Sport, Wirtschaft und Gesellschaft – wie der Frauenfußball auf allen Ebenen Mehrwert schafft
Montag, 27. Juli 2026
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Im Rahmen der diesjährigen Ausgabe der UEFA-Veranstaltung „Business Case for Women‘s Football“ (Geschäftspotenzial des Frauenfußballs) betonten Tatjana Haenni, CEO von RB Leipzig, und Anders Billström, Präsident von BK Häcken, inwieweit der Frauenfußball sportlichen Erfolg, kommerzielles Wachstum und gesellschaftlichen Nutzen für Vereine in ganz Europa bedeutet.
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Haenni und Billström sprachen im Vorfeld des Endspiels der UEFA Women’s Champions League in Oslo vor wichtigen Interessenträgern und berichteten von ihren Erfahrungen mit großen deutschen bzw. schwedischen Vereinen. Billström teilte seine Expertise, nachdem BK Häcken jüngst die erste Ausgabe des UEFA Women’s Europa Cup gewonnen hatte. Unterdessen sprach Haenni über das rasante Wachstum des Frauenfußballs bei RB Leipzig. In ihren Überlegungen zeigten beide, dass der Wert des Frauenfußballs weit über das Spielfeld hinausreicht.
Fußball an erster Stelle
Der Mehrwert entsteht in einem sportlich ausgeglichenen Umfeld, in dem die Teams einen qualitativ hochwertigen Fußball spielen. Billström verwies auf den langfristigen Ansatz seines Vereins und erklärte, wie Häcken eine Strategie erarbeitet habe, um den sportlichen Erfolg des Frauenteams sicherzustellen: „Wir haben eine klare Strategie entwickelt. Personell haben wir, und das ist entscheidend, Kontinuität im Vorstand gewahrt. Das war stets unsere Richtschnur. Dabei nimmt man stets Anpassungen vor, bleibt aber seiner langfristigen Vision treu.“
Diese Strategie hat sich auf dem Platz bewährt. BK Häcken gewann im Mai die Erstausgabe des UEFA Women‘s Europa Cup – die Schwedinnen besiegten Hammarby IF mit dem Gesamtergebnis von 4:2 in dem in Hin- und Rückspiel ausgetragenen Finale. Bei RB Leipzig liegt der Fokus zudem darauf, ein Umfeld zu schaffen, in dem Spielerinnen gefördert werden und das Team attraktiven Fußball spielen kann. „Unsere Vision besteht darin, Spielerinnen weiterzuentwickeln und einen attraktiven, unterhaltsamen Fußball zu bieten. Dabei ist es unser Ziel, dass unsere Frauenfußballsparte dem Standard der Männer entspricht, ob bei der Infrastruktur, dem Personal oder den Ressourcen.“
Geschäftspotenzial des Frauenfußballs längst belegt
Mit der steigenden sportlichen Qualität steht das Geschäftspotenzial nicht mehr zur Debatte. Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob der Frauenfußball einen Mehrwert bringt, sondern darum, wie am besten investiert werden sollte.
„Der Frauenfußball erbringt seit langem eine messbare Rendite“, so Haenni. „Die Einnahmen wachsen rasant. Wir diskutieren nicht mehr, ob das Geschäftspotenzial besteht. Es geht um die Höhe der Investitionen, das Wachstumstempo und um Zielsetzungen.“
Billström berichtete aus eigener Erfahrung, inwieweit Investitionen in das Frauenteam die Beziehungen mit den Sponsoren gestärkt und neue kommerzielle Möglichkeiten geschaffen hätten: „Seitdem wir in den Frauenfußball investieren, erkennen wir klare Vorteile. Sponsoren und Investoren setzen zunehmend auch auf Geschlechtergleichstellung. Für viele Unternehmen ist das heute ein Kern der eigenen Markenidentität.“
Einfluss über den Fußball hinaus
Das kommerzielle Wachstum ist beachtlich, und gleichzeitig stellt der Frauenfußball einen erheblichen Mehrwert für die Gesellschaft dar. Bei Häcken stieg der Zuschauerschnitt bei Spielen des A-Frauenteams im vergangenen Jahr um 34 %; bei den Teilnehmerzahlen auf Breitenfußballebene ist ein ähnlicher Trend festzustellen.
„Wir gewinnen noch mehr Familien und ein gänzlich neues Publikum“, erklärte Billström. „Auf Amateurebene entstehen mehr Teams und es gelingt uns, mehr Mädchen zum Fußball zu bringen.“
Tatjana Haenni betonte, dass RB Leipzig Fans gewinnen könne, die sich bislang nicht für den Fußball interessiert hätten: „Wenn man sich unsere Zuschauerzahlen anschaut, so haben wir bei unseren Spielen einen der höchsten Anteile an Frauen und Familien in ganz Deutschland. Ich habe mit Fans gesprochen, die mir gesagt haben, dass sie sich im klassischen Fußballumfeld nie willkommen gefühlt haben, aber dass unser Klub ihnen ein Zuhause gegeben hat. Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts sind wichtig und werden viel zu selten diskutiert.“
Blick in die Zukunft
Sowohl Haenni als auch Billström unterstrichen, welche Reichweite Entscheidungen im Frauenfußball heute haben. „In Schweden hören die Menschen zu, wenn wir über Infrastruktur und Teilnehmerzahlen sprechen“, bestätigte Billström. „Die Möglichkeiten, zu handeln, sind jetzt äußerst günstig, und das müssen wir nutzen.“
„Der Frauenfußball hat den richtigen Weg eingeschlagen“, resümierte Haenni. „Aber jetzt kommt es darauf an, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“ Die nächste Wachstumsphase des Frauenfußballs wird vor dem Hintergrund fußballerischer, kommerzieller und gesellschaftlicher Entwicklungen maßgeblich sein – so das Fazit der Veranstaltung.
Ausgabe 2026 der UEFA-Veranstaltung „Geschäftspotenzial des Frauenfußballs“
Die fünfte Ausgabe der UEFA-Veranstaltung „Geschäftspotenzials des Frauenfußballs“ fand im Vorfeld des ausverkauften Endspiels der Women’s Champions League zwischen dem FC Barcelona und OL Lyonnes statt.
Bei der Veranstaltung kamen einmal mehr einflussreiche Stimmen aus dem Sport zusammen. In Podiumsdiskussionen und Vorträgen wurde erörtert, wie sportlicher Erfolg, eine starke Governance und kommerzielles Wachstum mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Frauenfußballs Hand in Hand gehen können.