Ein Aufstieg aus dem Bilderbuch
Freitag, 11. März 2005
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Der schottische Klub Gretna Green FC hat dank seines Vorsitzenden Brooks Mileson Geschichte geschrieben.
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Von John Spencer
Eigentlich ist Gretna bekannt für junge Ehepaare und kurzfristig organisierte Hochzeiten. Seit einiger Zeit hat der kleine schottische Ort nahe der englischen Grenze aber eine richtige Attraktion: den wohl zielstrebigsten Fußballverein in ganz Großbritannien.
Frühzeitiger Aufstieg
Durch einen 1:0-Erfolg über Cowdenbeath FC stand mit Gretna Green FC am letzten Wochenende der erste Aufsteiger der Insel fest. Damit wird die Mannschaft in der nächsten Saison in der dritten Liga spielen, und das, obwohl der Ort nur 2705 Einwohner hat. Glaubt man jedoch Gretnas Manager Colin Carter, ist der Verein noch lange nicht am Ende aller Träume.
Millionenschwerer Vorsitzender
"Das langfristige Ziel ist es, in Schottlands Premier League zu spielen, ganz einfach", sagte Carter gegenüber uefa.com. Gretna, damals noch in der Unibond League, rückte im Juni 2002 für Clydebank FC in die Scottish League. Das wichtigste Ereignis in der Geschichte des Vereins fand aber erst ein Jahr später statt, als der exzentrische Millionär Brooks Mileson den Klub übernahm. Der Vorsitzende, dessen Markenzeichen ein Pferdeschwanz ist, wurde aufgrund der Tatsache, dass er viel Geld in den Verein steckte, prompt mit dem Spitznamen "Roman Abramovich des Amateurfußballs" versehen.
Große Ausgaben
Mileson, der mit Versicherungen und Grundstücken handelt und allein im Jahr 2003 angeblich 43 Millionen Euro verdiente, machte sich sofort an die Arbeit und strukturierte den Verein um. In dieser Saison wurden alle Spieler zu Vollzeit-Profis, ein absolutes Novum in Schottlands vierter Liga.
Harte Arbeit
Gretna hat viel vor. So bittet Trainer Rowan Alexander zwei Mal täglich zum Training und sieht seine Spieler damit öfter als manch etablierter Erstligist. Überdies hat der Verein vor der Schließung des Transfermarktes mehr Geld ausgegeben als die meisten Klubs aus der Premier League. Zu den Neuzugängen gehört auch der herausragende Mittelfeldspieler David Bingham, der zu Gunsten von Gretna ein Angebot von Inverness Caledonian Thistle FC ablehnte.
Exzentrischer Besitzer
Auch abseits des Platzes schrieb Mileson einige Schlagzeilen. Als Stürmer Kenny Deucher eine bestimmte Anzahl von Toren erzielt hatte, lieh ihm der Besitzer seinen Aston Martin. Außerdem ließ er eine Gruppe von 30 Spielern und Mitarbeitern des Vereins nach Belfast einfliegen, damit sich diese ein U21-Länderspiel von Nordirland anschauen konnte, in dem Brian Gilfillan zu Gretnas erstem Nationalspieler wurde.
Einmalige Geste
Als ein Fanklub von Dundee United FC vor dem schottischen Pokalspiel gegen Gretna im Dezember anfragte, ob man zugunsten eines guten Zwecks sammeln dürfte, willigte Mileson ein und eröffnete die Aktion mit einer Spende von 5000 Pfund.
Neues Stadion
Allerdings ist Gretna für Mileson nicht nur irgendein Spielzeug. Zuletzt wurden Maßnahmen ergriffen, durch die der Verein auch langfristig gesichert ist, selbst wenn sich der Millionär zurückzieht. Es wurden sogar schon Pläne für ein neues, 6000 Zuschauer fassendes Stadion entworfen, welches Premier League-Anforderungen genügt. Mit vielen Vereinen in der näheren Umgebung hat man eine Zusammenarbeit vereinbart, und auch regionale Schulen und Jugendmannschaften sind in die Pläne des Vereins integriert.
Kooperation mit Universität
In diesem Monat gab Gretna zudem die Zusammenarbeit mit der Universität von Central Lancashire bekannt. Im Sommer soll in Preston ein Jugendcamp errichtet werden. Dort haben Talente dann die Chance, einen Sportabschluss zu erreichen und dabei die besten Anlagen im Norden Englands zu nutzen.
Jugendarbeit
Danny Lennon, Trainer der Jugendmannschaft, sagte: "Wir haben die finanzielle Unterstützung von Brooks Mileson, wollen aber auch selber junge Talente fördern. Wenn es keine Jugendförderung gibt, müssen wir immer wieder Spieler aus anderen Regionen aufkaufen." Da die Ehe zwischen Gretna Green FC und Mileson anders als viele andere Hochzeiten in Gretna aber erfolgsversprechend ist, dürfte es dazu gar nicht erst kommen.