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Niederländer hoch im Kurs

Bei der WM im kommenden Jahr wird jedes achte Team von einem niederländischen Trainer betreut. uefa.com ist den Ursachen dafür auf den Grund gegangen.

Die FIFA-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer ist für die Niederlande in vielerlei Hinsicht eine einzigartige Veranstaltung. Nach der verpassten WM-Teilnahme 2002 sind die Oranjes endlich wieder dabei, zudem findet das Turnier im Nachbarland Deutschland statt. Dort konnte man bei der UEFA-Europameisterschaft 1988 den bislang einzigen großen Titelgewinn feiern. Überdies werden bei der WM 2006 gleich vier niederländische Trainer ein teilnehmendes Team betreuen.

Niederländisches Trainerquartett
Marco van Basten reist als Bondscoach der Niederlande nach Deutschland, nachdem er die Mannschaft ohne Niederlage durch die Qualifikation führen konnte. Für den ehemaligen Weltklassestürmer ist es das erste große Turnier als Coach, während sein Landsmann Guus Hiddink, mittlerweile Nationaltrainer Australiens, bereits seine dritte WM bestreitet. Leo Beenhakker mit Trinidad und Tobago sowie Dick Advocaat mit Südkorea komplettieren das niederländische Quartett. Beide sind zum zweiten Mal als Trainer bei einer Weltmeisterschaft dabei.

Reker stolz
Advocaat trat sein Amt an, nachdem sich Südkorea bereits qualifiziert hatte, aber wie Jan Reker stolz betonte, "war es auch ein Holländer, der sie zur WM geführt hat - Jo Bonfrere." Reker hat allen Grund, stolz zu sein. Er ist Chef des Verbandes der niederländischen Profitrainer. Da jedes achte Team bei der WM von einem Niederländer betreut werden wird, scheint Reker mit seiner Organisation auf große Anerkennung zu stoßen.

"Spitze des Eisbergs"
"Sie sind nur die Spitze des Eisbergs", sagte Reker gegenüber uefa.com. "Insgesamt gibt es weltweit 93 niederländische Trainer, die im Ausland arbeiten, darunter Jugend- und Co-Trainer. Neben den WM-Teilnehmern stellen wir vier weitere Nationaltrainer. Jelle Goes in Estland, Henk Wisman in Armenien, Azing Griever in Aruba und Jan Brouwer in Gambia; dazu kommen Vereinstrainer wie Martin Jol und Frank Rijkaard."

"Sehr schön"
Doch Reker weiß auch, dass die Niederländer damit nicht einmal führend sind. "Vier Trainer bedeuten keinen Rekord", sagte er. "1998 gab es fünf französische und vier brasilianische Coaches. Aber wir sind auf dem geteilten zweiten Platz, und das ist sehr schön für ein Land wie die Niederlande." Für Reker ist es die Mischung aus verschiedenen Qualitäten, die niederländische Trainer so attraktiv macht. "Als Seefahrernation hat die Niederlande lange Zeit neue Welten und Kulturen erkundet. Niederländer finden sich schnell in anderen Kulturen zurecht und lernen die Sprache. Sie haben keine Angst vor Abenteuern und sind erfinderisch."

"Weltberühmt"
In den 70er Jahren, als die großen Vereinsmannschaften erstmals für Furore sorgten, begannen die Niederlande damit, ihre Fußballkompetenz ins Ausland zu exportieren. Nach den grandiosen Vorstellungen bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1974 war die Nachfrage groß. Rinus Michels legte damals die Grundlagen. Unter ihm zeigten die Niederlande den für sie typischen "totalen Fußball", der durch geballte Offensive bestach. "Wir haben damals auch unsere eigenen Trainingsmethoden entwickelt", sagte Reker. "Unser Trainingszentrum beim Niederländischen Fußballverband in Zeist ist weltberühmt."

Unterschiedliche Karrieren
Die bei der WM 2006 tätigen Trainer haben sich auf unterschiedliche Art und Weise bis an die Spitze gearbeitet. Van Basten war zu aktiven Zeiten einer der besten Fußballer der Welt, während Beenhakker als Spieler nur in unteren Ligen tätig war. Advocaat und Hiddink spielten in der Eredivisie, ehe sie eine Karriere als Trainer begannen. Reker gewann 1986 als Trainer des PSV Eindhoven den Meistertitel in der Eredivisie, sein Co-Trainer war damals Hiddink.

"Ideen vermitteln"
"Persönlichkeit und Fachwissen sind sehr wichtig, aber das Wichtigste ist es, dass man den Spielern seine Ideen vermitteln kann. Darum schaffen es viele ehemalige Spitzenspieler nicht, sich als Trainer auf höchstem Niveau zu behaupten. Sie haben in ihrer aktiven Zeit immer mit Intuition gespielt und sich mit ihren Füßen ausgedrückt. Als Trainer muss man andere Menschen von seinen Vorstellungen überzeugen", betonte Reker.

"Füreinander offen"
Niederländische Trainer haben gelernt, kreativ zu sein. Die Vereine der Eredivisie können sich nicht auf ihre bescheidenen finanziellen Mittel verlassen, um erfolgreich abzuschneiden. Daher steht vor allem die Förderung von jungen Talenten im Vordergrund, zudem hilft man jungen Trainern bei ihrem ersten Aufstieg auf der Karriereleiter. "Die Trainer sind offen füreinander und geben jungen Kollegen die Chance, zusammen mit ihnen zu arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln", verriet Reker. "Top-Trainer bieten zudem praktische Demonstrationen bei Kursen an."

"Wie ein Gott"
Hilfreich ist es überdies, ein Vorbild wie Hiddink zu haben. "Hiddink war mit Südkorea [bei der WM 2002] der beste Botschafter, den sich Holland wünschen konnte. Er war in einer Nation, die zuvor noch nie einen großen Erfolg gefeiert hatte, wie ein Gott. Er hat sie bis ins Halbfinale der WM geführt und einige der besten Nationen der Welt ausgeschaltet...dies hat den Ruf der niederländischen Trainer noch weiter verbessert." Mit einem Erfolg in Deutschland könnte dies Van Basten und Co. ebenfalls gelingen.