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Eine Frau in der Männerdomäne

Schiedsrichterwesen

Die tschechische Schiedsrichterin Dagmar Damkova beweist, dass es für weibliche Unparteiische keine Grenzen gibt.

Von Mark Chaplin

Nach einem Streit mit ihrem Trainer war Dagmar Damkova überzeugt, dass sie es als Fußballerin nicht weit bringen würde. Sie wurde Schiedsrichterin – und zwar eine der besten ihrer Zunft in Europa.

Atemberaubender Aufstieg
Die 30-jährige Englisch-Lehrerin aus Pilsen in der Tschechischen Republik startete einen atemberaubenden Aufstieg, nachdem sie sich vor zehn Jahren für die Arbeit als Schiedsrichterin entschieden hatte. Nun steht sie vor einer weiteren großen Herausforderung, denn sie gehört zu den Unparteiischen bei der anstehenden UEFA EURO 2005™ für Frauen in England.

Warum nicht?
"Bis vor ungefähr zehn Jahren spielte ich Fußball", sagte sie gegenüber uefa.com, "doch ich hatte mit einem meiner Trainer mehrere Auseinandersetzungen. Irgendwann war ich mir sicher, dass ich als Spielerin keine Zukunft haben würde. Ich wurde gefragt, ob ich nicht Schiedsrichterin werden wollte. Ich liebe Fußball, also dachte ich, warum nicht."

Immer weiter nach oben
Zunächst wollte sie einfach nur Spaß haben am Pfeifen. Doch schnell merkte Damkova, dass sie ein gewisses Talent für diesen Job hatte. Nach und nach setzte sie sich höhere Ziele und stieg die Leiter immer weiter nach oben. Sie wurde der erste weibliche Unparteiische in der höchsten tschechischen Herren-Spielklasse.

Geänderter Lebensstil
"Als ich anfing, wusste ich nicht so recht, wie weit man als Frau bei den Unparteiischen kommen konnte", erinnert sie sich. "Ich habe nur damit angefangen, weil ich den Fußball liebe. Im Laufe der Zeit änderte ich meinen Lebensstil. Ich trainierte immer häufiger. So nahm das alles seinen Anfang."

Alte Vorurteile revidiert
Damkova pfeift in der Tschechischen Republik seit Herbst 2003 Spiele der Männer. Zusammen mit ihrer Schweizer Kollegin Nicole Petignat - die erste Frau, die eine Partie in einem offiziellen UEFA-Vereinswettbewerb pfiff - gilt sie als Vorkämpferin für das Frauen-Schiedsrichterwesen. Auch ihr ist es zu verdanken, dass alte Vorurteile revidiert wurden.

Mehr Respekt
"Je nach dem, wie man es sieht, ist es einfacher oder auch schwerer, Spiele der Männer zu leiten", erklärte sie. "Auf der einen Seite wird dir in vielen Situationen mehr Respekt entgegengebracht – auf der anderen Seite achtet man viel mehr auf deine Leistung, wenn du eine Frau bist. Du musst stets beweisen, dass du es kannst."

Aufschwung des Frauenfußballs
Damkovas steile Karriere verläuft parallel zum Aufschwung des Frauenfußballs in den letzten Jahren – das werden auch die Fans sehen, die die EURO 2005™ für Frauen hautnah erleben können. Die Frau an der Pfeife ist sich sicher, dass der Frauenfußball noch populärer wird.

Wichtiges Turnier
"Ich spreche oft mit männlichen Trainern in meiner Heimat – alle erzählen mir, dass sie sich schon Frauenspiele im Fernsehen angeschaut haben. Sie wären wirklich erstaunt von der Qualität des Fußballs", sagte sie stolz. "Technisch sind die Frauen viel besser geworden. Ich hoffe, dass die EM diesen Fortschritt unter Beweis stellt. Außerdem wünsche ich mir natürlich, dass viele Leute die Spiele in England anschauen werden, und dass dadurch noch mehr Mädchen für das Fußballspielen begeistert werden können."

Werbung für den Sport
Damkova wäre froh, wenn die Fans von den Spielen gut unterhalten werden. "Ich hoffe natürlich auch, dass ich begeistert bin. Ich leite gerne Begegnungen, bei denen der Ball häufig und lange im Spiel ist. Ich unterbreche Spiele nur ungern", sagte sie.

Nächstes Ziel
Hektische zwei Wochen liegen vor ihr. "Ich bin stolz darauf, für die EM nominiert worden zu sein. Ich wollte so weit kommen wie möglich. Und ich denke, meine Nominierung ist die Belohnung für die harte Arbeit, die ich in den letzten fünf Jahren geleistet habe", fügte Damkova hinzu. "Jetzt möchte ich mich auf diesem Niveau stabilisieren, mich weiter verbessern – und irgendwann bei einer FIFA-Weltmeisterschaft für Frauen pfeifen."