Die Wurzeln des britischen Fußballs trocknen aus
Freitag, 4. Februar 2005
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Die Misere bei Wrexham FC zeigte, dass einige kleinere Klubs in England schweren Zeiten entgegen gehen.
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Von Andrew Warshaw
Während sich die englischen Top-Klubs in den letzten Januarwochen kurz vor Transferschluss noch einmal richtig an Spielern bedienten, stand zwei Klassen unter der Premiership Wrexham FC gefährlich nah vor dem Aus.
Der Retter kommt
Nach einem schweren Beginn der Saison, in die der Klub mit einem Zehn-Punkte-Abzug startete, weil er sich gegen seine Auflösung gewehrt hatte, erhielt der traditionsreiche Verein in der vergangenen Woche die Nachricht, von der die zahlreichen treuen Fans träumten - ein neuer Käufer hält den Verein am Leben.
Rechtzeitige Übernahme
Die Übernahme des 132 Jahren alten Klubs durch den lokalen Geschäftsmann Andy Smith wird die Mannschaft aus dem Norden von Wales nicht aus der Abstiegszone befreien. Doch die Fans sind sich bewusst, dass die Sache auch viel schlimmer hätte ausgehen können. Ihr Verein hätte seine Existenz verloren, wenn es nach den Plänen des Ex-Eigentümers Alex Hamilton gegangen wäre, der das vereinseigene Racecourse-Ground-Stadion an andere Bauträger verkaufen wollte.
Fan-Solidarität
Nun ist dank der Fans von Wrexham wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Fans aus allen Teilen des Landes planten, sich am letzten Samstag in einer Solidaraktion auf dem Feld zu versammeln, um auf die Misere von Wrexham und anderer kleiner Vereine aufmerksam zu machen.
Forderungen bleiben
Auch wenn der so genannte "Tag der Einheit" etwas an seiner Schärfe einbüßte. Die allgemeinen Forderungen bleiben bestehen. Bevor der neue Käufer von Wrexham auftauchte, lief der Klub Gefahr, als erstes Team der ersten vier englischen Ligen seit Aldershot Town FC 1992 aufgeben zu müssen - mit den schlimmen Folgen für jeden, der mit dem Verein verbunden ist.
Kurz vor dem Abgrund
Die Not von Wrexham hat aber auch die Aufmerksamkeit auf die Probleme von vielen anderen kleineren Klubs in England gezogen. Vereine wie Bury FC, Grimsby Town FC, Notts County FC und der ehemalige Premiership-Klub Bradford City FC stehen allesamt kurz vor dem Aus. Sogar der einst erfolgreiche Klub Leeds United AFC schaute in eine ungewisse Zukunft, bis sich Ex-Chelsea-FC-Eigentümer Ken Bates im Januar bei dem Verein einkaufte.
Bittere Erfahrung
Nic Otterside, ein Fan von Brighton and Hove Albion FC, das vor 22 Jahren im FA-Pokalfinale nur knapp an Manchester United FC gescheitert war und nun in einem lokalen schmucklosen Stadion spielt, sagte: "Zwölf Jahre ist es nun her, dass Aldershot in die Pleite ging. Und in dieser Zeit standen schon viele andere Fußball-Klubs auf der Kippe. In vielen Fällen lag das am Missmanagement oder der Habgier von Eigentümern und Vorsitzenden."
Stadion-Wechsel
Ironischerweise war unverantwortliches Management der eigentliche Grund dafür, dass die englische Liga den Abzug von zehn Punkten für jeden Klub verhängte, der gegen seine Insolvenz in Berufung ging. Aber bei den "Möwen" aus Brighton bestand das Problem gar nicht in der Misswirtschaft, sondern in den bürokratischen Hürden. Der Klub, der seit acht Jahren ein festes Stadion sucht, hat fast 1,5 Millionen Euro für eine öffentliche Anfrage ausgegeben, weil er verzweifelt versucht, in ein bereits bestehendes 26.000-Platz-Stadion einzuziehen.
Schlimme Situation
Der Klub-Vorsitzende Dick Knight sagt, dass Brighton in der jetzigen Situation langfristig nicht überleben kann, und Otterside verflucht das Schicksal seines Vereins. "Als wir unser eigentliches Stadion, den Goldstone Ground verloren - es wurde verkauft, um dort ein Einkaufszentrum hinzustellen - sind wir der Pleite bedrohlich nahe gekommen", sagte er. "Auch heute noch ist unser Klub ohne eigenes Zuhause und muss jedes Jahr um sein Überleben kämpfen. Die Zeit ist gekommen, um dafür einzutreten, das Herz des britischen Fußballs zu retten."