Paderborn im Bundesligarausch
Montag, 12. Mai 2014
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Der Aufstieg des SC Paderborn in die Bundesliga ist sicher eine der größten Überraschungen in der Geschichte der deutschen Eliteliga, doch kommt nach dem Rausch bekanntlich oft der Kater...
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Vor zwei Jahren sorgte der schwedische Roman Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg … in Europa für Furore, nun gibt es eine deutsche Version dieses Bestsellers mit dem Titel Der Hundertsiebenjährige, der aus der 2. Liga aufstieg …
Denn 1907 wurde Arminia Neuhaus gegründet, einer der vier Klubs, der als Vorläufer des heutigen SC Paderborn 07 e.V gilt. Und just dieser rüstige SCP sorgte am Sonntag mit dem ersten Aufstieg in die Bundesliga für eine der größten Überraschungen der jüngeren Fußballgeschichte.
"Das ist unfassbar. Im Fußball ist alles möglich, doch das ist eine Sensation", meinte nach dem alles entscheidenden 2:1-Sieg gegen VfR Aalen Routinier Markus Krösche, der seine Karriere nach 194 Zweitliga-Spielen beenden wird.
Selbst der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker zeigte sich perplex: "Als Theologe bin ich mit der Verwendung des Begriffs 'Wunder' etwas vorsichtig, aber der Aufstieg des SC Paderborn in die Bundesliga ist schon etwas, das man zumindest als 'Fußballwunder' bezeichnen kann."
Wirklich niemand hatte die Kicker der 145.000-Einwohner-Stadt, einhundert Kilometer östlich von Dortmund gelegen, auf dem Zettel, als vor dieser Zweitligasaison die üblichen Aufstiegsverdächtigen gesucht wurden und der Verlauf der nächsten Wochen schien dies zu bestätigen. Nach neun Spieltagen hatten die Paderborner, deren 6-Millionen-Etat zu den kleinesten der Liga gehörte, als Tabellen-16. lediglich neun Zähler auf dem Konto, in der Winterpause lagen sie auf Platz neun.
Doch was folgte, kann rund um Paderborn wohl noch keiner so recht begreifen, mit 12 Siegen in 17 Spielen hängte man die namhafte Konkurrenz aus Kaiserslautern, Düsseldorf oder Fürth ab und muss nun plötzlich für die die Partien gegen den FC Bayern München oder Borussia Dortmund planen.
"Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, weil das dieser Mannschaft keiner zugetraut hat", strahlte Coach André Breitenreiter, nachdem der Aufstieg perfekt war. Der 40-Jährige, der 1992 als Spieler mit dem damaligen Zweitligisten Hannover 96 den DFB-Pokal gewonnen hat, übernahm Paderborn erst vor dieser Saison und gilt als Vater des Erfolges.
"Ich bin unglaublich stolz, Trainer dieser Jungs zu sein", so Breitenreiter, der einst in der Bundesliga für den Hamburger SV, den VfL Wolfsburg und die SpVgg Unterhaching 144 Spiele bestritt. "Heute sollten wir die Chance nutzen, um alle Biersorten in Paderborn wegzutrinken", gab er als Motto aus.
Zum garantiert folgenden Kater wird womöglich auch Breitenreiter seinen Teil beitragen, denn viele gehen davon aus, dass der Shootingstar der deutschen Trainergilde in der kommenden Saison bei Eintracht Frankfurt oder dem 1. FSV Mainz 05 auf der Bank sitzen wird und nicht in Paderborn.
Zudem plant der 53. Klub in der Geschichte der Bundesliga für das Oberhaus mit einem Mini-Etat von 15 Millionen Euro, eine im Vergleich zur Konkurrenz geradezu lächerliche Summe, die wenig Spielraum für die sicher benötigen Verstärkungen lässt.
Während Jonas Jonassons Hundertjähriger mit dem erwarteten Happyend aufwartet, kann man Paderborn also nur die Daumen drücken, dass das erwartete Unhappy End ausbleibt, aber das wäre dann schon das nächste Fußballwunder.