Europäische Fußballgemeinde spricht sich entschieden gegen eine sogenannte Super League aus
Donnerstag, 21. Dezember 2023
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In einer Online-Medienkonferenz zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) am Donnerstag betonten UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und Interessenträger aus der gesamten Fußballgemeinde ihre geschlossene Ablehnung der sogenannten European Super League (ESL).
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UEFA-Präsident Aleksander Čeferin
„Der Fußball bleibt geeint. Diese Medienkonferenz, bei der alle Interessenträger geschlossen auftraten, ist ein Beweis dafür. Nationale Regierungen und Institutionen stehen hinter uns.
Es besteht ein starker Kontrast zwischen der Presseerklärung und dem Urteil. Das Urteil fällt im Grunde positiv aus, da es die wichtigsten Elemente der europäischen Fußballpyramide berücksichtigt: offene Wettbewerbe, sportliches Verdienst und Solidarität.
Der EuGH hat in keinem Fall grünes Licht gegeben, noch hat das Gericht Projekte wie die sogenannte Super League gutgeheißen. Wir begrüßen die Klarheit, die der EuGH heute geschaffen hat, einschließlich der Unterstützung des Vorabgenehmigungsverfahrens und der Doppelrolle der UEFA als Organisatorin und Regelgeberin.
Uns ist bewusst geworden, dass unser Genehmigungsverfahren nicht perfekt war; so haben wir 2021 mit der Arbeit daran begonnen und diese 2022 mit dem Beschluss des UEFA Exekutivkomitees abgeschlossen. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Bestimmungen dem Urteil des EuGH voll und ganz entsprechen. Nach der eingehenden Lektüre des Urteils werden wir natürlich erneut prüfen, ob wir weitere Änderungen vornehmen müssen.
Es ist wichtig zu betonen, dass der EuGH das europäische Sportmodell befürwortet hat, das auf sportlichem Verdienst beruht, der nur gewährleistet werden kann, wenn alle Teams ein gewisses Maß an Chancengleichheit genießen. Es ist auch wichtig festzuhalten, dass Klubs aus vielen Ländern – wie Deutschland, England und Frankreich – daran gehindert werden, sich an Projekten zu beteiligen, die sich außerhalb des Systems befinden.
Natürlich steht es der UEFA frei, ihre eigenen Wettbewerbe zu organisieren und die kommerziellen Rechte exklusiv zu verkaufen. Sämtliche Wettbewerbe müssen sich in das System einfügen und die neuen Genehmigungsregeln der UEFA einhalten. Außerdem müssen unter anderem sportliche Verdienste, der internationale Spielkalender und Solidarität berücksichtigt werden. Die Bestimmungen schützen auch die UEFA-Klubwettbewerbe.
Wie man heute sehen konnte, bleibt der Fußball geeint und gut geschützt vor abtrünnigen Ligen. Der Fußball steht nicht zum Verkauf – das haben wir als Interessenträger gemeinsam oft unter Beweis gestellt. Nichts kann das ändern.“
Nasser Al-Khelaifi, Vorsitzender der Europäischen Klubvereinigung
„Vielleicht haben einige Leute nicht bemerkt, was der Fußball in den letzten zwei Jahren geleistet hat. Es gab eine Reform der Wettbewerbe, die zusammen von der UEFA und den Klubs auf den Weg gebracht wurde. Für mich ist das überhaupt kein Sieg der Super League. Bei diesem Urteil geht es um Rechtsvorschriften, die sich geändert haben.
Wir sehen dieselben Vorträge und dieselben Erklärungen, die über Freiheit sprechen – aber es geht nicht um Freiheit, sondern um eine geschlossene Liga. Das ist ein Gesellschaftsvertrag. Die Klubs sind so stolz darauf, Partner der UEFA zu sein und an UEFA-Wettbewerben teilzunehmen. Alle Interessenträger in Europa setzen sich für dasselbe Ziel ein.“
Javier Tebas, Präsident LaLiga
„Ich möchte der UEFA als Dachverband des europäischen Fußballs unsere umfassende Unterstützung zusichern. Die UEFA organisiert seit 69 Jahren europäische Wettbewerbe und den europäischen Fußball. In dieser Zeit musste sich die UEFA immer wieder den Zeiten sowie den sich verändernden wirtschaftlichen und sportlichen Gegebenheiten anpassen. Genau das hat sie gemeinsam mit den verschiedenen Interessenträgern getan und letztes Jahr neue Regeln zur Genehmigung neuer Wettbewerbe eingeführt.“
Pedro Proença, Präsident European Leagues
„Für uns ändert dieses Urteil nichts an unserer Meinung zum Format der europäischen Wettbewerbe. Im Namen der European Leagues glauben wir voll und ganz an den Grundsatz offener Wettbewerbe und die Qualifikation für internationale Wettbewerbe über nationale Wettbewerbe. Wir glauben an ein Gleichgewicht zwischen den nationalen Ligen und den international agierenden Klubs.
Wir lehnen das Modell einer Super League entschieden ab und sind fest entschlossen, diese Linie zusammen mit den anderen Interessenträgern beizubehalten. Das heutige Urteil ändert nichts an der Zukunft der internationalen Wettbewerbe.“
Ronan Evain, Geschäftsführer Football Supporters Europe
„Aus Sicht der Fans gibt es nichts Neues. Es handelt sich immer noch um das gleiche Projekt wie vor zwei Jahren – der gleiche private, geschlossene, geldgetriebene Wettbewerb. Eine furchtbare Idee wurde lediglich recycelt und neu verpackt, ohne Rücksicht auf sportliche Verdienste.
Die Super League ist nicht aufgrund der damals existierenden Regeln gescheitert – sie ist gescheitert, weil wir alle gegen dieses Projekt waren. Wir gehören zu einem Ökosystem des europäischen Fußballs, das vielleicht nicht perfekt ist, aber zumindest über ein Regelwerk verfügt.
Im europäischen Fußball gibt es keinen Platz für Abspaltungen. Wir hatten gehofft, dass wir dieses Theater hinter uns gelassen haben. Es wäre das Beste für den europäischen Fußball, wenn sie jetzt einfach aufgeben würden.“
David Terrier, Präsident FIFPRO Europe
„Die Spieler haben sich bereits gegen dieses Projekt gestellt und sind einhellig dagegen. Als FIFPRO vertreten wir alle Spieler, nicht nur diejenigen, die möglicherweise in einem einzigen, zersplitterten Wettbewerb spielen würden.
Ich stimme Aleksander Čeferin zu, dass dieses Urteil unsere gemeinsame Position stärkt und die Bedeutung sportlicher Verdienste sowie der Pyramidenstruktur des europäischen Fußballs unterstreicht.“