Slomka: Barça besser als Real
Dienstag, 15. September 2009
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Experten-Blog: Mirko Slomka, als Trainer von Schalke 04 im Viertelfinale der UEFA Champions League, schreibt auf uefa.com über aktuelle Themen, heute über den Auftakt der Königsklasse.
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Mirko Slomka (42) begann seine Karriere als Nachwuchstrainer bei Hannover 96 und förderte Spieler wie Gerald Asamoah, Sebastian Kehl, Per Mertesacker und Fabian Ernst. Über Tennis Borussia Berlin kam er als Co-Trainer von Ralf Rangnick zurück zu Hannover 96 und schließlich zum FC Schalke 04. Bei den Gelsenkirchenern übernahm er schließlich im Januar 2006 das Cheftraineramt und führte die Knappen ins Halbfinale des UEFA-Pokals und in der Saison 2007/2008 ins Viertelfinale der UEFA Champions League. In dieser Saison schreibt Slomka einmal im Monat exklusiv für den Experten-Blog von uefa.com.
Mirko Slomka: In der UEFA Champions League denken viele, dass an Real Madrid kein Weg vorbeiführt. Vor allem Kaká und Cristiano Ronaldo sind herausragende Spieler, die man in der Königsklasse auch sehen will. Für mich ist aber Titelverteidiger FC Barcelona der Favorit. Sie haben ihre überragende Mannschaft größtenteils zusammengehalten und sogar noch verstärkt. Zudem darf man nicht vergessen, dass Mannschaften wie die vier Engländer und auch Lyon immer heiße Kandidaten für das Halbfinale sind und somit auch immer ins Endspiel vorstoßen können. Nur mit Transfers in der Offensive wird Real meiner Meinung nach da nicht automatisch an all denen vorbeiziehen.
Was unsere deutschen Mannschaften angeht: Meister Wolfsburg hat mit Manchester United einen der ganz großen Fische an Land gezogen, auch ohne Ronaldo haben sie mit Rooney, Berbatov und auch Owen eine herausragende Offensive. ZSKA Moskau ist in der Gruppe vielleicht ein bisschen der Außenseiter. Besiktas darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch sie könnten es in die nächste Runde schaffen. Dort spielt ja mein alter Schützling Fabian Ernst, zudem haben sie mit Nihat einen Klassestürmer. Alles in allem gehe ich aber davon aus, dass Wolfsburg die nötigen Punkte holt und eine Runde weiter kommt.
Die Bayern haben mit Juventus einen alten Bekannten zugelost bekommen, Buffon, del Piero und natürlich den Ex-Bremer Diego, das werden Klasse-Spiele werden. An Bordeaux haben die Bayern bestimmt noch gute Erinnerungen, immerhin haben sie 1996 da den UEFA-Pokal gewonnen. Weltmeister Laurent Blanc ist jetzt Trainer und mit Yoann Gourcuff haben sie einen echten Star in ihren Reihen. Der dritte Gegner, Haifa, ist etwas schwer einzuschätzen. Unterschätzen sollten die Bayern die Israelis aber nicht. Es ist aber völlig klar, dass Bayern und Juve die haushohen Favoriten sind.
Der VfB Stuttgart hat die vermeintlich leichteste Gruppe und ich gehe auch davon aus, dass sie es schaffen können. Gegen Urziceni müssen sechs Punkte her, aber der HSV kann von letzter Saison noch ein Liedchen singen, wie es ist, gegen die zu spielen, da haben sie sich nämlich richtig schwer getan. Bei den Rangers denkt man zuerst an die tolle Atmosphäre in Glasgow und dort wird es alles andere als leicht für die Schwaben. An Sevilla habe ich persönlich keine guten Erinnerungen, weil ich dort mit Schalke im UEFA-Pokal-Halbfinale nach Verlängerung ausgeschieden bin. Aber bei denen sind mit Luis Fabiano und Kanouté zwei Top-Stürmer, die man erst einmal unter Kontrolle bringen muss.
Generell lässt sich sagen, dass die Teams, die dauerhaft dabei sind, natürlich einerseits das große Geld, aber auch eine entscheidende Erfahrung haben, Bayern ist da gegenüber Wolfsburg und Stuttgart klar im Vorteil. In der Gruppenphase muss man auch mal taktieren, sich eventuell mit einem Unentschieden zufrieden geben, ein glanzloses Spiel erdulden. Die Gruppenphase muss nur irgendwie überstanden werden und da spielt Erfahrung, bei Spielern wie bei Trainern, schon eine große Rolle.
uefa.com möchte von Ihnen wissen: Wer holt den Titel und wie weit kommen die deutschen Mannschaften in dieser Saison?