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Am Boden, aber nicht verletzt

Der italienische Fußball hat den Kampf gegen die Schauspielerei aufgenommen.

Von Paolo Menicucci

"A mali estremi, estremi rimedi" heißt ein italienischer Spruch - "Extreme Probleme verlangen nach extremen Lösungen". In diesem Sinne wurde vor kurzem eine drastische Entscheidung getroffen. Denn es war im italienischen Fußball Gang und Gäbe, dass man sich durch vorgetäuschte Verletzungen einen Vorteil verschaffen wollte.

Wichtige Entscheidung
Bei einem Treffen zwischen den Kapitänen aus der Serie A und Serie B, den Trainern, den italienischen Schiedsrichtern, dem italienischen Verbandspräsidenten Franco Carraro und dem Präsidenten der italienischen Fußball-Liga, Adriano Galliani, kam man zu der Entscheidung, in der Serie A den Ball nicht länger ins Aus zu schießen, wenn ein Spieler des Gegners verletzt am Boden liegt.

Weitere Entscheidung
Ab jetzt wird ein Spiel nur noch unterbrochen, wenn ein Schiedsrichter die Verletzung als gravierend erachtet und die Partie durch einen Pfiff unterbricht. Als Folge dieser Entscheidung können die Mannschaften, die den Ball ins Aus schießen, um einem Mitspieler die Behandlung zu ermöglichen, nicht länger erwarten, dass ihnen das andere Team den Ball zurückgibt.

Ungeschriebenes Gesetz
In den meisten Ländern ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man den Ball ins Aus schießt, wenn ein Mitspieler oder auch ein Gegner verletzt am Boden liegt. Doch besonders in Italien glauben viele Beobachter, dass dabei die Schauspielerei weit verbreitet ist, um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen.

"Es wird übertrieben"
Juventus FC-Trainer Fabio Capello brachte dieses Problem im Dezember zur Sprache. "Mittlerweile wird es übertrieben", sagte er. "Wir sind vom taktischen Foul - einen gefährlichen Angriff des Gegners durch ein absichtliches Foul zu unterbinden - zum "gespielten Foul" gekommen - wo die Aktion durch eine vorgetäuschte Verletzung unterbunden werden soll."

Unfaires Spiel
"Das ist eine allgemeine Tendenz", fuhr er fort. "Das Fairplay wurde zu einem taktischen Schachzug." Capellos Worte fanden in der italienischen Presse absolute Zustimmung. Die Gazzetta dello Sport zitierte Capello mit den Worten: "Eine Kriegserklärung gegen unfaires Spiel, ein Stromschlag gegen eine wachsende Tendenz."

Entscheidung der Schiedsrichter
Einige Trainer aus der Serie A stärkten Capello den Rücken. "Er hat Recht. Es sollte nur der Schiedsrichter entscheiden, wann ein Spiel unterbrochen wird", meinte Udinese Calcios Trainer Luciano Spalletti. Bologna FC-Trainer Carlo Mazzone fügte hinzu: "Das wurde zu einem taktischen Mittel, zu einer Strategie. Immer wenn es einen Zweikampf gibt, lässt sich der Verlierer fallen, und dann wird der Ball ins Aus geschossen. In anderen Ländern wie England oder Spanien ist dies nicht der Fall."

Del Neri stimmt zu
AS Romas Trainer Luigi Del Neri vertrat die gleiche Meinung. "In England werden die Spiele nicht so oft unterbrochen, und ich denke, das ist auch richtig", sagte er. "Es gibt keinen Grund, immer wieder zu unterbrechen, denn wir sollten durchaus in der Lage sein zu unterscheiden, wann eine Verletzung ernst ist und wann nicht. Wenn es nicht so schlimm ist, sehe ich keinen Grund, warum der Ball ins Aus geschlagen werden sollte. Ich denke, ein Spiel sollte nur unterbrochen werden, wenn es einen Zusammenstoß mit den Köpfen gibt, und nicht bei jedem kleinen Zweikampf."

Keine perfekte Welt
Die wahrscheinlich beste Lösung für dieses Problem hatte US Città di Palermos Trainer Francesco Guidolin parat: "Es wäre alles viel einfacher, wenn die Spieler einfach versprechen würden, nicht zu betrügen." Leider würde dieser Vorschlag nur in einer perfekten Welt funktionieren. Vielleicht haben die "extremen Lösungen" dieser Woche größeren Erfolg dabei, die Schauspielerei aus dem italienischen Fußball verschwinden zu lassen.