Die Wölfe beißen wieder
Montag, 20. Januar 2014
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Nach vier mageren Jahren sorgt der VfL Wolfsburg in dieser Saison auch sportlich wieder für Schlagzeilen, mit Neuzugang Kevin de Bruyne peilen die Wölfe nun sogar ein Comeback in der UEFA Champions League an.
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"Dass Wolfsburg eine richtige Macht werden kann, ist allen klar. Wenn VW richtig die Dose öffnet, wird's für alle anderen ungemütlich." Kein Geringerer als Jürgen Klopp drückte dieser Tage auf seine gewohnt flapsige Art aus, was inzwischen fast die gesamte Bundesliga denkt – der VfL Wolfsburg könnte schon sehr bald zum Bayern-Jäger Nummer eins avancieren …
Geld hatte der Sensationsmeister von 2009 schon immer dank der großzügigen Unterstützung von Volkswagen mehr als genug, doch erst seit wenigen Monaten scheint der Klub unter Manager Klaus Allofs und dem vom 1. FC Nürnberg geholten Trainer Dieter Hecking zu wissen, wie man es richtig anlegt. Den 18 Millionen für Luiz Gustavo vom FC Bayern München vor dieser Saison folgten nun gut 20 Millionen für Kevin de Bruyne, der nach seinem glücklosen Intermezzo bei Chelsea FC in die Bundesliga zurückgeholt wurde, nachdem er ja zuvor schon ein Jahr bei Werder Bremen mit zehn Toren und neun Vorlagen geglänzt hatte – unter den Augen des damaligen Bremer Sportchefs Klaus Allofs.
Der wehrt sich jetzt allerdings mit Händen und Füßen gegen den Ruf, der Dagobert Duck der Bundesliga zu sein. "Natürlich haben wir gute Voraussetzungen, doch auch wir können nicht einfach in die Schatulle greifen. Auch bei uns gibt es Vorgaben, die wir einhalten müssen", so der Ex-Profi, der zusammen mit Hecking für die beste Vorrunde der Klubgeschichte verantwortlich zeichnete – nach neun Spielen ohne Niederlage liegen die Wölfe als Fünfter derzeit nur drei Punkte hinter dem VfL Borussia Mönchengladbach und damit der direkten Qualifikation zur UEFA Champions League.
Dort durfte Wolfsburg nach dem Titelgewinn von 2009, als man unter anderem dank des kongenialen Stürmerduos Grafite und Edin Džeko den FC Bayern mit 5:1 aus dem Stadion pustete, schon einmal ran, allerdings mit wenig Erfolg. Nach der Gruppenphase war schon Schluss, es folgten bittere Jahre, in denen die Niedersachsen mehr Spieler als Punkte sammelten und vier Mal in Folge dem Abstieg meist näher waren als dem internationalem Geschäft.
Doch seit Allofs und Hecking das Sagen haben, nötigt der VfL der Konkurrenz auch wieder Respekt ab. So meint nicht nur Bayer 04 Leverkusens Sportchef Rudi Völler, "Wolfsburg ist schwer im Kommen", und Eintracht Frankfurts Manager Bruno Hübner erkennt neidvoll an: "Was die jetzige sportliche Leitung da macht, hat Hand und Fuß."
Doch gemach, gemach, hebt da Allofs beschwichtigend die Hand: "Mir geht das etwas zu schnell. Vor einem Jahr hat der VfL noch gegen den Abstieg gespielt, jetzt sollen wir Bayern und Dortmund angreifen - genau diese Sprünge zwischen den Extremen wollen wir nicht", so der ehemalige Nationalspieler, der zu Recht darauf verweisen kann, dass nicht nur die Wolfsburger Einkaufspolitik für Furore sorgt, sondern auch die Nachwuchsarbeit. So holte vor wenigen Monaten die U19 der Wölfe souverän den deutschen Meistertitel an den Mittellandkanal.
Einer der wichtigsten Spieler dieses Teams war der heute 19-jährige Maximilian Arnold, der in der Bundesliga inzwischen im Mittelfeld mit großartigen Leistungen und fünf Toren sogar Spielmacher Diego den Rang abgelaufen hat. Momentan deutet jedenfalls so einiges darauf hin, dass in der kommenden Saison die Königsklasse wieder in der Wolfsburger Arena gastieren könnte – wie man sich da schlägt, hat übrigens das Frauenteam der Wölfe eindrucksvoll demonstriert und vor wenigen Monaten die UEFA Women's Champions League gewonnen.