Jubiläum für Bosnien-Herzegowina
Montag, 21. Februar 2005
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Inzwischen wird in Bosnien-Herzegowina seit 100 Jahren Fußball gespielt.
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Von Fuad Krvavac
Vor genau 100 Jahren kam der Fußball zum ersten Mal nach Bosnien-Herzegowina, und seitdem sorgt dieser Sport im vom Krieg schwer gezeichneten Land immer wieder für großen Zusammenhalt.
Positive Kraft
Miroslav Meho Brozovic ist der älteste noch lebende Nationalspieler Bosnien-Herzegowinas. Der jugoslawische Ex-Nationalspieler und ehemalige Trainer von FK Sarajevo erinnerte sich: "Im ersten Teil des 20. Jahrhunderts wurde dieses Land von drei Kriegen verwüstet, doch der Fußball war immer eine große Hilfe, um diesen Horror zu überstehen."
Der Durchbruch
Im Jahr 1905 fand in Mostar im Osten von Bosnien-Herzegowina das erste Fußballspiel statt. Danach dauerte es wieder drei Jahre, bis sich Studenten aus Sarajevo und Mostar in Zagreb zu einem weiteren Spiel trafen und dort auch mit den Regeln vertraut gemacht wurden. Damit schaffte der Fußball seinen Durchbruch.
Reise nach Split
Anschließend unterrichtete die Hochschule von Sarajevo die Regeln und veranstaltete Trainingsstunden. 1908 reiste eine Mannschaft aus Sarajevo für eine Partie nach Split ins heutige Kroatien. Und weil die Gastgeber nicht wussten, wie sie ihren Gegner nennen sollten, bekam die bosnische Mannschaft einfach den Namen "Osman" verpasst.
Rasche Entwicklung
Brozovic sagte: "Der Fußball entwickelte sich in diesem Teil Europas rasend schnell." Innerhalb kürzester Zeit wurden Vereine in Mostar, Tuzla, Zenica, Bihac und Banjaluka gegründet. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs gab es in Bosnien-Herzegowina bereits 20 Klubs, davon alleine fünf in Sarajevo.
Neue Vereine
Zwischen den beiden Kriegen wurde der Fußball endgültig zur beliebtesten Sportart des Landes, und deshalb stieg die Anzahl der Klubs auch stetig an. In dieser Zeit wurden mit FK Željeznicar und FK Sloboda Tuzla Vereine gegründet, die auch heute noch in der einheimischen Premier League spielen. Diese Mannschaften trafen damals auf ältere Klubs wie NK Zrinjski.
Schnelle Erholung
Der Fußball erholte sich nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich schnell. Am 4. August spielte eine Mannschaft aus Željeznicar gegen die 38. Division der jugoslawischen Armee. Das Spiel endete 1:1. Željeznicar wurde die erste Mannschaft im neu gegründeten Jugoslawien, die ins Ausland reiste, und zwar nach Albanien.
Erstes Länderspiel
Nachdem Željeznicar 1946 den ersten Titel in Bosnien-Herzegowina gewonnen hatte, wurde die Mannschaft in die neue jugoslawische Liga aufgenommen. Das erste Länderspiel absolvierte Bosnien-Herzegowina 1955 und gewann gleich mit 6:0 gegen China. Mit der Zeit spielten die Klubs aus Bosnien-Herzegowina auch eine immer bessere Rolle in der jugoslawischen Liga.
Nachbarn aus Sarajevo
1967 wurde FK Sarajevo jugoslawischer Meister. Željeznicar konnte mit dem Titelgewinn 1972 wieder ausgleichen, doch der Nachbar holte sich im Jahr 1986 ein weiteres Mal die Meisterschaft. Unterdessen wurde der dreimalige Vizemeister FK Velez 1981 zur ersten Mannschaft aus Bosnien-Herzegowina, die den jugoslawischen Pokal gewinnen konnte.
Starke Fraktion
1986 holte Velez erneut den Pokal, und 1988 wurde NK Borac Banjaluka Meister. Zudem standen in der jugoslawischen Nationalmannschaft bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1990 eine Reihe von Bosniern, darunter auch Trainer Ivica Osim, sein Assistent Džemaludin Mušovic und Kapitän Faruk Hadžibegic.
Schlimme Kriegsverwüstungen
Die Bürgerkriege nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens trafen Bosnien-Herzegowina besonders hart. Doch der Fußballverband des Landes (NSBiH) arbeitete weiter intensiv daran, um den nationalen Fußball am Leben zu erhalten. Außerdem war dieses Spiel ein hervorragendes Mittel, um das Land wieder zu vereinen.
Harte Arbeit
"Wir haben enorme Anstrengungen investiert, damit der NSBiH von der FIFA und der UEFA auch akzeptiert wird", erinnerte sich der ehemalige NSBiH-Präsident Jusuf Pušina. "Nach langen Verhandlungen hatten wir 1996 endlich Erfolg. Ab 1998 nahmen unsere Klubs dann auch an den europäischen Wettbewerben teil."
Wieder vereint
"Wir kämpften darum, den Fußballverband im ganzen Land zu vereinen. Das gelang uns im Jahr 2002", fügte er hinzu. "In den letzten 100 Jahren haben wir eine Menge in die Entwicklung des Fußballs investiert, und wir werden auch in Zukunft so weiter machen."