Schweiz treibt Entwicklung des Frauenfußballs mit Hilfe der UEFA voran
Dienstag, 31. Juli 2018
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Der Schweizerische Fußballverband (SFV) hat große Pläne für die Entwicklung des Frauenfußballs im Land – dank der Unterstützung aus dem UEFA-HatTrick-Programm sollen die Teilnehmerzahlen auf über 30 000 gesteigert werden.
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Der Frauenfußball in der Schweiz erlebt einen Aufschwung. Obwohl das U19-Team bei der UEFA-U19-Frauen-Europameisterschaft im eigenen Land die Halbfinalqualifikation trotz eines Siegs gegen Norwegen und eines Unentschiedens gegen Frankreich verpasst hat, sieht die Zukunft für diese Sportart rosig aus.
Der SFV hat in den vergangenen Jahren intensiv in den Frauen- und Breitenfußball investiert. Im Rahmen dieses Entwicklungsprogramms entschied der Verband zudem, in Biel – rund 40 km nordwestlich der Hauptstadt Bern – die Swiss Women’s Football Academy zu gründen, wo die vielversprechendsten jungen Talente aus dem ganzen Land trainieren können.
Ein Teil der finanziellen Mittel stammt aus dem UEFA-HatTrick-Programm. Diese Initiative basiert auf Vierjahreszyklen, wobei im Rahmen des aktuellen Zyklus bis 2020 EUR 610,5 Mio. bereitgestellt werden. Dies bedeutet, dass den 55 UEFA-Mitgliedsverbänden jährlich beinahe EUR 153 Mio. für die Fußballentwicklung zur Verfügung stehen. Die Zuschüsse des europäischen Dachverbands ermöglichen es dem SFV, jedes Jahr rund 30 Mädchen zu unterstützen und ihnen eine möglichst gute Ausbildung auf und neben dem Spielfeld zu bieten.
„Der Entwicklung des Juniorenfußballs räumt unser Verband selbstverständlich hohe Priorität ein“, sagte SFV-Präsident Peter Gilliéron. „Dank dem UEFA-HatTrick-Programm konnten wir unsere Nachwuchsstrategie schneller und effizienter vorantreiben.“
„Einzigartige Erfahrung“
Guede ist der Ansicht, dass die „einzigartige Erfahrung“ in Biel nicht nur ihre Fähigkeiten auf dem Spielfeld verbessert hat, sondern ihr auch für ihre allgemeine persönliche Entwicklung viel gebracht hat.
„Es gab viele tolle Momente, doch die Höhepunkte waren die Spiele und die Zeit, in der wir uns neben dem Spielfeld besser kennengelernt haben“, betonte sie.
„Am Ende sitzen wir alle im selben Boot: Wir leben alle getrennt von unseren Familien und das verbindet. Diese starken Bande sind wohl das Beste, was wir aus der Akademie mitnehmen konnten.“
Die Spielerinnen der Swiss Women’s Football Academy trainieren von Montag bis Freitag und spielen am Wochenende mit ihren Vereinen. Zertifizierte SFV-Trainerinnen wie Brigitte Steiner, die sich um die U16-Frauen-Nationalmannschaft kümmert, oder Monica di Fonzo, die für die U17-Frauen verantwortlich ist, leiten die Trainingseinheiten und konzentrieren sich dabei auf die Verbesserung von Technik, Taktik, Fitness und Geschwindigkeit der Mädchen.
Doch auch ihre außersportlichen Leistungen sind wichtig, da die Mädchen ein schulisches Programm der Stadt Biel absolvieren, das darauf abzielt, sie auf das Berufsleben vorzubereiten, ob sie nun im Fußball bleiben oder nicht.
„Wir übernachteten immer bei einer Gastfamilie, doch am Morgen mussten wir zur Schule“, sagte die Schweizer U19-Mittelfeldspielerin Malin Gut, eine weitere Absolventin der Akademie.
„Manchmal trainierten wir einmal am Tag, manchmal zweimal. Wir aßen zusammen und nach der Mittagspause mussten wir wieder in die Schule. An manchen Tagen machten wir unsere Aufgaben unter Aufsicht und lernten alle zusammen. Abends aßen wir wieder gemeinsam.“
Langfristige Investition
Der Frauenfußball in der Schweiz wächst. 2015 qualifizierte sich das Land zum ersten Mal für eine FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft und erreichte in Kanada das Achtelfinale. Auch bei der UEFA Women‘s EURO im vergangenen Jahr in den Niederlanden gab die Schweiz ihren Einstand, wo sie eine beachtliche Leistung zeigte und die K.-o.-Phase nur knapp um einen Punkt verpasste.
„Wir hoffen, in den nächsten paar Jahren die Zahl von 30 000 Spielerinnen zu überschreiten“, so Gilliéron. „Wir konnten die Anzahl der Spielerinnen im Land bereits deutlich erhöhen und möchten nun noch einen Schritt weitergehen. Der beeindruckende Erfolg unserer Frauen-Nationalmannschaft in den letzten Jahren hat dazu beigetragen, die Beliebtheit des Frauenfußballs in der Schweiz zu steigern, und wird dies auch weiterhin tun.“
Der SFV hat auch intensiv in sein Juniorenprogramm investiert, jedoch auf der Grundlage eines leicht anderen Modells. Während die Juniorinnenentwicklung rund um die Swiss Women’s Football Academy aufgebaut ist, hat der SFV entschieden, das System für die Junioren zu dezentralisieren.
Das dreijährige Programm, das im Juli 2017 gestartet wurde, umfasst rund 540 Vollzeit-Juniorentrainer in acht Vereinen im ganzen Land. Die Vereine befolgen die Richtlinien und die Qualitätskriterien des Verbands; sie stehen unter Aufsicht des technischen Direktors des SFV und werden von diesem koordiniert.
„Die Kinder von heute sind unsere Zukunft“
Indem die talentiertesten jungen Spieler auf Spitzenvereine verteilt werden, erhofft man sich, dass sie auf höherem Niveau trainieren und spielen können als in einer zentralen Akademie. Auch dieses Programm wird teilweise über UEFA-HatTrick finanziert.
„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Nationalverbände weiter dabei unterstützen, den Breitenfußball auf dem Kontinent weiterzuentwickeln, indem finanzielle Mittel, Wissensaustausch und Ausbildung angeboten werden“, so UEFA-Präsident Aleksander Čeferin. „Die Kinder von heute sind unsere Zukunft und wir müssen möglichst gute Bedingungen schaffen, damit sie dem Fußball ein Leben lang verbunden bleiben, und ihnen helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.“
Seit der Einführung des HatTrick-Programms im Vorfeld der UEFA EURO 2004 hat die UEFA EUR 1,8 Mrd. in wichtige Infrastruktur und sportliche Unterstützung für ihre Nationalverbände investiert. Diese Zahl wird bis 2024 auf EUR 2,6 Mrd. ansteigen und HatTrick so zum größten Sportförderprogramm weltweit machen.
2004 stand im Vordergrund, Einnahmen aus der Europameisterschaft in das Wachstum und die Entwicklung des Fußballs zurückfließen zu lassen. Doch Geld ist nicht alles und deshalb wurde das HatTrick-Programm auf drei Säulen gestellt, die auch heute noch gelten: finanzielle Unterstützung, Wissensaustausch und Ausbildung.
Da die Finanzierung direkt aus der EM-Endrunde kommt, basiert das Programm auf Vierjahreszyklen. Bisher hat das UEFA-Exekutivkomitee den verfügbaren Betrag nach jeder Endrunde weiter angehoben.
Zurzeit verfügt jeder Nationalverband über einen Grundbetrag in Höhe von EUR 3,5 Mio. zur Fußballentwicklung auf allen Stufen anhand von Projekten, die von der UEFA-HatTrick-Kommission genehmigt werden müssen. Zudem erhalten die Verbände jährliche Solidaritätszahlungen von je bis zu EUR 1,9 Mio., wovon der Großteil dazu verwendet werden soll, die Teilnahme an Junioren-, Frauen- und Futsal-Wettbewerben zu erleichtern und zum Beispiel den Frauen- und Breitenfußball zu fördern. Der aktuelle HatTrick-Zyklus hat 2016 begonnen und läuft bis 2020.
Auch das nationale Trainingszentrum des Niederländischen Fußballverbands (KNVB) in Zeist wurde zum Teil aus HatTrick-Beiträgen finanziert. Dank der Unterstützung aus dem Programm wurden ferner nationale Trainingszentren in Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Portugal und Slowenien aufgebaut.
Die Schweiz und andere Mitgliedsverbände aus ganz Europa ernten die Früchte aus dem HatTrick-Programm, mit dem die UEFA ihrer Selbstverpflichtung nachkommt sicherzustellen, dass die Fußballentwicklung auf dem ganzen Kontinent eine Top-Priorität bleibt und junge Menschen optimale Voraussetzungen vorfinden, um ein möglichst hohes Niveau zu erreichen.