Slomka: Bayern ohne Spaß
Donnerstag, 19. November 2009
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Experten-Blog: Mirko Slomka, als Trainer von Schalke 04 im Halbfinale des UEFA-Pokals und im Viertelfinale der UEFA Champions League, schreibt auf uefa.com über aktuelle Themen.
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Mirko Slomka (42) begann seine Karriere als Nachwuchstrainer bei Hannover 96 und förderte Spieler wie Gerald Asamoah, Sebastian Kehl, Per Mertesacker und Fabian Ernst. Über Tennis Borussia Berlin kam er als Co-Trainer von Ralf Rangnick zurück zu Hannover 96 und schließlich zum FC Schalke 04. Bei den Gelsenkirchenern übernahm er schließlich im Januar 2006 das Cheftraineramt und führte die Knappen ins Halbfinale des UEFA-Pokals und in der Saison 2007/2008 ins Viertelfinale der UEFA Champions League. In dieser Saison schreibt Slomka einmal im Monat exklusiv für den Experten-Blog von uefa.com.
Der Trend des ersten Bundesliga-Drittels ist für mich, dass keine Mannschaft konstante Leistungen zeigt und nicht erkennbar ist, welches Team sich oben festsetzt bzw. unten drin bleibt. Momentan wirkt es so, als könne jeder jeden besiegen und keine Mannschaft ist wirklich dominant. Ich würde aber nicht soweit gehen und sagen, dass die Klasse fehlt, ganz im Gegenteil, die Bundesliga ist auf einem sehr hohen Niveau und wird dieses in der Saison weiter steigern ...
Will man einen Spieler besonders hervorheben, dann ist es wohl Mesut Özil. Er hat sehr deutlich auf sich aufmerksam gemacht, zeigt bei Werder Bremen konstant gute Leistungen und in der Nationalelf sogar überragende.
Für mich ist es ist eine Riesen-Überraschung, dass Hertha und Stuttgart so weit unten stehen. Auch wenn bei den Berlinern klar war, dass man den Erfolg des letzten Jahres so nicht wiederholen kann, ist es trotzdem verwunderlich. Beim VfB ist die Qualität einfach viel zu hoch, um so tief im unteren Tabellendrittel zu stecken. Bei beiden Vereinen, und da bin ich ganz sicher, hat das aber nichts mit dem internationalen Geschäft zu tun. In beiden Fällen hat der Verein auch zuvor am Europapokal teilgenommen. Mit den Erfahrungswerten hätte man sich professioneller darauf vorbereiten können. Diese Ausrede lasse ich nicht gelten, zumal jedes Spiel eine Chance zur Verbesserung gibt und besser als jedes Training ist. Im Übrigen hatten beide Mannschaften auch vor Beginn der UEFA Champions League bzw. UEFA Europa League ihre Probleme.
Voller Hoffnung auf eine tolle Saison startete auch der 1. FC Köln in die Saison, wo Lukas Podolski nach der umjubelten Rückkehr noch nicht ganz in die Mannschaft gefunden zu haben scheint. Das hat sicher auch mit der defensiven Spielweise von Trainer Soldo zu tun, zumal Lukas manchmal auf der ungeliebten linken Seite spielen muss. Er fühlt sich im Zentrum sichtbar wohler. Trotzdem bin ich überzeugt, dass er noch auf seine 15 Treffer kommt.
Die sehr mutige Entscheidung der Mainzer, sich vor dem ersten Spieltag von Jörn Andersen zu trennen und Thomas Tuchel zum Cheftrainer zu befördern, hat sich voll ausgezahlt. Die Mainzer Verantwortlichen setzen auf einen Trainer, der sie durch die deutsche A-Junioren Meisterschaft nachhaltig überzeugt hat. Die Entscheidung ist sehr bemerkenswert und bisher äußerst erfolgreich. Ich kenne das aus meiner Vergangenheit, als ich nach vielen Jahre in der Nachwuchsarbeit ins 'Haifischbecken' Bundesliga gekommen bin. Es ist spannend zu sehen, wie der Neue sich gibt. Tuchel und Mainz sind zu Hause sensationell gestartet und wenn sie jetzt noch auswärts mehr punkten, können sie durchaus unter die ersten Acht kommen.
In Wolfsburg sieht man, dass der Verein sich nach dem Trainerwechsel wieder auf sehr hohem Niveau stabilisiert. Armin Veh kennt die Situation sehr gut aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart und weiß, wie man mit einer Meistermannschaft im Jahr danach umgehen muss. Für mich ist der VfL einer der Topfavoriten auf den Titel, weil sie tolle Einzelspieler haben und das neue System von Veh, mehr Kurzpassspiel etc., mehr und mehr verinnerlichen. Sie haben den Rückstand zur Spitze verringert und sind wieder langsam auf Champions-League-Kurs.
In München sieht das anders aus. Die vielen Umbrüche und Veränderungen in den letzten zwei Jahren haben der Mannschaft keine Stabilität gegeben. Nach so vielen Spielen sollte man inzwischen eine Elf gefunden haben, der man vertraut, von Verletzungen natürlich abgesehen. Bei den Bayern gibt es kaum erkennbare Spielfreude und aus meiner Sicht kaum Spaß am Beruf. Viele Spieler sind unzufrieden, was sich bei Luca Toni und Philipp Lahm jetzt bestätigt hat. Das nächste Spiel wird für Bayern ganz wichtig, denn zu Hause gegen Leverkusen können sie ein echtes Ausrufeszeichen setzen und den Abstand zur Spitze verringern. Wer weiß, vielleicht war die Thematik um Lahm dann eine Art reinigendes Gewitter... Ich glaube übrigens fest daran, dass Bayern München in der Königsklasse die letzte Chance nutzt. Bordeaux spielt mit und die Bayern gewinnen das "Finale" in Turin.
Für eine Meisterprognose ist es noch viel zu früh. Leverkusen, Bremen und Hamburg stehen momentan oben, und allen drei traue ich es zu, dass sie die Saison mit einem Titel beenden, egal in welchem Wettbewerb. Leverkusen wird ein solcher Absturz wie im vergangenen Jahr mit dem erfahrenen Jupp Heynckes nicht noch einmal passieren und der HSV wird aus dem Verletzungstief wieder herauskommen. Ganz oben auf dem Zettel habe ich aber Werder Bremen, die schon letztes Jahr auf sehr hohem Niveau gespielt haben.
Insgesamt merkt man, dass sich alle Top-Mannschaften im Vergleich zum Vorjahr verstärkt haben und die Qualität der Bundesliga weiterhin hoch ist. Das verspricht bis zur Winterpause weiterhin Hochspannung.
Wer ist für Sie die Überraschung des ersten Saisondrittels und wer hat am Ende die Nase vorn? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!