"Welttorhüter" Lutz Pfannenstiel
Dienstag, 27. Oktober 2009
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Teil 1 der Serie über den bayerischen Keeper, der als einziger Profi der Welt auf allen Kontinenten spielte und dabei zahlreiche und einzigartige Abenteuer erlebte.
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Er ist ein echter Weltenbummler und weltweit der einzige Profi-Fußballer, der auf allen Kontinenten unter Vertrag stand. Für 20 Vereine hat er zwischen den Pfosten gestanden und kann dementsprechend viele Geschichten erzählen. Mit 36 Jahren hat Lutz Pfannenstiel schon jetzt ein bewegtes (Fußballer-) Leben vorzuweisen. Auf uefa.com wollen wir nach langen Gesprächen mit ihm im Rahmen einer zehnteiligen Serie seine Weltreise nachzeichnen.
Vom hohen Norden in den tiefen Süden
Mit seinem Wechsel von Manglerud Star aus Norwegen zu Rambler FC in Namibia fügt Lutz Pfannenstiel nun seiner Weltreise ein weiteres Kapitel hinzu. In Afrika arbeitet er zudem als Sportdirektor: "Es freut mich, dass ich hier so viel Verantwortung habe. Das ist ein weicher Übergang für die Zeit nach meiner aktiven Karriere, denn ich will auf alle Fälle im Fußballgeschäft bleiben", so Pfannenstiel, der sich diese Karriere vor zwanzig Jahren nicht getraut hätte, von solch einer Karriere zu träumen.
Unbekannter Weltstar
Der im bayerischen Zwiesel geborene Torwart kam weit rum in seiner Karriere, auch wenn "das nie so geplant war, es hat sich mehr oder weniger alles eher zufällig ergeben." Pfannenstiel ist ein bodenständiger und ruhiger Typ, Starallüren sind ihm ein Fremdwort. Ob er es schade findet, dass er in seiner Heimat kaum bekannt ist? "Das hat mich nie gestört und ist mir ehrlich gesagt völlig egal."
Weitere Herausforderungen
Pfannenstiel weiß angesichts seiner 36 Jahre, dass seine Torwarthandschuhe bald an den Nagel gehängt werden müssen. Ob es für ihn überhaupt noch Herausforderungen gibt, vor allem aber wie selbstverständlich und normal er seine Pläne schildert, überrascht: "Ich habe schon noch zwei, drei Länder im Kopf, wo ich gerne spielen würde. Mir ist aber auch klar, dass ich in der UEFA Champions League wohl nicht mehr auftauchen werde. Der arabische Raum ist sehr verlockend, auch Japan oder Korea und vor allem Afrika. Ich bin jetzt schon ein paar Mal als 'Felix-Magath-Lösung` unterwegs gewesen, und als Trainer oder Sportdirektor zu arbeiten, ist auch eine große Herausforderung, weil ich hier meine ganzen Erfahrungen gut einbringen kann."
Jungstar
Es scheint also immer weiter zu gehen mit der Reise des Lutz Pfannenstiel, die 1991 im bayerischen Bad Kötzting in der damaligen dritten deutschen Liga begann. Als Teil der deutschen Jugendnationalmannschaften machte der heutige "Welttorhüter" auf sich aufmerksam, bekam zahlreiche Einladungen zu Probetrainings bei Bundesligisten, auch beim FC Bayern München.
Brasilien als letztes Puzzleteil
Gut 15 Jahre später wird er Torwart in Brasilien und fügt mit Südamerika das nächste Kapitel in seinen Lebenslauf ein. Durch diese Station macht er die Weltreise perfekt. "Es ist ein schöner Rekord, auf den ich natürlich auch sehr stolz bin. In Brasilien Fußball zu spielen, war einer meiner Kindheitsträume. Brasilien ist im Fußball das Nonplusultra. Dass ich dort dann auch noch als erster Deutscher unter Vertrag stand, hat das ganze noch mal umso mehr zu etwas ganz Besonderem gemacht", sagt er mit seinem bayerischen Dialekt, und man merkt den Stolz in seiner Stimme.
"Spreche besser Englisch als Hochdeutsch"
Dass er mit seinem humorvollen und positiven Gemüt überall gut ankam, wirkt wenig verblüffend. Ob er denn jetzt auch jede Sprache der Welt spricht? "Ich spreche gebrochenes Deutsch und sehr gutes Bayerisch", so der Mann, dessen Markenzeichen die zum Zopf gebundenen Haare sind. "Nein, im Ernst, mein Englisch ist vermutlich wirklich besser als mein Hochdeutsch. Egal wo ich war, zu 90 Prozent habe ich mich auf Englisch unterhalten. Sich auf dem Platz verständigen zu können, ist immer das Wichtigste. Ich habe circa 50 Phrasen und Begriffe, die ich immer als erstes gelernt habe, um mich auf dem Platz mit meinen Mitspielern verständigen zu können."
England-Fluch?
Doch wer denkt, dass die große Karriere des sympathischen Lutz Pfannenstiel eine Aneinanderreihung positiver und schöner Momente war, der irrt. In England, dem Mutterland des Fußballs, scheint eine Art Fluch auf ihm zu lasten. "Komischerweise hat es dort nie geklappt und ich konnte mich nicht durchsetzen, dabei liegt mir die Spielweise eigentlich." Doch England verknüpft der Keeper vor allem mit einem der dunkelsten Kapitel seiner Fußballerkarriere, was er in einem späteren Teil der Reihe erzählt.
Im nächsten Teil unserer Serie lesen Sie, warum Lutz Pfannenstiel zu Beginn seiner Karriere nicht zum FC Bayern München, sondern nach Malaysia wechselte.