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Werdegänge bei der UEFA: Dawit – von der Architektur in Äthiopien bis zur ICT in der Schweiz

UEFA-Leute

Nach seiner Ankunft in der Schweiz stieß Dawit zu Powercoders, ein Programm, das Flüchtlingen und Migrant/-innen Kompetenzen für eine Karriere im IT-Bereich vermittelt. Dies führte ihn zu einem Praktikum bei der UEFA.

Werdegänge bei der UEFA: Dawit – von der Architektur in Äthiopien bis zur ICT in der Schweiz

Beruflicher Werdegang

Mein Name ist Dawit Teum Gebru und ich komme ursprünglich aus Äthiopien. Mein beruflicher Hintergrund ist die Architektur. Ich habe Architektur studiert und einige Jahre in Äthiopien und China auf diesem Gebiet gearbeitet. Als ich das Gymnasium beendet hatte und an die Universität ging, gab es zwei Berufsfelder, die mich faszinierten: Softwareentwicklung und Architektur.

Ich habe schon immer gerne gezeichnet. Als Kind habe ich viel gemalt und mein Vater hat mich wirklich dazu ermutigt. Am Gymnasium belegte ich Kurse in technischem Zeichnen, was mir extrem Spaß machte. Das waren meine ersten richtigen Schritte in der Welt der Architektur. Ich fand den kreativen Prozess zutiefst befriedigend, vor allem die Arbeit an 3D- und physischen Modellen. Ich erinnere mich an die unzähligen Abende im Studio mit Klassenkameraden, an denen wir gemeinsam Modelle bauten. Diese kreative Energie hat mir wirklich sehr gefallen.

Berufliche Neuorientierung und Umzug in die Schweiz

Dann kamen Covid-19 und der Krieg in Äthiopien. Alles kam zum Stillstand und ich musste das Land verlassen. Als ich in der Schweiz ankam, war es nicht möglich, auf dem Gebiet der Architektur weiterzumachen. Es ist ein geschützter Beruf hier und mein Abschluss konnte nicht direkt anerkannt werden. Um auf diesem Gebiet zu arbeiten, hätte ich mehrere Französischkurse (bis Berufsniveau) absolvieren und insgesamt mindestens sechs Jahre damit verbringen müssen, einen in der Schweiz anerkannten Bachelor-Abschluss zu erlangen.

Also kam ich auf meine ursprünglichen Interessengebiete zurück: Architektur und IT. Mein Bruder arbeitet in der IT-Branche, und nachdem ich mit ihm gesprochen und von seinen Erfahrungen und denen seiner Kollegen gehört hatte, wurde mir klar, dass mir das auch gefallen könnte.

Neuanfang mit Powercoders

Nach meiner Ankunft in der Schweiz im März 2024 musste ich zuerst Papierkram erledigen und mich um die Aufenthaltsgenehmigung kümmern, und im Rahmen meiner Integration habe ich sechs Monate lang Französisch gelernt. Dann hat mir ein Freund von Powercoders erzählt: ein Bootcamp, durch das er eine Stelle in der IT-Branche fand. Er hatte das Programm abgeschlossen und arbeitete bereits in einer Bank.

Ich habe im Januar 2025 bei Powercoders angefangen. Es handelt sich dabei um einen dreimonatigen Intensivkurs, der Immigranten wie mich beim Wechsel in die IT unterstützt. Die Leute kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Lehrer, Buchhalter, Hochschulabsolventen und sogar Bauingenieure. Die Ausbildung vermittelt sowohl grundlegende Programmierfähigkeiten als auch Soft Skills für die Arbeitskultur in der Schweiz. Es geht nicht darum, in drei Monaten jedes technische Detail zu lernen, sondern uns zu helfen, flexibel und offen zu bleiben und bereit für die Integration in den Schweizer Arbeitsmarkt zu sein.

Karrieretag bei Powercoders.
Karrieretag bei Powercoders.Zamir Loshi

Praktikum bei der UEFA: Neues Kapitel

Powercoders organisierte eine Reihe von Schnellinterviews, an denen ich teilnehmen konnte. Mehrere Unternehmen waren anwesend, darunter die UEFA. Damals habe ich zum ersten Mal Kollegen von der UEFA getroffen. Kurz darauf wurde ich zu einem zweiten Vorstellungsgespräch eingeladen und schließlich für das Praktikum ausgewählt. Jetzt, knapp zwei Monate nach Beginn meines Praktikums bei der UEFA, bin ich positiv überrascht. Ich hatte eine gute Vorstellung davon, wie es sein könnte, in der Schweiz zu arbeiten, aber die UEFA war mehr als erwartet und besser als erwartet. Die Leute sind verständnisvoll, ermutigend und immer hilfsbereit.

„Ich hatte eine gute Vorstellung davon, wie es sein könnte, in der Schweiz zu arbeiten, aber die UEFA war mehr als erwartet und besser als erwartet. Die Leute sind verständnisvoll, ermutigend und immer hilfsbereit.“

Ich gehöre dem ICT-Team an und bin insbesondere in den Bereichen Events, Spielorte und Broadcasting tätig. Zu meinen Aufgaben gehört die Analyse, Bereinigung, Aufbereitung und Visualisierung von Daten zur Unterstützung der Entscheidungsfindung. Außerdem habe ich an einem Entwurf für ein Fanzonen-Design gearbeitet. Veranstaltungen vor den Spielen werden üblicherweise mittels schriftlicher Dokumente und E-Mails geplant. Wir schlugen vor, 3D-Modelle und Videoanimationen einzusetzen, um den örtlichen Behörden und anderen Interessenträgern zu helfen, die Platzverhältnisse besser zu visualisieren und Missverständnisse zu vermeiden.

Dass ich in diesem Kontext meine Architekturfähigkeiten einsetzen konnte, war etwas ganz Besonderes. Man vertraute mir und ermutigte mich dazu, meine bisherigen Erfahrungen in meiner neuen IT-Rolle einzubringen. Ich habe auch an bestehenden UX- und UI-Mockup-Vorlagen gearbeitet. Obwohl ich noch am Lernen bin, hat mir das geholfen, das Nutzerverhalten und die Interaktionen von Menschen mit solchen Modellen zu verstehen.

„Dass ich in diesem Kontext meine Architekturfähigkeiten einsetzen konnte, war etwas ganz Besonderes. Man vertraute mir und ermutigte mich dazu, meine bisherigen Erfahrungen in meiner neuen IT-Rolle einzubringen.“

Von Architektur zu ICT: Kreative Ader

Der Wechsel von der Architektur zur ICT war nicht leicht, aber bereichernd. Einige Aufgaben ermöglichen es mir, meine kreative Seite zu nutzen, insbesondere die Datenvisualisierung.

Ich denke, Kreativität entsteht, wenn man sich bei etwas wohlfühlt. Ich bin noch am Lernen, aber ich sehe Wege, kreativ zu sein.

Was die beiden Branchen gemeinsam haben, ist der autodidaktische Aspekt. An der Uni mussten wir uns die digitalen Tools selbst aneignen, meistens über YouTube-Videos und die Tri­al-and-Er­ror-Me­tho­de.

Manchmal brauche ich ein paar Versuche, um ein Problem zu lösen. Vielleicht probiere ich verschiedene Ansätze aus, schaue mir Tutorials an oder frage meine Kollegen um Rat. Aber am Ende finde ich immer eine Lösung und dieser Lernprozess gefällt mir sehr.

Erster Tag bei der UEFA mit dem Pokal der Champions League!
Erster Tag bei der UEFA mit dem Pokal der Champions League!UEFA

Ausblick: Meine Ziele für das nächste Jahr

Beruflich freue ich mich sehr darauf, mich im Datenbereich weiterzuentwickeln. Ich möchte selbstsicherer werden, indem ich mein Wissen vertiefe und praktische Erfahrungen sammle. Mein Ziel ist es, an Projekten zu arbeiten, die wirklich etwas bewirken, und mich weiterhin gut in die Schweizer Arbeitskultur zu integrieren.

Zudem habe ich begonnen, Online-Kurse über Plattformen wie Coursera und DataCamp zu absolvieren. Ich versuche, so viele Zertifizierungen wie möglich zu sammeln und mir so viel Wissen wie möglich über Datenanalyse und Visualisierung anzueignen. Es gibt eine Menge zu lernen, aber ich genieße den Prozess.

Persönlich habe ich zwei große Ziele: Zuerst möchte ich diesen Winter das Skifahren lernen. Ich habe es noch nie ausprobiert und wenn man in der Schweiz lebt, ist das quasi Pflicht! Zweitens habe ich mir eine Herausforderung gestellt: 35 Länder besuchen, bis ich 35 Jahre alt werde. Mir bleiben noch fünf Jahre und bisher habe ich sieben oder acht geschafft: Äthiopien, China, Polen, die Schweiz, Belarus, Belgien und die Niederlande. Also habe ich noch 28 vor mir! (lacht)

„Ich möchte diesen Winter das Skifahren lernen. Ich habe es noch nie ausprobiert und wenn man in der Schweiz lebt, ist das quasi Pflicht!“

Glücklicherweise ist Europa viel kleiner als Äthiopien, das übrigens etwa fast so groß ist wie Frankreich, Deutschland, die Schweiz und Österreich zusammen. Ich bin also zuversichtlich, dass ich es schaffen werde!

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