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Japan-Boom in der Bundesliga

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Sushi, Elektronik oder Manga-Comics sind typische japanische Exportschlager. Doch mittlerweile erfreuen sich vor allem Nippons Kicker immer größerer Beliebtheit in der Bundesliga.

Japanische Exportschlager nun auch in der Bundesliga
Japanische Exportschlager nun auch in der Bundesliga ©Getty Images

Japaner in der Bundesliga - das ist nun keine ganz neue Entwicklung. Angefangen hat das Ganze mal 1977 mit Yasuhiko Okudera, der als Außenstürmer für den 1. FC Köln und den SV Werder Bremen in 234 Bundesligaspielen 26 Tore machte. So mit der Jahrtausendwende nahm die Zahl der Asiaten in den europäischen Ligen sprunghaft zu - gleichzeitig weiteten die Klubs ihre Vermarktung auf dem asiatischen Markt aus. Neu ist aber etwas ganz Anderes: Dass die japanischen Spieler in ihren Mannschaften zu Leistungsträgern mutiert sind. Weltweit bekannt und auch unter Deutschlands fußballverrückter Jugend populär ist der Fußball-Comic "Captain Tsubasa" - aber erst jetzt gibt es auch japanische Spieler im Land des dreifachen Weltmeisters, die ähnlich erfolgreich (wenn auch nicht ganz so akrobatisch) kicken wie Tsubasa.  

Zwar wurde Makoto Hasebe 2009 in seiner ersten vollen Bundesliga-Saison mit dem VfL Wolfsburg gleich Meister, aber als Spitzenfußballer gelten Japaner hierzulande erst seit Shinji Kagawa - dem Zweifach-Meister mit Borussia Dortmund, der nun in den Diensten von Manchester United FC steht. Der quirlige und torgefährliche Offensivspieler war die Schaltzentrale im Angriffsspiel der Schwarz-Gelben. "Was Kagawa geschafft hat, wollen sie auch erreichen. Europa, gerade Deutschland, ist für sie eine verlockende Herausforderung. Sie kommen mit viel Selbstbewusstsein und wollen sich durchzusetzen", sagt Guido Buchwald, der einst als Trainer Pokalsieger und Meister in Japan wurde.

Zehn Japaner haben mittlerweile den Weg in die Kader von Deutschlands Eliteklasse gefunden, Hiroki Sakai kickt mit Hannover 96 etwa in der UEFA Europa League ebenso wie der VfB Stuttgart, der als einziger Verein mit Gotoku Sakai und Shinji Okazaki gleich zwei Spieler aus dem Land der aufgehenden Sonne unter Vertrag hat. Und Atsuto Uchida ist beim FC Schalke 04 sogar in der UEFA Champions League unterwegs, wo er 2011 im Halbfinale beide Spiele gegen Manchester United FC bestritt. Doch die großen Schlagzeilen schreiben in der Bundesliga zurzeit zwei andere Japaner.

Der 1. FC Nürnberg verpflichtete vor dieser Saison Hiroshi Kiyotake vom Kagawa-Club Cerezo Osaka und der 22-Jährige schlug gleich richtig ein. Ein Tor und vier Vorlagen stehen nach fünf Ligaspielen auf seinem Konto und der Mittelfeldspieler, der einst von Osaka als Kagawa-Nachfolger geholt wurde, machte gleich mal richtig auf sich aufmerksam. "Ich konzentriere mich am besten auf mich selbst, bin einfach ich. Ich kenne diese Situation, als ich Shinji Kagawa in Osaka beerbt habe. Es gab eine große Erwartungshaltung und viel Druck", so Kiyotake.

Seine Bewegungen, schnellen Haken und Drehungen erinnern ebenso an Kagawa wie Takashi Inui bei Eintracht Frankfurt. Drei Tore und fünf Vorlagen kann der 24-jährige Mittelfeldspieler für die Überraschungsmannschaft vom Main schon aufweisen, womit er einer der erfolgreichsten Scorer der Liga ist. "Ich hatte schon einige Weltklassespieler, aber was Inui bei der Ballannahme und bei der Weiterverarbeitung kann, habe ich noch bei keinem gesehen", lobt sein Trainer Armin Veh den Spieler, den er beim VfL Bochum 1848 gesichtet hatte und unbedingt verpflichten wollte. "Ich will genauso hart arbeiten wie Shinji Kagawa, ich will auch so spielen wie er", bekannte Inui, der regelmäßig mit Kagawa telefoniert.

Warum aber schlagen Japaner in Deutschland ein? Zumal es durchaus große Sprachprobleme gibt. "Die wichtigsten Fußballbegriffe habe ich schon ganz gut drauf. Es kommen immer neue Wörter dazu, ein bisschen Englisch kann ich auch. Ansonsten lässt sich viel mit Gestik machen, dazu mit englischen Vokabeln", sagte Kiyotake kürzlich im Kicker, während Inui gar einräumen musste: "Natürlich kapiere ich aufgrund der Sprachproblematik nicht alles, was der Trainer meint. Im Spiel merke ich irgendwie, was er von mir verlangt und versuche, entsprechend zu agieren. Ich finde, es läuft bisher ganz gut. Missverständnisse sind natürlich immer mal da."

Warum es trotzdem klappt? Nicht zu Unrecht wird oft auf die verwandte Mentalität zwischen Deutschen und Japanern verwiesen. "Gerade Japaner sind sehr fleißig und zielorientiert. Wenn die nach Deutschland kommen, haben sie nur ein Ziel: sich durchsetzen und erfolgreich sein. Sie sind technisch stark, schnell und spielen einen etwas anderen Fußball. Die Spieler kommen vor allem in die Bundesliga, um zu lernen, verfügen aber schon jetzt über eine unheimlich hohe Qualität", so Japan-Experte Buchwald. Und die Bundesliga hat in den letzten Jahren in Fernost an Attraktivität gewonnen. "Sie kommt gleich nach der englischen Premier League", meint Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader, der zurzeit nach einem weiteren Japaner für seine Mannschaft Ausschau hält. Es sieht so aus, als sei dieser Trend noch lange nicht an einem Höhepunkt angelangt.

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