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Revier-Derby im Zeichen der Kohle

Rivalität pur: FC Schalke 04 und BV Borussia Dortmund treten mit unterschiedlichem Image und dennoch vielen Gemeinsamkeiten zum 127. Revier-Derby an.

33 Autominuten und ebenso viele Kilometer liegen zwischen Gelsenkirchen und Dortmund. Entlang der mächtigen, einschüchternden und qualmenden Schornsteine des Ruhrgebiets scheinen die zwei bedeutendsten Fußball-Tempel im tiefen Westen Deutschlands nur einen kurzen Ausflug voneinander entfernt zu sein. Tatsächlich bedeutet die Reise vom Westfalenstadion des ehemaligen UEFA Champions League-Siegers BV Borussia Dortmund zur Schalker Arena des früheren UEFA-Pokalsiegers FC Schalke 04 aber das Eintauchen in eine andere Welt.

Religion an der Ruhr
Schwarzgelb oder Königsblau? Im „Pott“ endet diese Frage in einem Religionsbekenntnis. Die beiden ehemaligen Arbeitervereine verkörpern dort, wo man in Deutschland den Sport mit dem runden Leder noch aufrichtig im Herzen trägt, vielmehr als nur Fußball. Sowohl der BVB als auch S04 sind aus Tradition und Leidenschaft entstanden. Für die fanatische Anhängerschaft beider Adressen ist der Weg ins Stadion regelmäßig auch ein Gang gen Mekka. „Hier wird Fußball noch gelebt“, sagte einst der passionierte Zigarrenraucher Rudi Assauer, seines Zeichens Noch-Manager, baldiger Vorsitzender, Personifikation und Macher „auf“ Schalke.

Das Herz spielt mit!
Auch wenn die beiden größten, populärsten und erfolgreichsten Klubs aus dem Ruhrgebiet im ewigen Ankämpfen gegen die Vormachtstellung des edlen FC Bayern München im deutschen Fußball so manches vereint, so ist die Verachtung füreinander doch riesengroß. Und immer dann, wenn Schalke und Dortmund in der Bundesliga aufeinander treffen, hält die Nation gebannt für 90 Minuten den Atem still. Das bedeutendste Derby des Landes schickt sich an, einmal mehr den Sieger des ewigen Rivalenkampfs zu küren - Aufmarsch der Gladiatoren, um mit einem Triumph sicher zu stellen, für die nächsten sechs Monate die Nummer eins aller fußballerischen Herzensangelegenheiten zu sein.

Wiedergutmachung für beide
Das Adrenalin im Westen steigt, denn: Das 127. Revier-Derby bahnt sich seinen Weg. Am kommenden Samstag steht in Gelsenkirchen erneut die volle Ladung Prestige auf dem Spiel. Und nicht nur das: Für Schalke geht es bei allem Bestreben, den Vier-Punkte-Abstand auf den drittplatzierten Hamburger SV zu verkürzen, um erneut in die europäische Königsklasse einzuziehen, auch um Wiedergutmachung. Beim letztjährigen Treffen auf königsblauem Heimatboden nämlich gelang dem blaugelben Erzrivalen das Husarenstück, drei Punkte zu klauen. Im Gegenzug will der BVB seine Heim-Niederlage vor sechs Monaten gegen S04 vergessen machen. In beiden Fällen endete der Showdown mit 1:2.

Gipfel nur für Mitglieder
„Unser Stadion ist seit Monaten ausverkauft. Nur bei unserem Spiel gegen die Bayern gibt es einen ähnlichen Run auf Tickets“, erklärte Schalke-Sprecher Thomas Spiegel im Gespräch mit uefa.com. Das Derby zieht alle in seinen Bann, denn beim Treffen der Ensembles von Bert van Marwijk und von Neu-Coach Mirko Slomka ist Spitzenfußball selbst für die kleine Geldbörse garantiert. „Eine Eintrittskarte ist schon für sechs Euro zu haben. Das geht dann hoch bis 51 Euro, abgesehen von den Business Seats“, so Spiegel. Nur: Für Nicht-Mitglieder war diesmal nichts zu holen, neben den 43.000 Dauerkarten und einem Kontingent von 6.000 Tickets für die BVB-Fans waren die restlichen Plätze ausschließlich jenen vorbehalten, die sich direkt zur jährlich zahlenden Schalke-Familie zählen dürfen.

Pilgerfahrt zum Nachbarn
Während schon Stunden vor dem Anpfiff königsblaue Fahnenmeere in der Arena auf Schalke dem Auftritt ihrer Stars um den brasilianischen Filigrankünstler Lincoln entgegenfiebern, wird die Autobahn 40 zwischen den beiden Fußball-Metropolen der Region ganz im Zeichen jener Karossen stehen, aus deren Beifahrerfenstern verknotete schwarzgelbe Schals vom Fahrtwind erfasst werden. Und die Lokführer der Schnellbahn 2 sowie des Regionalexpresses zwischen Dortmund und Gelsenkirchen können sich einem tausendfachen Gesangschor der in den Wagons tummelnden, enthusiastischen BVB-Anhänger sicher sein.

Kohle im Fokus
Grund zu guter Laune haben nämlich auch die Dortmunder. Denn nachdem der BVB die letztlich kräftig nach hinten losgegangene Metamorphose vom Arbeiterklub zur börsennotierten Kommerzgemeinschaft bereits hinter sich gebracht hat und mit jungem, frischem Personal einer Zukunft mit wieder gewichtiger gewordenem Identifikationsfaktor entgegenblickt, könnte den ambitionierten Schalkern nach umfangreich getätigten Investitionen eben jener Boomerang-Effekt noch bevor stehen. Genau deshalb ist das nächste Derby nun doch nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern inmitten des „Potts“ auch ein Duell um die andere Form von Kohle…