrehst und dann beschleunigst, und diese Sekundenbruchteile können entscheidend sein. Deshalb sieht man jetzt Verteidiger, die sich schon halb umgedreht haben, damit sie sofort lossprinten können."

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, die Rolle von Antonio Rüdiger im Video zu betrachten, um zu sehen, wie er sich seitlich aufstellt, bevor er Harry Kane hinterhersprintet. In Anbetracht der Tatsache, dass die Abwehrkette von Real durchschnittlich 35,7 Meter vor dem eigenen Tor stand - wie in der Grafik unten dargestellt - ist diese Bereitschaft, sofort loszulaufen, von entscheidender Bedeutung.

"Wenn sich der Ball bewegt, bewegt sich das Team"

Um auf das anfängliche Thema zurückzukommen, eine kompakte Formation beizubehalten, demonstriert das zweite Video unten, wie Madrid genau das tut. Es zeigt, dass zwischen dem eingewechselten Brahim Díaz, dem höchstplatzierten Madrider Spieler, und Rüdiger nur 21,8 Meter liegen. Innerhalb der engen Viererkette trennen die Außenverteidiger gerade einmal 44 Meter.

Champions League Performance Insight: Real Madrids Mittelblock 2

Das Ziel der Mannschaft, die in dieser Struktur in einem Mittelblock verteidigt, ist klar, bestätigt Van Bronckhorst. "Wenn sich der Ball bewegt, bewegt sich die Mannschaft." Der ehemalige Außenverteidiger von Feyenoord, Arsenal, Barcelona und der niederländischen Nationalelf zeigt, wie man eine Mannschaft darauf vorbereiten kann, so zu verteidigen, wie es Madrid tut.

"Als Erstes werden die Bewegungen geübt, das heißt, wenn sich der Ball bewegt, bewegt sich das Team. Und wenn man mit Einheiten arbeitet, bewegt vielleicht eine andere Gruppe den Ball und man konzentriert sich als Verteidiger darauf, wo man sein muss, wenn der Ball in bestimmten Bereichen ist. Wenn ich also Linksverteidiger bin und der Ball ist auf unserer rechten Seite, muss ich darauf achten, dass die Abstände zwischen mir und meinen Innenverteidigern nicht zu groß sind, und das Gleiche gilt für die Abstände zu meinem Mittelfeld."

"Für die Spieler ist es einfacher, wenn klar ist, welche Aufgaben sie haben“, fügt er an. "Wenn ein bestimmter gegnerischer Spieler den Ball hat, muss dein Team wissen, wer für diesen Spieler verantwortlich ist. Wenn zum Beispiel der linke Flügelspieler den Ball hat, ist es der rechte Außenverteidiger, obwohl es auch sein kann, dass ein Mittelfeldspieler die Innenseite abdecken muss."

Eine weitere Frage, die es zu bedenken gilt, ist die nach dem richtigen Zeitpunkt für das Pressing - und der Entscheidung über bestimmte Trigger-Momente. "Wann ist der Moment, in dem wir ein komplettes Pressing starten?", fragt Van Bronckhorst. "Das kann ein Ball vom gegnerischen Innenverteidiger zum Außenverteidiger oder ein Ball zur Nummer 6 sein. Das hängt auch von den Stärken des Gegners ab. Wenn sie einen Sechser haben, der immer wieder Bälle durch die Reihen spielt, sollte man ihm keinen Raum geben. Aber wenn es ein Spieler ist, der immer von links nach rechts spielt, ist das nicht so gefährlich, wenn er den Ball hat."

"Man trainiert es, schaut sich Videos an und ist damit gut vorbereitet“, erklärt er, bevor er abschließend daran erinnert, dass es sich auszahlt, vor allem auf zwei Dinge gefasst zu sein. "Vor allem im Mittelblock konzentriert man sich auf die Bälle ins Mittelfeld und die langen Bälle hinter die Abwehr."

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