Vier Monate voller Spannung
Freitag, 1. Februar 2008
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Mit der Begegnung zwischen Energie Cottbus und dem FC Bayern München am Freitag geht die Bundesliga in eine spannende, viermonatige Rückrunde.
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Auch wenn Uli Hoeneß mittlerweile die Geschichte mit dem Fernglas nicht mehr hören mag – allenthalben wurde erwartet, dass der groß aufgerüstet FC Bayern München der nationalen Konkurrenz enteilen würde. Nun geht die Bundesliga in die Rückrunde, und die Distanz zwischen den – erwartungsgemäß – erstplatzierten Bayern und dem Zweiten, Werder Bremen, beträgt gerade einmal fünf Törchen. Ein Fernglas braucht es dafür nun wahrlich nicht.
Bayern unterhält wie eh und je
Auch in der Winterpause beherrschte der Branchenprimus die Schlagzeilen: Waren es im Sommer noch die Rekordtransfers im Bereich des Spielerkaders, so sorgte der Bayern-Vorstand im Januar mit der Nominierung Jürgen Klinsmanns als Bayern-Trainer für eine Überraschung, die tagelang die Gazetten füllte. Oliver Kahn – nach seiner WM-Ausbootung nicht gerade ein Klinsmann-Freund – mahnte schon: "Wir müssen alle Energie auf das Hier und Jetzt legen, damit wir in einer schwierigen Situation viele Titel holen." Und doch ist der Schachzug der Bayern ein kluger gewesen: Wäre die Trainer-Nachfolge noch lange offen geblieben, so wäre wohl tagtäglich genussvoll öffentlich spekuliert worden, nun aber meint der bisherige Trainer Ottmar Hitzfeld: "Jetzt können wir in Ruhe weiterarbeiten." Vom Potenzial her muss der deutsche Meister 2007/2008 ganz klar FC Bayern München heißen - die Rückrunde müsste mit Vorsprung für den Rekordmeister enden. Das hatte man vor der Vorrunde allerdings auch schon gedacht.
Bremen bleibt dran
Ernsthaftester Kandidat, dem Rekordmeister den Titel streitig zu machen, sind natürlich die zweitplatzierten Bremer. Mit dem erneuten verletzungsbedingten Ausfall von Torsten Frings fehlt den Hanseaten zunächst jedoch das Herzstück ihres Mittelfelds. Der teuere Neuzugang Carlos Alberto entpuppte sich als Fehler und hat den Verein – zumindest vorerst – wieder verlassen. Positives gibt es dagegen von dem in der Hinrunde mal wieder überragenden Diego und Ivan Klasnić zu berichten, der ein tolles und unerwartetes Comeback nach zwei Nierentransplantationen feierte. Da die Bremer trotz einer fast beispiellosen Verletzungsserie zu Saisonbeginn mit den Bayern Schritt halten konnten, ist ihnen auch in der Rückrunde zuzutrauen, bis zuletzt um den Titel mitzuspielen.
Kaum ernsthafte Titelanwärter
Zwar sind die in der Tabelle hinter Bremen platzierten Mannschaften nicht so weit entfernt, dass eine Meisterschaftschance ausgeschlossen werden kann, doch als realistischer Meisterschaftskandidat erscheint keiner der anderen Vereine. Der Hamburger SV ist in die Spitze der Liga zurückgekehrt, allerdings ist das Team von Huub Stevens zu abhängig vom abwanderungswilligen Rafael van der Vaart, gerade auch, wenn es um das Toreschießen geht. Ein Titel soll her beim HSV: "Wir wollen etwas gewinnen in dieser Saison. Die Chancen sind so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr", sagte Vorstandschef Bernd Hoffmann. Das dürfte aber eher der DFB-Pokal als die Meisterschaft sein. Bei Bayer 04 Leverkusen hat man eine junge, viel versprechende Mannschaft aufgebaut, die in einigen Jahren um die Meisterschaft mitspielen könnte, zurzeit fehlt es hier jedoch noch an Reife. Turbulenzen, etwa um Mesut Özil, gibt es auch beim FC Schalke 04, der vor der Saison eigentlich das Titelrennen angepeilt hatte. Damit wird es jedoch nichts mehr, auch weil die Knappen als einziger deutscher Vertreter noch in der UEFA Champions League vertreten sind. "Wir wollen uns wieder für die Champions League qualifizieren", verdeutlichte Mirko Slomka die korrigierten Ziele für die Rückrunde.
Fragen über Fragen
Auch das Mittelfeld der Bundesliga verspricht Spannung: Kann Meister VfB Stuttgart seine gute Form vor der Pause in die Rückrunde retten und noch Mal ins Rennen um die Europapokalplätze eingreifen? Wird Aufsteiger Karlsruher SC weiterhin die Liga überraschen? Entpuppt sich Hannover 96 zu einem ernsthaften Anwärter aufs internationale Geschäft? Wie schlagen die teuren Eintracht-Frankfurt-Neuzugänge Caio und Martin Fenin ein? Kann Thomas Doll sowohl seine eigene Trainerkarriere als auch den BV Borussia Dortmund auf die richtige Bahn lenken? Fragen über Fragen, die einen den Wiederanpfiff am Wochenende herbeisehnen lassen.
Dramatischer Abstiegskampf
Im Abstiegskampf sind die Augen vor allem auf UEFA-Pokal-Teilnehmer 1. FC Nürnberg gerichtet: Die Franken, so die allgemeine Auffassung, haben da unten eigentlich nichts verloren. Sie wären aber nicht der erste Absteiger, von dem man das gedacht hat. Da auch die Konkurrenz im Tabellenkeller in der Winterpause vieles richtig gemacht zu haben scheint, verspricht der Überlebenskampf in dieser Saison wieder sehr dramatisch zu werden.