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Babbel straft Kritiker Lügen

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Er galt bereits als abgeschrieben, doch das Schicksal lässt Markus Babbel beim VfB Stuttgart wertvoller als je zuvor erscheinen.

Von Andreas Alf

„Ich freue mich wahnsinnig, dass ich wieder hier sein darf.“ Markus Babbel beschreibt damit nicht nur seine Emotionswelt nach einer überaus erfolgreichen Bundesliga-Rückkehr beim VfB Stuttgart, und auch nicht ausschließlich seine Genugtuung über die vorhandene Chance, möglicherweise wieder in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen. Jene Worte des 32-jährigen Bayers gelten vielmehr überhaupt seinem noch immer vorhandenen Wirken auf der Fußball-Bühne. Nur wenige haben es ihm zugetraut, doch der Innenverteidiger ist wieder obenauf.

Zweiter Frühling
„Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch was Gutes hat“, sagt Babbel heute, während er als unumstrittener Führungsspieler in der Defensive des schwäbischen Traditionsklubs um einen Platz in der UEFA Champions League kämpft. Als Bundestrainer Jürgen Klinsmann jüngst kundtat, dass der Routinier sogar Chancen hat, zu seinem Kader für den FIFA-Weltpokal 2006 zu gehören, glaubte der in 27 von 28 Liga-Spielen der aktuellen Saison engesetzte Abwehrhüne allerdings zu träumen. Denn er weiß: „Ich war soweit weg vom Profi-Fußball.“

Sündenbock Babbel
Dabei lief am Anfang alles nach Plan. Beim FC Bayern München erlernte Babbel das Fußball-ABC, ehe der deutsche Rekordmeister das hoffnungsvolle Talent zur Reifeprüfung an den Hamburger SV auslieh. Als etablierter Bundesliga-Akteur kehrte er 24 Monate später an die Isar zurück, um kurz darauf sein Länderspiel-Debüt zu feiern. Soweit, so gut. Nach dem vorzeitigen Aus bei UEFA EURO 2000 jedoch wurde der kopfballstarke Verteidiger zum Sündenbock abgestempelt und erklärte kurzerhand seinen Rücktritt aus dem Elite-Team des Deutschen Fußball-Bundes. Eine Kurzschlussreaktion, die er heute bereut: „Ich habe vieles nicht mehr zu schätzen gewusst.“

Guillain-Barré-Syndrom
Dass Babbel nun vieles mit anderen Augen sieht, liegt ohne Zweifel an der tragischen Wende seines daraufhin mit fünf Titeln in zwei Jahren erfolgreich begonnenen Engagements bei Liverpool FC. Unfassbar, dass der Modellathlet plötzlich aus einer Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber resultierend unter dem Guillain-Barré-Syndrom litt. Das lebensbedrohliche Nervenleiden konfrontierte ihn mit gravierenden Lähmungserscheinungen und veränderte alles: „Wahnsinn war, wie ich vor einem Spiegel auf einem Laufband ging – wie ein Roboter. Du weißt, wie es geht, das Gehen, aber du kannst es nicht umsetzen“, schilderte er einmal der Süddeutschen Zeitung.

„Ein Wunder“
Wenn Babbel dieser Tage im Gottlieb-Daimler-Stadion ebenso kraftvoll wie Respekt einflößend den gegnerischen Stürmern das Fürchten lehrt, kann man schlichtweg nicht fassen, dass dieser Mann im Rollstuhl sitzend und seine Körpermotorik etappenweise neu erlernend einmal acht Monate lang – in seinem besten Fußballalter - sogar um eine Rückkehr ins alltägliche Leben bangen musste. Dass er es geschafft hat, bezeichnete sein damaliger Trainer, Gérald Houllier, als „ein Wunder“. Er selbst sagte: „Es ist auch ein moralischer Sieg über mich selbst“, und schwor sich: „Ich nehme jetzt alles mit.“

Hoher Stellenwert
Die neue Herausforderung in Stuttgart ist für Babbel deshalb ein später Neuanfang trotz durchaus in einer Vielzahl vorhandenen zurückliegenden Triumphen. Christian Ziege, Michael Tarnat, Carsten Jancker und Christian Nerlinger kehrten an seiner Seite zu Saisonbeginn aus dem Ausland zu deutschen Klubs zurück, doch aus dem Quintett ehemaliger Internationaler gelang es lediglich Babbel, sich eindrucksvoll zu rehabilitieren. In Anbetracht seines größten Sieges klingt das Erfolgsrezept des Kickers sinnig: „Ich lebe wieder für den Fußball.“

Comeback im DFB-Trikot?
Man gönnt ihm, gemeinsam mit seinem noch älteren Kapitän Zvonimir Soldo die „jungen Wilden“ des VfB durch die Erfolgsspur zu lenken. Klinsmann weiß, dass sich Babbel in dieser Rolle exzellent versteht, und hat ihn deshalb wieder auf seiner Rechnung. Der Abwehrchef der Schwaben kann bei diesem Thema seinen Sinneswandel nur mit Nachdruck unterstreichen: „Ich wäre stolz, wieder den Adler auf der Brust zu haben.“

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