Vom Knast in die Bundesliga
Montag, 18. August 2014
Artikel-Zusammenfassung
2011 wurde Süleyman Koç wegen der Beteiligung an mehreren Raubüberfällen zu einer fast vierjährigen Haftstrafe verurteilt, doch in einigen Tagen wird der Deutsch-Türke mit dem SC Paderborn sein Bundesliga-Debüt feiern.
Top-Medien-Inhalte des Artikels
Artikel-Aufbau
"Heute bin ich ein Vorbild, früher war ich ein Vollidiot." Wohl keinem Fußballer möchte man bei diesem Satz so zustimmen wie Süleyman Koç. Der in Berlin geborene Deutsch-Türke war drauf und dran, im Profifußball Fuß zu fassen, als er im April 2011 wegen seiner Beteiligung an sieben Raubüberfällen verhaftet und zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde. Doch am nächsten Sonntag wird der 25-Jährige mit dem SC Paderborn 07 beim 1. FSV Mainz 05 sein Bundesligadebüt feiern.
"Das Wichtigste ist nie aufzugeben. Das hab ich im Gefängnis gelernt. Man darf seine Träume und Ziele nicht aus den Augen verlieren", erklärt Koç heute. "Und ich bin ich ruhiger geworden und hab mehr Disziplin. Das hilft mir sehr in meinem Leben und auf dem Fußballplatz." Koç hatte Glück im Unglück, schnell war vor Gericht klar geworden, dass er als Fahrer des Fluchtwagens nur Mitläufer war. Aufgrund seiner günstigen Sozialprognose wurde er rasch zum Freigänger und nach elf Monaten auf Bewährung entlassen.
Der Berliner Drittligist SV Babelsberg 03, bei dem er vor seiner Verhaftung gekickt hatte, gab ihm eine neue Chance und Koç nutzte sie eindrucksvoll. Schnell wurde man beim damaligen Zweitligisten SC Paderborn auf ihn aufmerksam und verpflichtete ihn zur Rückrunde 2013/14. Nicht zuletzt dank seiner Tore und starken Auftritte in der Schlussphase der letzten Saison schafften die Ostwestfalen sensationellerweise den Sprung in die Bundesliga.
"Ich hatte viel gutzumachen", versucht Koç seinen enormen Leistungssprung zu erklären, "deswegen habe ich mir immer gesagt: du musst, du musst. Ich wollte mich mit guten Leistungen für meine Dummheit entschuldigen. Ich wollte das machen für die Leute, die von mir enttäuscht waren und die sich für mich eingesetzt haben."
Dies ist ihm auf eindrucksvolle Art und Weise geglückt und auch Trainer André Breitenreiter schwärmt inzwischen von seinem dynamischen Mittelfeldspieler: "Sülo ist wegen seiner Schnelligkeit und Abschlussstärke eine Waffe. Auch wenn‘s noch Dinge zu verbessern gibt."
Das weiß auch Koç, der verspricht: "Ich muss mir alles hart erarbeiten. Aber ich weiß, dass ich noch Luft nach oben habe. Für mich geht‘s ausschließlich nach vorn. Ich will viele Tore vorbereiten und selbst möglichst ab und zu treffen."
Dies gelang ihm schon in der ersten DFB-Pokal-Runde bei RB Leipzig mit einem sehenswerten Fernschuss, auch wenn Paderborn am Ende als Verlierer den Platz verließ. Sportlich scheint Koç also auf dem richtigen Weg, privat ist er es schon seit längerer Zeit. So besuchte er vor einiger Zeit in Zusammenarbeit mit der Sepp-Herberger-Stiftung des DFB die Jugendstrafanstalt Plötzensee und berichtete dort von seiner Geschichte.
"Ich hoffe, dass viele der jugendlichen Insassen sich mehr Gedanken machen, wie es nach der Haftstrafe weitergehen kann. Sie dürfen ihre Ziele und Träume einfach nicht aus den Augen verlieren. Ich hoffe sie haben jetzt noch mehr Motivation auch nach der Strafe sauber zu bleiben und zu kämpfen für die Zeit danach."
Sollten sie sich dabei Süleyman Koç zum Vorbild nehmen, wären sie sicher auf dem richtigen Weg.