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Erstes UEFA-Symposium für Schiedsrichterinnen stellt Entwicklungsmöglichkeiten und gezielte Unterstützung in den Fokus

Die UEFA

Führende Vertreterinnen des Schiedsrichterwesens aus ganz Europa kamen am UEFA-Sitz in Nyon zusammen, um wirkungsvolle Strategien zu erörtern, wie Frauen in ihrer Ausbildung zur Schiedsrichterin – vom Breiten- bis zum Elitefußball – bestmöglich unterstützt werden können.

Erstes UEFA-Symposium für Schiedsrichterinnen stellt Entwicklungsmöglichkeiten und gezielte Unterstützung in den Fokus

Wie können ein optimales Umfeld für weibliche Referees geschaffen und die führende Stellung des europäischen Schiedsrichterwesens aufrechterhalten werden?

Dies war die zentrale Frage beim ersten UEFA-Schiedsrichterinnen-Symposium in dieser Woche, bei dem offen und konstruktiv über die Realitäten diskutiert wurde, mit denen Frauen im Schiedsrichterwesen konfrontiert sind, unter anderem hinsichtlich Schwangerschaft, Rückkehr nach der Geburt, psychischer Gesundheit und der Herausforderungen dualer Karrieren.

Die Veranstaltung diente dazu, den Nationalverbänden die nötigen Instrumente an die Hand zu geben, um nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Frauen soll nicht nur der Einstieg ins Schiedsrichterwesen erleichtert werden, sondern sie sollen in jeder Phase ihrer Entwicklung unterstützt werden, was auch eine der Prioritäten der UEFA-Frauenfußballstrategie „Unstoppable“ ist.

„Bei diesem Schiedsrichterinnen-Symposium geht es nicht um große Worte, sondern um einen praktischen Austausch“, sagte Dagmar Damková, Mitglied der UEFA-Schiedsrichterkommission. „Es ist der perfekte Moment, um Schiedsrichterinnen in den europäischen Nationalverbänden noch stärker zu fördern – hier wollen wir noch besser werden.

Die nächste Generation von Schiedsrichterinnen wird uns nicht nach unseren Absichten beurteilen, sondern danach, was wir für sie geschaffen haben. Ich war vor vielen Jahren in dieser Situation – damals träumten wir von dem, was heute für Schiedsrichterinnen möglich ist. Das war seinerzeit noch undenkbar, doch jetzt können wir noch mehr erreichen – geben wir ihnen also diese Chance.“

Rekrutierung und Bindung von Schiedsrichterinnen

2024/25 waren in den 55 europäischen Nationalverbänden 18 524 Schiedsrichterinnen registriert – 4,4 % mehr als in der vorangegangenen Saison. Allerdings stammen 69 % der weiblichen Referees aus nur sechs Ländern, was die Notwendigkeit umfassenderer Rekrutierungsbemühungen in ganz Europa unterstreicht.

Jean-Baptiste Bultynck, Leiter Leistungsanalyse beim Belgischen Fußballverband, schilderte, wie sein Land diese Herausforderung angeht. In seiner jüngsten Rekrutierungskampagne legte der Verband besonderen Wert auf einen einladenden ersten Eindruck für neue Schiedsrichterinnen, ein gut strukturiertes Einstiegsprogramm, konsistente Nachbereitung sowie die Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder.

Auf diesem Konzept aufbauend setzten sich die Delegierten in Gruppen mit der Bewertung und Optimierung ihrer eigenen Rekrutierungsstrategien auseinander. Die diesbezüglichen Gespräche drehten sich um die Führungspersönlichkeiten, gezielte Kommunikation, die Nutzung sozialer Medien, die Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten sowie um den proaktiven Aufbau vielversprechender Kandidatinnen.

Anschließend hielt Ian Rollo, Leiter des sportwissenschaftlichen Instituts GSSI, eine Präsentation über die ganzheitliche Betreuung von Eliteschiedsrichterinnen. Dabei ging es um wichtige Aspekte hinsichtlich Leistung und Wohlbefinden wie Menstruationszyklus, Schlaf, Flüssigkeitsaufnahme, Ernährung und die Bedeutung eines gut sitzenden Sport-BHs.

Die Delegierten befassten sich auch mit der Frage, was getan werden muss, damit talentierte Schiedsrichterinnen dem Fußball erhalten bleiben. In diesem Zusammenhang wurden wichtige Instrumente wie Mentoring, verbesserte Schutzmaßnahmen, Flexibilität bei dualen Karrieren und klarere Entwicklungsmöglichkeiten genannt.

🇳🇴 Norwegen: Unterstützung von Schiedsrichterinnen in der Schwangerschaft

Der Verantwortliche des norwegischen Schiedsrichterwesens, Terje Hauge, der in seiner aktiven Zeit unter anderem das Finale der UEFA Champions League 2006 leitete, erläuterte, wie der Norwegische Fußballverband (NFF) die Erhaltungsquote von Schiedsrichterinnen verbessert hat.

2015 zählte der NFF 113 Schiedsrichterinnen, wovon zehn in der höchsten Frauenliga zum Einsatz kamen. Dank gemeinsamer Bemühungen stieg diese Zahl bis 2019 auf 203, mit 20 weiblichen Referees in den beiden höchsten Spielklassen. In dieser Zeit stieß der Verband allerdings auch auf Herausforderungen mit Blick auf die Erhaltung der Schiedsrichterinnen – mehrere von ihnen kehrten dem Schiedsrichterwesen den Rücken, nachdem sie Mutter geworden waren.

Um dem entgegenzuwirken, hat der NFF ein Rahmenwerk entwickelt, der Schiedsrichterinnen die Rückkehr nach einer Schwangerschaft erleichtert. Schiedsrichterinnen können fortan ihren Platz in der nationalen Rangliste während des Mutterschaftsurlaubs bewahren und erhalten weiterhin finanzielle Unterstützung sowie Zugang zu physischer und mentaler Betreuung. Nach der Geburt haben sie sechs bis zwölf Monate Zeit, um den Fitnesstest für Schiedsrichterinnen zu bestehen. Sie dürfen ihr Kind auch in Begleitung eines Partners oder Familienmitglieds zu Seminaren und Turnieren mitbringen.

Mittlerweile zählt der NFF 424 Schiedsrichterinnen, darunter 46 in den beiden höchsten Frauenligen. Unter diesen Elitereferees sind elf Mütter mit insgesamt 17 Kindern.

Gesundheit von Frauen im Schiedsrichterwesen

Eva Ferrer Vidal-Barraquer, Ärztin und Expertin für Sportgesundheit beim Barça Innovation Hub, wies ihrerseits auf die medizinischen, physischen und psychologischen Aspekte hin, die für Schiedsrichterinnen nach einer Schwangerschaft zu berücksichtigen sind, und erklärte, wie Nationalverbände gezielte Unterstützung bereitstellen können, um ein sicheres und selbstbewusstes Comeback zu erleichtern.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurden anschließend verschiedene Ansätze im Hinblick auf Fitnessstandards für Schiedsrichterinnen in Männerwettbewerben erörtert. Zu den Teilnehmerinnen gehörten Stéphanie Frappart, die erste Schiedsrichterin einer Partie der UEFA Champions League der Männer und im UEFA-Superpokal, und Cheryl Foster, Leiterin des Endspiels der UEFA Women’s Champions League 2023, die nun in der für den Profifußball in England zuständigen Schiedsrichtervereinigung PGMOL für die weiblichen Unparteiischen verantwortlich ist.

Weitere Teilnehmerinnen der Diskussionsrunde waren Dagmar Damková, die als erste Frau in der höchsten tschechischen Männerliga als Schiedsrichterin im Einsatz stand und mehrere große Endspiele leitete, darunter das der UEFA Women’s EURO 2009 und der UEFA Women’s Champions League 2011, und Sapir Berman, die 2025 im Rahmen der Qualifikation zur U17-Frauen-EM als erste Transgender-Frau ein Länderspiel leitete.

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