Sommer träumt vom dritten Platz
Donnerstag, 7. Mai 2015
Artikel-Zusammenfassung
Als Nachfolger von Marc-André ter Stegen trat Yann Sommer vor dieser Saison ein schweres Erbe bei Borussia Mönchengladbach an, doch der Schweizer Nationalkeeper löste diese Aufgabe exzellent.
Top-Medien-Inhalte des Artikels
Artikel-Aufbau
Yann Sommer trat beim VfL Borussia Mönchengladbach in die riesigen Fußstapfen eines Marc-André ter Stegen. Längst gilt der Schweizer als einer der besten Torhüter der Liga und als Garant für aktuelle und künftige Erfolge der Borussia. UEFA.com-Reporter Niklas Engemann hat sich mit Sommer unterhalten.
UEFA.com: Sie sind jetzt fast ein Jahr hier in Gladbach. Mal abgesehen von dem unglücklichen Pokal-Aus in Bielefeld, läuft es doch wirklich ausgezeichnet. Was hat Ihnen am meisten geholfen, sich hier so schnell einzuleben?
Yann Sommer: Der ganze Klub hat mir sehr geholfen. Mit Granit Xhaka habe ich einen Spieler in der Mannschaft angetroffen, den ich schon kannte. Was mir auch viel gebracht hat: Es war ein Schweizer Trainer hier, der eine ähnliche Mentalität hat. Dann der ganze Klub; alle haben mich sehr herzlich empfangen. Das hat natürlich sehr geholfen, dass ich mich schnell eingelebt habe.
UEFA.com: Ist der Unterschied zwischen der deutschen Bundesliga und der ersten Schweizer Liga vielleicht doch nicht so groß wie viele glauben?
Sommer: Ich mache nicht gerne Vergleiche zwischen der Schweiz und Deutschland. Das Niveau der Bundesliga ist sehr hoch, das Drumherum ist riesig und alles ist sehr gut vermarktet. Es gibt sehr viele gute Einzelspieler. Die gibt es in der Schweiz auch, aber da ist alles ein bisschen kleiner. Ich habe mich auch so gut eingefunden, weil es bei der Mannschaft einfach sehr gut läuft und sie mir auf dem Platz viel geholfen hat.
UEFA.com: Der FC Bayern ist in Deutschland der Klassenprimus. Im Hinspiel schaffte die Borussia ein 0:0, dann sogar einen 2:0-Sieg im Rückspiel. Wie kann man die Entwicklung der Mannschaft zwischen diesen beiden Spielen beschreiben?
Sommer: Ich glaube, wir sind von Spiel zu Spiel reifer geworden. Bayern ist dieses Jahr einmal mehr eine riesen Mannschaft. Trotzdem haben wir zwar Respekt gehabt, aber nicht zu viel. Wir haben uns zugetraut, dass wir auch in München etwas holen können. Wir haben gesehen, dass wir, wenn wir einen guten Tag erwischen, zu viel fähig sind. Das ist der Punkt; dass wir diese Gedanken haben, zeigt, dass wir Fortschritte gemacht haben, reifer geworden sind und noch mehr an uns glauben, als am Anfang. Das ist auch ganz normal. Am Anfang kommt die Mannschaft ein bisschen zusammengewürfelt in eine neue Meisterschaft und bis man sich gefunden hat, braucht es Zeit. Ich glaube, das haben wir jetzt gemacht. Wir trauen uns viel zu.
UEFA.com: Mit Gladbach winkt die Qualifikation für die Champions League. Ist es langfristig Ihr Ziel, sich mit den Besten der Welt zu messen?
Sommer: Wir haben uns noch nicht groß mit der Champions League befasst, weil das ein gefährlicher Gedanke ist. Den vierten Platz haben wir zwar sicher, aber dann kommt die Qualifikation, da kann ein riesen Gegner kommen. Da kann man in zwei Spielen rausfliegen und dann hat man nichts von der Champions League. Wir wollen unbedingt den dritten Platz behalten, damit wir direkt drin sind. Da die Borussia in den letzten zwei Jahren immer wieder oben mit dabei war, ist es natürlich ein Ziel, hier internationale Spiele zu erleben. Auch als Geschenk für die Fans.
UEFA.com: Bei einem Vereinswechsel gilt es als Spieler anfänglich auch, sich mit dem Fanlager des neuen Vereins ein Stück weit anzufreunden. Eine gute Möglichkeit mit den Gladbacher Anhängern in Kontakt zu treten, sind die sozialen Medien. Wie wichtig ist Ihnen dieser Kontakt?
Sommer: Das ist mir schon wichtig. Ich habe mich dazu entschieden, dass ich bei Facebook, Instagram und Twitter eine Fanpage mache, weil es heutzutage dazugehört. Man kann selbst wählen, wie viel man dort reinstellt und von seinem Privatleben preisgibt. Es ist wichtig, damit die Fans auch mitbekommen, wie der Spieler so lebt. Was ist das für ein Typ? Das haben sie sich auch verdient, sie kommen jedes Wochenende ins Stadion und unterstützen einen. Das ist das Zusammenleben mit den Fans. Direkt, hier auf dem Platz und im Stadion, aber auch die sozialen Medien sind heutzutage ganz wichtig.
UEFA.com: Sehen Sie auch Nachteile der einzelnen Netzwerke?
Sommer: Eigentlich nicht, privat bin ich kaum aktiv. Am einfachsten ist Instagram, es läuft halt einfach alles über Fotos. Es wird nicht viel geschrieben, dadurch auch nicht viel gelesen, aber die Leute freuen sich einfach über Fotos, was man gerade macht oder falls man mal essen ist.
UEFA.com: Sie folgen bei Twitter Torhütern wie Casillas, Buffon und Courtois. Warum? Wollen Sie schauen, was die so twittern oder kann man sich da auch Tipps holen.
Sommer: Nein, ich folge einigen Leuten einfach, um zu sehen, was die so machen. Tipps kann man sich nicht holen, die geben ja auch nicht alles preis. Die machen das auch für die Fans. Wenn ich jemandem folge, bin ich auch ein Fan.
UEFA.com: Als Schweizer Nationaltorwart haben Sie sowohl deutsch- als auch italienisch- und französischsprachige Fans. Liegt es deshalb nicht auf der Hand, in Zukunft in diesen Sprachen oder auch in Schwizerdütsch in den sozialen Netzwerken aufzutreten?
Sommer: Eigentlich nicht, in der Schweiz versteht man ja auch Hochdeutsch. Deshalb ist es so einfacher, man kann im Prinzip beide Länder bedienen. Sonst ist man ja ein Dolmetscher [lacht]. Am einfachsten ist es auf Englisch oder Deutsch, das verstehen viele.