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Wider die Tristesse

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Einst gehörte der 1. FC Saarbrücken zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga, jetzt bringt das Achtelfinale im Pokal am Dienstag gegen den BVB Glanz in den grauen Alltag.

In der 1. Runde schaltete Saarbrücken Werder Bremen aus
In der 1. Runde schaltete Saarbrücken Werder Bremen aus ©Getty Images

Lang ist sie her, die Blütezeit des 1. FC Saarbrücken. Nicht viele wissen, dass der Hauptstadtklub aus Deutschlands kleinstem Flächenbundesland 1963 sogar zu den 16 Gründungsmitgliedern gehörte und davor zweimal deutscher Vizemeister wurde. Gleich in der Premierensaison der Bundesliga stieg man jedoch als Tabellenletzter ab und setzte mit der kurzzeitigen Rückkehr für jeweils ein bis zwei Spielzeiten in den 1970ern, 80ern und 90ern Glanzlichter der Vereinsgeschichte. Die Gegenwart ist eher trist: 2007 stürzte man erstmals gar in die Fünftklassigkeit ab, seitdem hat man sich immerhin wieder bis in die 3. Liga vorgearbeitet, ziert dort aber den vorletzten Platz.

Nicht umsonst heißt das Motto des Vereins "Liebe kennt keine Liga" – das versteht man dann auf saarländisch wohl unter "Aus der Not eine Tugend machen". Die Fans aber sehen das genauso – am Wochenende kamen bei der 2:3-Niederlage gegen RB Leipzig 11 000 Zuschauer ins altehrwürdige Ludwigsparkstadion (Fassungsvermögen: 35 000), im Schnitt finden 5 600 Anhänger den Weg zum 1. FC Saarbrücken. Noch ein kleines bisschen voller dürfte es am Dienstagabend werden, denn dann kommt im Achtelfinale des DFB-Pokals Vizemeister Borussia Dortmund zu Besuch. Das 3:1 nach Verlängerung in der 1. Runde gegen den SV Werder Bremen wollten 15 000 Zuschauer sehen. Nachdem man in der 2. Runde auch den Zweitligisten SC Paderborn 07 (2:1) aus dem Wege räumte und als Belohnung den BVB zugelost bekam, meldete der Ludwigspark erstmals seit dem letzten Jahr, als man in der 1. Runde dem FC Schalke 04 mit 0:5 unterlag, wieder ausverkauftes Haus.  "Es ist eine große Bühne, auf der wir uns präsentieren können. Das haben sich die Jungs erarbeitet", sagte Saarbrückens Trainer Milan Šašić. "Ich freue mich auch für alle Fußballfans in Saarbrücken und unserer Region, dass sie in unserem Stadion so ein Spiel erleben können."

Die Hinrunde ist noch nicht gelaufen, doch der Verein hat bereits eine Zäsur hinter sich. Als erweiterter Kandidat für den Aufstieg gestartet erlaubten sich die Blau-Schwarzen katastrophale Ergebnisse, was Mitte September in der Demission von Trainer Jürgen Luginger und der Installation von Šašić (ehemals MSV Duisburg und 1. FC Kaiserslautern) resultierte. Der Kroate krempelte den Kader um, änderte den Mitarbeiterstab, verbannte einen Teil der Spieler zu den Amateuren und bekam aufgrund der bisherigen Pokalerfolge Mittel für Wintertransfers zugesagt. In der 3. Liga glänzt seine Mannschaft aktuell vor allem durch ihre gute Moral, weniger aber durch Spielkunst. Den letzten Nackenschlag gab es vor kurzem mit dem Ausscheiden im Achtelfinale des Landespokals gegen einen Sechstligisten. Saarbrücken kann Pokalüberraschung also auch andersherum.

Nun aber steht das Highlight gegen die Truppe von Jürgen Klopp an, und wenn Šašić an die Schwarz-Gelben denkt, gerät er ins Schwärmen: "Dortmund ist eine der besten Mannschaften Europas und das bedeutet zugleich der Welt. Über die Aufteilung der Rollen muss man nicht diskutieren, die Kräfteverhältnisse sind klar. Jürgen Luginger darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Er hat es geschafft mit der Mannschaft in den DFB-Pokal einzuziehen und gegen Bremen zu gewinnen." Auf die üblichen Floskeln verzichtete der 55-Jährige und meinte: "Wir gehen ganz sachlich an die Sache heran. Wir wollen uns als Einheit, als Mannschaft präsentieren und zeigen, dass wir auch Fußball spielen können." Selbstvertrauen für die Liga könnte man sich mit einem guten Resultat wohl auch selbst bei einem Ausscheiden holen.

Klopp dagegen beschäftigt sich weniger mit dem Gegner als vielmehr mit seiner eigenen Mannschaft. "Wir sind nett genug, uns auf das Niveau des Gegners runterzuverletzten, so dass es ein ausgeglichener Wettbewerb wird", sagte der BVB-Coach mit gewohnt lockerer Zunge. "Hinzu kommt, dass zwei Drittligisten keine Rasenheizung besitzen: unsere U23 – und Saarbrücken. Ich hoffe, dass es nicht allzu kalt und dadurch noch schwieriger wird. Man soll uns in diesem Spiel zeitnah ansehen, dass wir in die nächste Runde wollen. Das wird jedenfalls keine leichte Aufgabe." Angesichts der Tatsache, dass auf den BVB schwere Spiele gegen Bayer 04 Leverkusen und das "Endspiel" in der UEFA Champions League gegen Olympique de Marseille warten, könnte es in der Tat ein spannender Abend werden – vielleicht bebt der Ludwigspark erneut.

Außerdem spielen am Dienstag
1. FC Union Berlin – 1. FC Kaiserslautern
Hamburger SV – 1. FC Köln
FC Schalke 04 – TSG 1899 Hoffenheim

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