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UEFA•technician: Lagerbäck über den Trainerberuf

Trainerausbilder

Der Sprung der Isländer zur UEFA EURO 2016 war wohl eine der größten Überraschungen in der Qualifikation zur Endrunde in Frankreich. Trainer Lars Lagerbäck hat sich den Fragen von UEFA•technician gestellt.

Lars Lagerbäck hat Island erstmals zu einer EURO geführt
Lars Lagerbäck hat Island erstmals zu einer EURO geführt ©AFP/Getty Images

Der Sprung der Isländer zur UEFA EURO 2016 war wohl eine der größten Überraschungen in der Qualifikation zur Endrunde in Frankreich. Trainer Islands ist der erfahrene Schwede Lars Lagerbäck, der sich den Fragen von UEFA•technician, dem offiziellen Trainer-Magazin der UEFA, gestellt hat.

Lagerbäck trainiert seit 25 Jahren mit großem Erfolg Nationalmannschaften in aller Welt: neben Schweden hat er auch schon Nigeria und nun Island zu großen Endrunden geführt. Zudem ist es ihm ein großes Anliegen, den Trainerberuf ständig weiter zu entwickeln, deshalb versucht er in Zusammenarbeit mit dem UEFA Jira-Ausschuss, die Trainerausbildung zu verbessern.

Sein Umgang mit Spielern ist denkbar einfach. "Heute glaube ich (…), dass man so wenige Regeln wie möglich haben sollte. Die Spieler müssen unbedingt verstehen, dass sie Verantwortung für sich selbst übernehmen müssen, wenn sie gute Fußballer werden wollen. Denn als Trainer kann ich die Spieler weder auf noch neben dem Feld die ganze Zeit an der Hand führen. Deshalb sage ich meinen Spielern heute immer, dass sie Verantwortung für sich selbst übernehmen müssen, wenn sie 100% professionell sein wollen."

Lagerbäck weiß, dass nur gute Trainer später auch gute Spieler hervorbringen werden. "Die Qualität der Trainerausbildung ist wichtig für die Zukunft einer Sportart, in der es heute um viel Geld geht und großer Druck herrscht. Deshalb ist es wichtig, so viel Wissen wie möglich zu vermitteln und den Traineraspiranten das Gefühl zu geben, dass sie gut vorbereitet in den Job gehen."

In seinem Vorwort zur jüngsten Ausgabe von UEFA•technician schreibt Ioan Lupescu, der Technische Chef-Offizier der UEFA, über die enge Verbindung zwischen Trainer- und Jugendausbildung. "In der Nachwuchsförderung, das steht außer Zweifel, liegt der Schlüssel für die Zukunft des Fußballs. (…) Aber eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit kann nur auf dem Fundament einer optimalen Ausbildung durch hochqualifizierte Trainer entstehen – die wiederum von der Qualität der Trainerausbilder abhängt, bei denen Professionalität sowie die Fähigkeit, Menschen zu führen und Programme festzulegen, gefragt ist."

UEFA•technician hat sich auf dem jüngsten UEFA-Trainerausbildungs-Workshop in Bratislava umgehört und dabei erfahren, wie sehr die neu gestaltete UEFA-Trainer-Konvention mitgeholfen hat, die Standards der Trainerausbildung zu verbessern und damit auch die Glaubwürdigkeit des Trainerberufs und wie sie den Weg frei gemacht hat für eine freie Ortswahl qualifizierter Trainer in ganz Europa.

Präsentiert wurden diese Erkenntnisse von Julian North und David Piggott von der Leeds Beckett University in England. "Die Konvention hat bedeutende Auswirkungen auf die Qualität der Trainerausbildungssysteme, insbesondere in den durchschnittlich und weniger etablierten Nationalverbänden. Diese Systeme scheinen auch die Qualität der Trainerausbildung, des Coachings und der Spielerentwicklung zu verbessern."

Frank Ludolph, Chef der UEFA-Abteilung für Ausbildungen, betrachtet die Ergebnisse dieser Untersuchung als Basis für eine weitere Verbesserung der Konvention. "Eine davon ist die Ausbildung der Ausbilder. Nur wenige Verbände haben hierfür spezielle Programme, doch will man das Niveau der Trainerausbildung weiter anheben, so führt der Weg realistisch betrachtet über die Qualität der Trainerausbilder."

"Doch auch die Weiterbildung – oder kontinuierliche berufliche Entwicklung,  wie es in der freien Wirtschaft heißt – der Trainer selbst ist noch ausbaufähig. Fortbildungskurse können perfektioniert und Angebote für einzelne Fachgebiete geschaffen werden. In der neuen Konvention wird viel Wert auf realitätsnahes Lernen gelegt – ein weiterer Bereich, wo Begrifflichkeiten definiert und gemeinsam mit den Nationalverbänden die besten Wege zu einer wirkungsvollen Umsetzung der Idee gefunden werden müssen."

Im Rahmen seiner Berichterstattung vom Workshop in Bratislava setzt sich UEFA•technician auch mit der Meinung einiger Kursteilnehmer auseinander, wonach ein Trainer, der das UEFA Pro Level hat, deswegen noch lange kein geeigneter Kandidat für ein Jugendtraining sein muss. Dänemarks Technischer Direktor Peter Rudbæk sagte dazu: "Ein guter Trainer zu sein macht einen noch nicht zu einem guten Betreuer oder Ausbilder."

Jean-François Domergue, Chef der UEFA-Abteilung für die Entwicklung von Elite-Jugendspielern, meinte: "Das Ziel ist es, den Nationalverbänden hochwertige Entwicklungsprogramme für Nachwuchsspieler anzubieten, sodass sie ein Ausbildungsangebot schaffen können, in dem eine ausgewogene Mischung an erzieherischen Werten, klassischen Unterrichtsfächern und Sport vermittelt wird."

Zu guter Letzt würdigte die jüngste Ausgabe des UEFA•technician auch alle Trainer von Klubs oder Nationalmannschaften, die 2015 in UEFA-Wettbewerben Endspiele erreicht haben.

UEFA•technician ist ein faszinierendes Fenster, um einen Blick auf den Trainerberuf in Europa zu werfen, erhältlich ist das Magazin auf Englisch, Französisch und Deutsch.

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