Werdegänge bei der UEFA: Giangs Wechsel vom Rechnungswesen zur IT
Montag, 27. April 2026
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Wir haben uns mit Giang Pham, Assistentin Datenanalyse bei der UEFA, getroffen, um uns über ihren beruflichen Weg auszutauschen. Sie erklärt, was es bedeutet, als Frau in dieser Branche tätig zu sein und spricht über ihre Arbeit bei der UEFA.
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Hallo, ich bin Giang Pham. Ich bin in Vietnam geboren und aufgewachsen, habe in Großbritannien studiert. Seit 2020 lebe ich in der Schweiz. Angefangen habe ich im Rechnungswesen, doch heute kann ich mit Stolz sagen, dass ich im Rahmen der EURO 2028 als Assistentin Datenanalyse bei der UEFA tätig bin. Es war ein interessanter Weg, über den ich gerne spreche.
Quereinsteigerin im IT-Bereich
Als ich mit meinem Mann und unserem anderthalb Jahre alten Sohn in die Schweiz gezogen bin, wollte ich mich zunächst um die Betreuung unseres Kindes kümmern. Aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass ich letztlich wieder arbeiten wollte. Ich wusste nur nicht so genau, in welche Richtung die Reise gehen sollte.
„Und dann bin ich auf einen Artikel über den Mangel an qualifizierten Frauen im Tech-Bereich gestoßen. Für mich war das ein Impuls – könnte das etwas für mich sein?“
Ich bin auf einen Artikel über den Mangel an qualifizierten Frauen im Tech-Bereich gestoßen. Für mich war das ein Impuls – könnte das etwas für mich sein? Also entschied ich mich für eine kostenlose Online-Schulung zur Webentwicklung. Ich dachte immer, Programmieren sei nur etwas für Genies oder Mathe-Cracks. Aber als ich in die Materie eingetaucht bin, habe ich verstanden, wie faszinierend das Ganze eigentlich ist. Zunächst habe ich nur kleine, danach immer komplexere Dinge programmiert. Und mit jedem Schritt wuchs mein Selbstvertrauen.
Ich bin zwar keine ausgebildete Informatikerin, aber ich habe trotzdem immer weitergemacht. Als mein Sohn Mittagsschlaf gehalten hat oder in der Krippe war, habe ich mir die Zeit dafür genommen. Anderthalb Jahre lang habe ich mich selbst mit kostenlosen Materialien im Internet weitergebildet; außerdem habe ich ehrenamtlich an NGO-Projekten mitgearbeitet und an Hackathons teilgenommen. Mir ging es nicht um das Geld, sondern ich wollte die Arbeit unter Druck erlernen und andere Programmiererinnen und Programmierer treffen.
Dann entdeckte ich [die gemeinnützige Organisation] Powercoders. Das Bewerbungsverfahren war streng, ich wurde auf meine Programmierkenntnisse, Team- und Kommunikationsfähigkeit getestet. Ich war begeistert, dass ich für ein dreimonatiges Bootcamp ausgewählt wurde. Dabei konnten wir nicht nur unsere technischen Fähigkeiten verfeinern, sondern auch etwas über die Arbeitskultur in der Schweiz lernen. Als Immigrantin hatte ich großes Glück, Teil eines Programms zu sein, bei dem normalerweise Flüchtlinge unterstützt werden. Die Erfahrung war bestärkend. Die vielen motivierten Menschen aus aller Welt haben mich daran erinnert, dass wir alle hier sind, um uns gegenseitig zu unterstützen.
Mit Powercoders habe ich an einem Karrieretag teilgenommen und mich acht Unternehmen vorgestellt. Ich war überglücklich, als mir die UEFA – meine erste Wahl – ein Praktikum angeboten hat. Daraus wurde schließlich eine Vollzeitstelle.
„Wie bin ich zur IT gestoßen? Ich habe es einfach versucht und immer weitergemacht.“
Wie bin ich zur IT gestoßen? Ich habe es einfach versucht und immer weitergemacht. Dabei habe ich wunderbare Menschen getroffen, die mir auf diesem Weg geholfen haben. Und vor allem habe ich etwas gefunden, das mir wirklich Spaß macht.
Mein Weg bei der UEFA
Ein Moment, der mir in Erinnerung bleibt, ist eine Informationsveranstaltung für das UEFA-Personal, das sogenannte „Time Out“. Dabei wurden die Ergebnisse einer Umfrage präsentiert: „Warum arbeiten Sie gerne bei der UEFA?“ Der am häufigsten angegebene Grund waren die Kolleginnen und Kollegen. Nach einem Jahr im Praktikum kann ich dem voll und ganz zustimmen.
Vom ersten Tag an haben mir mein Vorgesetzter und meine Kolleginnen und Kollegen Raum, Vertrauen und Zeit gegeben, damit ich mich weiterentwickeln kann. Zuerst war ich zurückhaltend, habe nicht sofort Fragen gestellt. Aber jedes Mal, wenn ich mich an jemanden gewandt habe, hat man mir ein Lächeln und echte Hilfsbereitschaft gezeigt. Mein Vorgesetzter hat mich ermutigt, über unsere Abteilung hinaus Kontakte zu knüpfen und uns daran erinnert, dass wir innerhalb der Organisation füreinander da sind. Das ist eine ganz wichtige Einstellung.
„Ich habe ein enormes Glück, denn ich habe Kolleginnen und Kollegen, die viel dafür getan haben, dass ich mich hier willkommen fühle.“
Doch nicht nur mein Job erfüllt mich – ich habe ein enormes Glück, denn ich habe Kolleginnen und Kollegen, die viel dafür getan haben, dass ich mich hier willkommen fühle. Ich bin über die UEFA an Karten für das Champions-League-Finale gekommen und mein Sohn durfte Spielerbegleitkind bei der Frauen-EM im letzten Jahr sein. Dass wir beide als Volunteers dabei waren, wird mir immer in Erinnerung bleiben.
Mein Rat an Programmiererinnen
Wer in die Technologiebranche wechseln möchte, sollte nicht zu viele Selbstzweifel haben. Man braucht kein Informatikstudium, um damit anzufangen. Es reicht schon, konsequent zu lernen und sich dabei auszuprobieren! Es gibt so viele kostenfreie, aber auch kostenpflichtige Angebote im Netz.
„Man braucht kein Informatikstudium, um damit anzufangen. Es reicht schon, konsequent zu lernen und sich dabei auszuprobieren!“
Und wenn es ans Netzwerken geht, sollte man sich nicht gezwungen fühlen, an jeder Veranstaltung teilzunehmen oder sich allen vorzustellen. Stattdessen kann man sich auch ehrenamtlich engagieren, an einem Hackathon teilnehmen oder anderweitig seine Hilfe anbieten. Du wirst dafür vielleicht nicht bezahlt, aber du baust Selbstvertrauen und wertvolle Beziehungen auf. Die meisten Menschen in der Technologiebranche sind eher introvertiert. Wer motiviert und bereit ist, einen Beitrag zu leisten, wird damit weit kommen.