Welttorhüter Lutz Pfannenstiel - Tot
Freitag, 13. November 2009
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Er ist ein waschechter Weltenbummler und der einzige Profi, der auf allen Kontinenten gespielt hat. Auf uefa.com erzählt Lutz Pfannenstiel seine Geschichte. Heute: Tod in Bradford...
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Er ist ein waschechter Weltenbummler und weltweit der einzige Profi-Fußballer, der auf allen Kontinenten unter Vertrag stand. Über 20 Vereine hat er mit seinen Torwartfähigkeiten bereichert und kann dementsprechend viele Geschichten und Erfahrungen verschiedenster Art aufweisen. Mit 36 Jahren hat Lutz Pfannenstiel schon jetzt ein bewegtes (Fußballer-) Leben vorzuweisen. Auf uefa.com wollen wir im Rahmen einer zehnteiligen Serie seine Weltreise nachempfinden. Auch im fünften Teil lässt uefa.com Lutz Pfannenstiel in seinen eigenen Worten erzählen.
Nicht nur Positives
Das andere schlimme Erlebnis [neben der Gefängniszeit in Singapur] fand in England statt, wo ich nie so erfolgreich war, wie ich es sein wollte, obwohl ich den englischen Fußball sehr mag. Es war eines der Spiele am Boxing Day, also dem zweiten Weihnachtsfeiertag, wo in England traditionell immer gespielt wird. Ich spielte damals für Bradford Park Avenue FC, unser Gegner war Harrogate Town, ein Derby im Bezirk Yorkshire. Wir führten rasch mit 2:0 und es lief super für uns. Für mich lief es jedoch nur super, bis ich bei einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler dessen Knie so in die Magengrube auf den Solar Plexus bekam, dass ich mit starken Schmerzen auf den Boden liegen blieb. Als ich versuchte, aufzustehen, wurde mir Schwarz vor Augen und ich kippte um.
Man hielt mich für tot
Alles, was dann passierte, erfuhr ich erst am Abend im Krankenhaus. Ich wurde reanimiert, dreimal, und dann als klinisch tot mit dem Helikopter ins Hospital gebracht, wachte dort am Abend auf. Mein erster Eindruck war, dass ich gelähmt bin, aber dann merkte ich, dass ich einfach nur enorm fest auf einer Trage festgezurrt war. Als ich mehr und mehr zu mir gefunden habe, bekam ich stückweise mit, was eigentlich passiert war. Man hielt mich für tot, hatte mich versucht zu reanimieren und irgendwann aufgegeben. Mein Trainer stand weinend am Spielfeldrand, im Stadion hat meine damalige Freundin, schwanger von mir, beinahe eine Frühgeburt erlitten vor Schock. Mein erstes Kind wäre fast geboren worden, als ich fast gestorben bin – das wäre zu makaber gewesen. Aber alles, woran ich mich erinnern kann, sind weiße Lichter, von denen ich dreimal weggezogen wurde, also so oft, wie ich reanimiert wurde. Ich bin dann abends – auf eigene Gefahr – aus dem Krankenhaus nach Hause gegangen, denn ich mag keine Krankenhäuser, seitdem noch weniger.
Harte Lehrstunden
Zu meinem Glück habe ich von der ganzen Sache nichts mitbekommen und deswegen hatte ich auch nie Angst und habe zwei Wochen danach wieder gespielt. Dass solche Erfahrungen einen prägen, ist klar. Fast jedes Jahr besuche ich einmal Bradford, im Stadion werde ich als der Mann vorgestellt, der für den Verein gestorben ist. Der Verein ist sehr traditionell, die älteren Anhänger freuen sich wie Schneekönige, wenn ich da bin. Mit dem Physiotherapeuten, der mich reanimierte und mir somit das Leben gerettet hat, hatte ich lange regelmäßigen Kontakt und natürlich ein besonderes Verhältnis.
Was wirklich zählt
Genauso wie die Gefängniszeit in Singapurhat mich auch die Todeserfahrung eines gelehrt: Erfolg, Ruhm, Geld – all das ist vergänglich und momentan. Sein Leben kann man aber auch mit Sachen füllen, die einen Unterschied machen. Vielleicht würde ich mich nie so sehr für Menschenrechte oder den Klimaschutz einsetzen, wie ich es jetzt tue, wenn ich nicht solch extreme Erfahrungen gemacht hätte. Es waren zwei harte Lehrstunden, die ich gerne anders absolviert hätte, aber sie haben mich definitiv zu einem anderen Menschen gemacht, und das ist etwas sehr, sehr Positives, was ich aus diesen dramatischen Erlebnissen mitgenommen habe.
Warum es Lutz Pfannenstiel nach Kanada zog und warum er es dort so sehr genoss, lesen Sie im nächsten Teil der Serie auf uefa.com.