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Dino in höchster Gefahr

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Vier Trainer und einen "Geistheiler" hat der Hamburger SV in dieser Saison schon verschlissen, trotzdem droht dem Bundesliga-Dino am nächsten Samstag der erste Abstieg seiner Geschichte.

Hamburgs Hakan Çalhanoğlu träumt von besseren Zeiten
Hamburgs Hakan Çalhanoğlu träumt von besseren Zeiten ©Getty Images

"Ich wünsche Hamburg das Beste für die nächste Woche, dass sie die Relegation erreichen. Ein Verein mit dieser Geschichte gehört in die Bundesliga." FC Bayern Münchens Trainer Josep Guardiola sprach nach dem 4:1-Sieg seiner Mannschaft am Samstag beim Hamburger SV fast der ganzen Bundesliga aus dem Herzen. Doch bei aller Sympathie für den "Bundesliga-Dino" bleibt die Tatsache, dass der HSV nach 51 Jahren in der obersten Spielklasse vor dem ersten Abstieg seiner Klubgeschichte steht.

Derzeit liegt der Traditionsklub aus dem hohen Norden auf Platz 16, dem Platz, der zu zwei Entscheidungsspielen gegen den Dritten der 2. Liga berechtigt. Aber schon einen Zähler dahinter lauert der 1. FC Nürnberg, auch Schlusslicht Eintracht Braunschweig ist bei zwei Punkten Rückstand noch nicht aus dem Rennen.

Für Hamburg, den einzigen Klub, der von der ersten Bundesligasaison an in der bel ètage des Fußballs mitkickt, wäre der Abstieg der Tiefpunkt einer Entwicklung, die sich seit Jahren angedeutet und in dieser Saison rasant Tempo aufgenommen hat. 2008/09 und 2009/10 stand der sechsmalige deutsche Meister noch im Halbfinale des UEFA-Pokals bzw. der UEFA Europa League, doch dann ging es steil bergab.

In dieser Spielzeit wurden mit Thorsten Fink, Rodolfo Cardoso und Bert van Marwijk gleich drei Trainer verschlissen, ehe im Februar Mirko Slomka als Retter angeheuert wurde. Doch auch er konnte das Ruder trotz eines viel umjubelten 3:0-Auftaktsieges gegen Borussia Dortmund nicht mehr herumreißen, in den folgenden elf Spielen gelangen unter seiner Führung gerade mal zwei Siege.

Keiner kann dem HSV vorwerfen, nicht alles versucht zu haben, kurz vor dem Saisonende engagierte man sogar einen 54-Jährigen, der sich selbst auf seiner Webseite als "Bio-Energetiker und metaphysischer Geistheiler" verkauft. Mittelfeldspieler Tolgay Arslan erklärte dessen, von Hamburger Boulevardzeitungen heftig verspottete, Tätigkeit mit den Worten: "Er schickt dir positive Energie und hypnotisiert dich, er macht dich ruhig und unternimmt Gedankenreisen."

Vielleicht ist der eine oder andere Spieler ja inzwischen gedanklich schon mal nach Aue, Sandhausen oder Aalen gereist, denn dort könnte der HSV in der kommenden Zweitligasaison gastieren. 20 Niederlagen hat der Klub mittlerweile auf dem Konto und nur dank der Schwäche der Konkurrenz aus Nürnberg (zuletzt sechs Niederlagen in Folge) und Braunschweig (vier) hat der Gewinner des Pokals der europäischen Meistervereine von 1983 noch eine Chance auf die Relegationsspiele.

Und um die zu nutzen, etikettiert Slomka sogar die Pleite vom Wochenende gegen die Bayern als Wende zum Besseren. "Wir haben den unbändigen Willen gezeigt, die Relegation zu erreichen. In der kommenden Woche haben nun alle drei Teams schwere Auswärtsspiele, aber wir haben es weiter in eigener Hand, die Relegation zu erreichen. Wir können heute viel Positives mitnehmen. Wir haben weiterhin die Chance - das ist das, was zählt."

Und Jungstar Hakan Çalhanoğlu, die einzige positive Überraschung dieser verkorksten Saison, legte nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der Konkurrenz sogar noch einen drauf: "Jetzt haben wir [am Samstag beim 1. FSV Mainz 05] ein Finale, das ist für mich wie Champions League. Alles so, wie wir es uns gewünscht haben."

Das nennt man dann wohl positives Denken, vielleicht trägt die Arbeit mit dem "Geistheiler" ja doch schon erste Früchte.