Aufstand im Sherwood Forest
Donnerstag, 8. August 2013
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Auf die Frage nach dem nächsten deutschen Meister gab es zuletzt nur zwei Antworten: Bayern oder München. Doch plötzlich regt sich Widerstand in der höchsten deutschen Spielklasse.
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In Deutschland geht die Angst um, nicht etwa vor der 35. Auflage der Vogelgrippe, auch nicht vor den Abhöraktionen der NSA oder dem wirtschaftlichen Zusammenbruch Griechenlands, sondern vor einem weiteren Alleingang des FC Bayern München in der 51. Bundesligasaison.
25 Punkte betrug der Vorsprung der Bayern vor Borussia Dortmund in der letzten Spielzeit und damit es diesmal nicht wieder so spannend wird, engagierten die Münchner unter anderem die Herren Pep Guardiola, Mario Götze und Thiago Alcántara. Ist der Titel diesmal also schon nach dem 13. Spieltag vergeben, holen die Bayern alle möglichen 102 Punkte und fällt endlich die magische 250-Tore-Marke?
Nein, donnert es da aus dem Sherwood Forest in der Nähe Dortmunds. Ein blonder Hüne mit Sechstagebart, modischer Brille und gelb-schwarzer Strumpfhose, hebt gebieterisch die Hand:
"Wir haben Pfeil und Bogen. Und wenn wir genau zielen, können wir treffen. Nur die Bayern haben - gefühlt - eine Bazooka. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie treffen werden, ist also deutlich größer. Dennoch soll Robin Hood sehr erfolgreich gewesen sein", erläuterte BVB-Coach Jürgen Klopp jüngst in einem Interview mit der Welt am Sonntag seine Taktik für 2013/14.
Und zu erfolgreichen Beutezügen - wie im Duell um den deutschen Superpokal schon gelungen - will nicht nur Klopp mit seinen Mannen aufbrechen. Auch im nicht weit entfernten Ruhrgebiet Forest erhebt sich eine kleine königsblau gekleidete Schar von tapferen Rebellen, angeführt von einem Jungspund namens Julian Draxler.
"Wir jagen die Bayern wie Spiderman. Wir spannen ein Netz, um die Mannschaften abzufangen. Die Bayern werden keine Probleme haben, unser kleines Netz mit der Bazooka zu durchtrennen. Die Dortmunder haben Pfeile, die das Netz unglücklich treffen könnten. Genauso gut kann es sein, dass wir so konkurrenzfähig sind, dass weder Bazooka noch Pfeile gegen uns helfen", so Draxler, der bei diesem Unterfangen freilich auf wenig Unterstützung von anderen Bundesligisten bauen kann.
Bayer 04 Leverkusen wäre überglücklich, seinem (übrigens rechtlich geschützten) Namen "Vizekusen" ein weiteres Kapitel hinzufügen zu können, Robin Dutt ist offensichtlich weder verwandt noch verschwägert mit Robin Hood und möchte mit Werder Bremen nur heil den Sherwood Forest verlassen, sprich den Abstieg vermeiden. Und Thorsten Lieberknecht, Trainer von Aufsteiger Eintracht Braunschweig, hat offenbar auch keine Lust auf grüne Strumpfhosen und antwortete auf die Frage, wer in dieser Saison für eine Überraschung sorgen könnte, lapidar mit "Wir sicher nicht".
Bei so viel Feigheit vor dem Feind wundert es nicht, dass der "Bazooka-Träger" immer gefräßiger wird, ein französischer Gehilfe des Sheriffs von Nottingham namens Franck Ribéry erklärte dreist: "An erster Stelle wollen wir wieder Deutscher Meister werden. Das ist unsere Priorität, um noch einmal zu zeigen, wer Deutschlands Nummer eins ist."
Immerhin 16 von 18 Bundesligatrainer sind der festen Überzeugung, dass die Geschichte von Robin Hood am Ende dieser Saison neu geschrieben werden muss, denn dem tapferen Rächer der Enterbten aus Dortmund und dem frechen Spiderman aus Schalke traut kaum einer zu, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen.