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Von Hundebissen und stürmenden Torhütern

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Am Samstag steht das Leben im Ruhrgebiet wieder einmal für eineinhalb Stunden still, wenn Borussia Dortmund den FC Schalke 04 zum 139. Revierderby empfängt. UEFA.com blickt zurück auf die Geschichte dieses ewig jungen Duells.

Jens Lehmann trifft für Schalke gegen den BvB
Jens Lehmann trifft für Schalke gegen den BvB ©Getty Images

Am Samstagnachmittag steht das Leben im Ruhrgebiet wieder einmal für eineinhalb Stunden still. Im BVB Stadion Dortmund empfängt Borussia Dortmund den FC Schalke 04 zum 139. Revierderby, UEFA.com blickt zurück auf die Geschichte dieses ewig jungen Duells.

Schalke wurde im Jahre 1934 erstmals deutscher Meister. Auf dem Rückweg von Berlin hielt der Zug knapp 35 km vor Gelsenkirchen, Spieler und Trainer stiegen in Autos um und wurden zum Dortmunder Rathaus eskortiert. Tausende Dortmunder jubelten dem Meister dabei zu. Im Anschluss durfte sich die Mannschaft sogar ins goldene Buch der Stadt Dortmund eintragen.

Heute unvorstellbar. Doch einst verband Königsblau und Schwarzgelb sogar eine enge Freundschaft. Der BVB trug in seiner Anfangszeit sogar dieselben Farben wie der heutige Erzrivale. Erst anno 1913 wechselte der Verein zum heute bekannten Schwarz und Gelb.

Das erste Derby datiert aus dem Mai 1925. Schalke war zu dieser Zeit das dominierende Team in Deutschland und gewann mit 4:2. In den folgenden Jahren hatte Dortmund nicht viel zu lachen, am 20. Oktober 1940 hieß es gar 10:0 für S04. Dortmund siegte erstmals im Oktober 1943.

Doch der BVB steigerte sich und nach dem Krieg sollte sich das Blatt wenden. Am 18. Mai 1947 gewann Dortmund den Westfalen-Pokal gegen Schalke. Die Königsblauen erschienen im Anschluss nicht einmal zur Siegerehrung.

Zum vielleicht skurrilsten Ereignis kam es 1969. Als Schalke mit 1:0 in Führung ging, stürmten die Schalkefans spontan den Platz und die überforderten Ordner ließen ihre Hunde los. Polizeihund Rex verlor ein wenig die Übersicht und schnappte nach dem nächstbesten Po – dem von Schalke-Abwehrspieler Friedel Rausch. "Der Schreck und der Schmerz waren groß. Ich konnte zwei Nächte nur auf dem Bauch schlafen, die Narbe am Po kann man heute noch sehen", erinnert sich der heute 71-Jährige an die Szene, die damals um die ganze Welt ging.

Seiner Po-pularität tat dies übrigens keinen Abbruch. "Überall, wo ich auf der Straße erkannt wurde, sprach man mich aus Flachs mit Wau-Wau an", erklärte der spätere Trainer, der die Partie übrigens mit zusammengebissenen Zähnen bis zum Ende durchstand.

Im Rückspiel sorgte dann Schalke-Präsident Günter Siebert für Aufsehen, als er mit einem zahmen Löwen aus dem Löwenpark Westerholt an der Mittelinie patrouillierte.

Am 19. Dezember 1997 trug sich Jens Lehmann als erster Bundesligatorwart in die Geschichtsbücher ein, der ein Tor aus dem Spiel heraus erzielte. Nach einem Eckball in der letzten Minute glich er per Kopf zum 2:2 für seine Schalker aus.

Ein weiterer Torwart, der sich auf Schalke unsterblich machte, ist Frank Rost. Am 30. Januar 2004 hielt er gleich zwei Elfmeter gegen den BVB und war somit ein Garant für den 1:0-Sieg von Königsblau.

Dortmund gewann in diesem Jahrtausend nur ein einziges Heimderby. Und das ausgerechnet am 12. Mai 2007. Schalke hätte an diesem Tag vorzeitig Meister werden können. Die Fans sangen bereits: "Wir werden Meister in Dortmund!" Doch Dortmund gewann am Ende mit 2:0 und vermasselte Schalke den schon sicher geglaubten Titel, für alle BVB-Fans ist dieses Spiel noch heute "Die Mutter aller Derbys".

Angesichts der großen Rivalität ist schwer vorstellbar, dass es Spieler gibt, die beide Trikots getragen haben, doch immer wieder wechselten selbst prominente Namen, manchmal über Umwege, die Fronten, zum Beispiel Stan Libuda, Rolf Rüssmann, Rüdiger Abramczik, Jens Lehmann, Rudi Assauer, Steffen Freund, Gerhard Kleppinger, Ingo Anderbrügge, Andreas Möller und Christoph Metzelder.

Die Bilanz nach 138 Aufeinandertreffen spricht klar für Schalke, 55 Siege und 37 Remis bei 46 Niederlagen. In der Bundesliga freilich ist die Bilanz ausgeglichen (27-24-27), hier wird sich also am Samstagnachmittag vermutlich ein Team absetzen können – zumindest bis zum nächsten Revierderby.

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