Das Wunder von Mechelen
Montag, 14. Februar 2005
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Mit dem Gewinn des Pokals der Pokalsieger 1988 krönte der KV Mechelen seinen Aufstieg.
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Von Berend Scholten
Am 11. Mai 1988 köpfte der niederländische Stürmer Piet den Boer in Straßburg nach einer Vorlage seines israelischen Mannschaftskollegen und Nationalspielers Eli Ohana den Ball ins Netz von Schlussmann Stanley Menzo und sorgte so für den einzigen Treffer im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger. Damit hatte der belgische Underdog KV Mechelen den niederländischen Spitzenverein AFC Ajax bezwungen.
Perfekter Abschluss
Für die 10.000 Fans, die mit Mechelen nach Frankreich gereist waren, war es ein perfekter Abschluss einer unglaublichen ersten Saison im europäischen Wettbewerb, in der die Mannschaft in den rot-gelb gestreiften Trikots auf dem Weg ins Endspiel Mannschaften wie den FC Dinamo Bucuresti, Saint Mirren FC, den FC Dinamo Minsk und Atalanta BC eliminiert hatte.
Wundersame Saison
Es war wie ein Wunder. Bis dahin hatte Mechelen nach drei belgischen Meistertiteln in den 40er Jahren eher ein Dasein in der Mittelmäßigkeit gefristet. In Wirklichkeit war der Erfolg das Ergebnis einer Menge harter Arbeit, die hauptsächlich John Cordier, der Hauptsponsor des Klubs, ermöglicht hatte.
Aus eigener Kraft
Cordier, der durch sein Elektrounternehmen Telindus reich geworden war, hatte in der Saison 1982/83 das Amt des Klubpräsidenten übernommen. Aus eigener Kraft modernisierte er das Achter de Kazerne-Stadion und schuf im Verein professionellere Strukturen.
Trainer-Coup
Schon bald zahlte sich seine Strategie aus, und der Zweitligist schaffte den Aufstieg in die erste belgische Liga. Und mit der Verpflichtung des niederländischen Trainers Aad de Mos im Jahr 1986 gelang ihm ein weiterer Coup, durch den sich Mechelen auch auf dem Platz enorm steigerte.
Gute Mischung
De Mos' Mannschaft war eine Mischung aus belgischem Fleiß in Gestalt von Michel Preud'homme und Lei Clijsters und niederländischer Waghalsigkeit, die von Erwin Koeman, Piet den Boer und Graeme Rutjes verkörpert wurde. Es war ein Team, das in der Lage war, in der belgischen Liga Anderlechts Dominanz zu brechen. "Als Aad 1986 zu KV gekommen war, war nur Lei Clijsters Nationalspieler", erinnerte sich Cordier einige Jahre später. "Als er 1989 den Klub verließ, bestand die ganze Mannschaft aus Nationalspielern."
"Unvergessliche Zeit"
Mannschaftskapitän Clijsters, Vater der belgischen Tennisspielerin Kim Clijsters, sagte weiter: "Es war eine unvergessliche Zeit mit unvergesslichen Partien, die sich leider nie mehr wiederholen wird. Die Achse Preud'homme-Clijsters-Rutjes-Koeman-Den Boer war zur damaligen Zeit nicht sehr teuer gewesen. Heute könnte man eine solche Besetzung gar nicht mehr zusammenbekommen."
Zweiter Platz
Mechelens neu gewonnene Stärke zeigte sich 1986/87, als sie Vizemeister wurden und durch einen Treffer von Piet den Boer im belgischen Pokalendspiel mit 1:0 über den RFC Liégeois triumphierten. Dieser Erfolg öffnete ihnen die Tür zum Gewinn des Pokals der Pokalsieger im Jahr drauf.
Endlich Meister
In dieser Saison wurde Mechelen erneut Vizemeister. 1988/89, nach der Verpflichtung von John Bosman von Ajax, gewannen De Mos' Mannen endlich die Meisterschaft - zuvor hatten sie im Februar 1989 im UEFA-Superpokal den Europapokalsieger PSV Eindhoven nach Hin- und Rückspiel bezwungen.
Aufstieg und Fall
Doch so schnell wie Mechelens Aufstieg, sollte auch der Fall des Klubs sein. 1989 wurde De Mos von Anderlecht abgeworben, danach geriet auch noch Telindus in finanzielle Schwierigkeiten und Cordier war gezwungen, Mechelens beste Spieler zu verkaufen, um seine Firma zu retten. 1992 verließ Cordier den Klub und leitete damit den Verfall des Vereins ein, der 2003 im Bankrott endete.
100 Jahre Mechelen
Im Oktober 2004 feierte der Klub in der dritten Liga sein 100-jähriges Bestehen. Cordier konnte leider nicht mehr dabei sein. Am 22. Januar 2002 war er im Alter von 60 Jahren verstorben. Doch auch nach seinem Tod leben die Erinnerungen an die großartige Mannschaft, die er geformt hat, weiter.