Henri Delaunay – der ewige Verfechter der Europameisterschaft
Donnerstag, 8. Juli 2021
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Auf die UEFA EURO 2020 mussten wir ein Jahr länger warten als geplant – der Franzose Delaunay musste sich indessen 30 Jahre gedulden, bis sein Traum von einem europäischen Nationalmannschaftswettbewerb wahr wurde.
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„Es gibt wenige Menschen, die einem so universalen Sport wie dem Fußball so stark den Stempel ihrer Persönlichkeit aufgedrückt haben.“ (50 Jahre UEFA, 2004)
Henri Delaunay, der erste UEFA-Generalsekretär, nimmt eine Schlüsselposition in der Geschichte der Organisation ein, die er mit seinem Pioniergeist nicht nur aus der Taufe hob, sondern mit seinem Beitrag zur Entstehung der Europameisterschaft auch zu einer einmaligen Erfolgsgeschichte verhalf.
Delaunay, der 1883 in Paris geboren wurde und vom Fußball begeistert war, verschrieb sich dem Sport bereits ab einem frühen Alter. Mit gerade einmal 20 Jahren wurde er zum Sekretär des Pariser Fußballvereins Etoile des Deux Lacs ernannt, der seinerzeit zu den namhaftesten französischen Klubs gehörte, und schaffte im Alter von 26 Jahren den Sprung an die Spitze des Vereins, dessen Präsident er bis 1912 blieb. Bereits in diesen Jahren machte Delaunay in Frankreich mit einer glücklichen Hand als Funktionär auf sich aufmerksam. 1906 – mit 23 Jahren – wurde er zum Generalsekretär des kurz zuvor gebildeten verbandsübergreifenden Komitees gewählt, aus dem 1919 der Französische Fußballverband (FFF) wurde.
Fußball im Blut
Henri Delaunay war resolut im Auftreten, verfügte aber ebenso über reichlich Einfühlungsvermögen und Humor. Seine Versiertheit im Fußball und in den Spielregeln kam ihm bei seiner Tätigkeit als Schiedsrichter in Frankreich zugute. 1920 bat die FIFA Delaunay in ihren neu gegründeten Spielregelbeirat, aus dem später die FIFA-Schiedsrichterkommission entstand. Er war für die erste Zusammenstellung der Regelauslegungen verantwortlich.
Zudem träumte Henri Delaunay von einem europäischen Wettbewerb für Nationalmannschaften. Seine Vision war es, den Nationalmannschaftsfußball zu entwickeln und dessen Profil zu schärfen. Außerdem gab der Franzose den Anstoß zum Start der FIFA-Weltmeisterschaft: Anlässlich des FIFA-Kongresses im Jahr 1928 war er maßgeblich an der Verabschiedung einer wegweisenden Resolution beteiligt, in der gefordert wird, „einen Wettbewerb für die Auswahlmannschaften aller angeschlossenen nationalen Verbände zu organisieren“. Die erste Endrunde der Fußball-WM folgte im Jahr 1930.
Ein Pionier der UEFA
Auch bei der UEFA-Gründung im Juni 1954 nahm Delaunay eine Vorreiterrolle ein und war eine treibende Kraft hinter dem Gedanken, einen Verband zu gründen, der sich aus den europäischen Nationalverbänden zusammensetzte. Die Entscheidung der FIFA im Jahr 1953, die Schaffung von Kontinentalverbänden zu genehmigen, zeichnete den Weg für die Gründung der europäischen Konföderation vor, die im darauffolgenden Sommer im schweizerischen Basel erfolgte.
Henri Delaunays Amtszeit als UEFA-Generalsekretär war unverhofft kurz. Mit seinem Tod im November 1955 konnte er die Kinderjahre des europäischen Fußballdachverbands nicht begleiten; auch blieb es ihm verwehrt zu erleben, dass sein langjähriger Traum eines europäischen Nationalmannschaftswettbewerbs in Erfüllung ging. Seit der erstmaligen Austragung der EM trägt die Trophäe gebührendermaßen den Namen des Mannes, der sich so engagiert für die Schaffung dieses Wettbewerbs einsetzte.