Selbstlosigkeit der Schlüssel
Mittwoch, 23. September 2009
Artikel-Zusammenfassung
Beim 8. UEFA-Workshop für Trainerausbildung in Athen war Thema, dass ein technischer Leiter großzügig sein und anerkennen muss, dass Erfolg daran gemessen wird, was andere leisten.
Artikel-Aufbau
Am zweiten Tag des 8. UEFA-Workshops für Trainerausbildung in Athen wurde betont, wie wichtig es ist, dass ein Trainer großzügig ist. Präsentationen demonstrierten, dass sowohl ein auf Kompetenzen basierendes Lernen als auch die Rolle des technischen Leiters eine große Rolle spielen und eines selbstlosen Charakters bedürfen.
Praxisnahe Ausbildung
Nico Romeijn vom Königlichen Niederländischen Fußballverband und ein Mitglied des UEFA-Jira-Ausschusses erklärten das Grundprinzip des auf Kompetenzen basierenden Lernens und wie es in den Niederlanden umgesetzt wird. Diese Methodik bringt den Ausbilder der Trainer in das Arbeitsumfeld des Trainers, weil die grundlegende Idee ist, dass praxisnahe Situationen die lehrreichsten sind; und dass das Arbeitsumfeld nicht nur der Ort ist, wo die Leute am besten lernen, sondern auch der, wo sie ideal ihre Entwicklung einschätzen.
Großzügiges Gemüt
Gérard Houllier, technischer Direktor des französischen Fußballverbands, veranschaulichte danach an seiner eigenen Rolle, wie wichtig ein großzügiges Gemüt ist, denn Erfolge werden meistens gemessen an dem, was andere leisten. In der Zwischenzeit hörten Delegierte Vorträge zur weiterführenden Ausbildung in Deutschland, England und Belarus von Bernd Stöber, Chefausbilder der Trainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Howard Wilkinson, Vorsitzender der Vereinigung der Trainer der englischen Premier League, sowie Bernd Stange, Trainer der weißrussischen Nationalmannschaft.
Erfahrung ist wertvoll
Demut und Bescheidenheit wurden den ganzen Tag lang als Berufsanforderung eines Trainers betont, ebenso wie die Bereitschaft, in der sich stets wandelnden Fußballwelt weiterzubilden. Beide Aspekte wurden in Romeijns Anfangsrede, dem auf Kompetenzen basierenden Lernen, angesprochen, die als Anfangsgedanken die Erfahrungen des Ausbilders hat. Während der Lernende bei den traditionellen Lerntechniken Studien und Theorien in die Praxis umsetzt, steht hierbei die relevante Erfahrung im Vordergrund. Sie dient als Rahmen, der reflektiert wird und durch theoretische Informationen gefestigt wird. Danach geht es dann um Planung und praktische Einheiten. Die Definition einer Kompetenz ist die richtige Mischung aus Wissen, Fähigkeit, Einstellung und dem persönlichen Charakter, die es dem Trainer ermöglichen, theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen.
Die richtigen Fragen
Auf der Bühne gesellte sich dann Wim Koevermans, der internationale Direktor des irischen Fußballverbandes, zu Romeijn, der betonte, dass die neuen Methoden erfordern, dass die Ausbilder die Lernenden auf dem Platz besuchen und begleiten. Zeitgleich müsse der Ausbilder sich etwas zurückziehen und mehr zum Moderator werden, der unterstützend und, wenn nötig, drängend, einwirkt und die richtigen Fragen zu stellen hat.
Prominente Lernende
Koevermans fügte des Weiteren an, dass Phillip Cocu, Dennis Bergkamp, Patrick Kluivert und Michael Reiziger kürzlich den auf Kompetenzen basierenden Weg des Lernens gewählt hatten, um ihre Pro-Lizenz zu bekommen. Die ehemaligen niederländischen Nationalspieler verstanden, dass es Unterschiede gibt zwischen einem Top-Spieler und einem Top-Trainer und alle betonten, dass diese Form des Lernens einen positiven Beitrag zu ihrer persönlichen Entwicklung geleistet hat.
Kultur der Güte
Wenn das Identifizieren der eigenen Stärken und Schwächen eine essenzielle Angelegenheit für den angehenden Trainer ist, dann soll es bei der Weiterbildung eines fertig ausgebildeten Trainers eine nicht minder wichtige Rolle spielen. Wilkinson fügte im Rahmen seines Beitrags zur Weiterbildung der Trainer zudem an, dass ein Trainer alle Werte und Glaubenssätze, die ihn ausmachen, erfassen und mit ihnen eine Kultur der Güte im Verein aufbauen muss.
Besuche von Experten
Bei vielen Programmen standen Kommunikation und Kooperation im Vordergrund. Stöber beispielsweise schilderte, dass der DFB mit 30 Kleinbussen durch Deutschland reist, um den Trainern Tips zu geben. Wilkinson berichtete von einer Internetplattform zur Weiterbildung, die von der englischen FA lizensiert ist. Stange fügte an, dass die UEFA mit ihrer Infrastruktur von Trainern dafür sorgt, dass in Belarus Trainergrößen wie Fabio Capello, Guus Hiddink und Otto Rehhagel als Besucher den dortigen Trainern helfen.
Konstante Verbesserung
Für Gérard Houllier, der über die Rolle und das Profil der technischen Direktoren referierte, ist "es immer die Aufgabe, andere gut aussehen zu lassen." Er riet den Delegierten, eine Balance zwischen Bescheidenheit und Zielstrebigkeit zu finden und dabei Zufriedenheit und Arroganz zu vermeiden. Seine Parole zum Thema Trainerausbildung: konstante Verbesserung.