Werdegänge bei der UEFA: Domenico –ein Schritt, der mir Türen bei der UEFA öffnete
Freitag, 27. Februar 2026
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Als Domenico sich für einen Einsatz als Volunteer bei der UEFA EURO 2008 von Kanada Richtung Europa aufmachte, hätte er nicht ahnen können, dass er damit eine Karriere im europäischen Fußball einschlagen würde, die nun schon 18 Jahre lang andauert.
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Wir haben uns mit Domenico Tropea (Bild oben, rechts) ausgetauscht, der als Manager Fußballdienste bei der UEFA tätig ist. Er berichtet, wie er durch einen sechsmonatigen Volunteer-Einsatz bei der EURO 2008 unverhofft zu einer Karriere beim Dachverband des europäischen Fußballs kam.
Domenico, deine Anfänge bei der UEFA waren alles andere als konventionell...
Das stimmt, ich bin als Sohn italienischer Eltern in Kanada aufgewachsen. Nachdem ich mein Studium der Finanzen abgeschlossen hatte, wollte ich Europa bereisen und Erfahrungen im Sport sammeln. 2007 war ich bei der FIFA-U20-WM in Kanada dabei und danach wollte ich einfach mehr davon erleben. Als ich gesehen hatte, dass Volunteers für die UEFA EURO 2008 gesucht wurden, habe ich mich spontan beworben. Ich dachte, es würde ein einmaliges Abenteuer werden, aber im Endeffekt hat es mein ganzes Leben verändert.
Und welche Erfahrung hast du als Volunteer gemacht?
Glamourös war es ganz bestimmt nicht. Zunächst habe ich Essensmarken ausgeteilt, aber ich wollte dazulernen, also habe ich nach immer neuen Aufgaben gefragt, bis ich bei organisatorischen Dingen rund um die Spiele mitgeholfen habe. So war ich im Zentrum des Geschehens angelangt.
„Ich dachte, es würde ein einmaliges Abenteuer werden, aber im Endeffekt hat es mein ganzes Leben verändert.“
Ich bin sogar einen Monat früher nach Österreich gereist, um beim Aufbau des Volunteer-Zentrums mit anzupacken. Dafür habe ich dann in einem umgebauten Schuppen im Hinterhof einer älteren Dame gewohnt. Es war etwas schräg, aber das war mir egal. Ich wollte einfach dabei sein.
Ich erinnere mich noch daran, wie ich in diesem winzigen Lagerraum Spielbälle aufgepumpt und mich in den Überziehleibchen gefilmt habe. Ich habe einfach alles aufgesaugt. Dabei habe ich gelernt, dass sich Motivation, ehrgeizige Ziele und die Begeisterung für eine Sache auszahlen.
Hast du jemals gedacht, es könnte etwas schiefgehen?
Auf jeden Fall. Am ersten Tag habe ich direkt verschlafen. Ich dachte, ich hätte es komplett vermasselt. Aber der Spielverantwortliche gab mir eine zweite Chance. Das hat mir so viel bedeutet und so war ich noch entschlossener, mich zu beweisen.
Und wie wurde aus diesem Einsatz als Volunteer ein Vollzeitjob bei der UEFA?
Nach dem Turnier habe ich mich auf eine auf sechs Monate befristete Stelle bei der UEFA beworben. Ich hätte es niemals gedacht, aber ich wurde genommen. Ich muss einen guten Eindruck hinterlassen haben, denn aus sechs Monaten wurden 18 Jahre.
Heute arbeite ich in der UEFA-Division Fußball und bin für operative Belange bei den Endspielen der Klubwettbewerbe verantwortlich, also Champions League, Europa League, Women‘s Champions League und Superpokal. Aktuell laufen auch die Vorbereitungen für die EURO 2028 und die Women‘s EURO 2029. Angefangen als Volunteer in Klagenfurt und beim EM-Finale 2024 am Spielfeldrand das Signal für den Anstoß gegeben – was für ein Weg.
„Nach dem Turnier habe ich mich auf eine auf sechs Monate befristete Stelle bei der UEFA beworben. Ich hätte es niemals gedacht, aber ich wurde genommen.“
Über deine Karriere sagst du, so habe sich ein Kreis geschlossen. Wie meinst du das?
2008 habe ich als Volunteer den Spielverantwortlichen unterstützt, 2016 stand ich erstmals als Match Manager im Stade de France im Einsatz. Und 2024 wurde ich als Match Manager nach Berlin geschickt, eines der wichtigsten Stadien beim Turnier, in dem das Finale zwischen Spanien und England stattfand.
Ich erinnere mich immer noch daran, wie ich 2008 Fotos in meiner Volunteer-Uniform gemacht habe. Mein Traum war es, eines Tages eben diesen Job auf höchstem Niveau zu machen. Bei der EM 2024 in Berlin wurde mir klar: Hier hat sich der Kreis geschlossen.
Welche Fähigkeiten braucht es als Volunteer, die dir in deiner jetzigen Rolle zugutekommen?
Anpassungsfähigkeit, Teamwork, Agilität, Belastbarkeit – um nur einige Eigenschaften zu nennen. Lösungsorientiertes Handeln wird in dieser Branche enorm geschätzt. Als Freiwilliger muss man flexibel bleiben. Diese Fähigkeiten bleiben einem ein Leben lang erhalten.
Es gibt viele Wege in die Sportbranche, aber ehrenamtliche Arbeit steht allen offen und ist für eine weitere Karriere besonders zielführend. Man sammelt dabei praktische Erfahrungen und baut wichtige Verbindungen auf.
„Es gibt viele Wege in die Sportbranche, aber ehrenamtliche Arbeit steht allen offen und ist für eine weitere Karriere besonders zielführend.“
Du hast erwähnt, wie wichtig die Volunteers für dich sind. Wie kannst du da etwas zurückgeben?
Ich bin stolz auf meine Anfänge als Volunteer und ich lege Wert darauf, die Freiwilligen heute zu unterstützen. Viele meiner Volunteers bei der EURO 2016 haben später an verschiedensten UEFA-Veranstaltungen in ganz Europa mitgewirkt. Wer motiviert und begeistert bei der Sache ist, bekommt immer wieder neue Chancen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
Welchen Rat würdest du jemandem geben, der von einer Karriere im Sport träumt?
Volunteering ist das A und O, durch diese Hintertür kam ich zu einer Anstellung in der Branche. Mit der ehrenamtlichen Arbeit habe ich echte Erfahrungen gesammelt und neue Erkenntnisse erworben. Das hat mein Leben verändert und wer weiß, vielleicht ergeht es anderen auch so.