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Schafft Werders das nächste Wunder?

Champions-Herausgeber Paul Simpson erwartet am kommenden Dienstag im Mestalla eine unberechenbare Partie.

Von Paul Simpson

Wenn die UEFA Champions League in der vergangenen Saison im alten Format ausgetragen worden wäre, hätte der AC Milan wohl zum siebten Mal den Titel geholt, der FC Porto wäre in der ersten K.o.-Runde rausgeflogen und José Mourinho wäre nie Chelsea FC-Trainer geworden.

Überraschende Ergebnisse
So stark hat sich das neue Format auf den Wettbewerb ausgewirkt. Drei der vier Viertelfinals endeten in der vergangene Saison entgegen aller Erwartungen - Milan, Real Madrid CF und Arsenal FC schieden aus. Die Experten versichern, dass es dieses Jahr kein solches Favoritensterben geben wird, doch wer kann das schon vorhersagen?

Herausforderung für Valencia
Die Partie des sechsten Spieltags, die jede Menge Aufregung und den Nervenkitzel eines guten Hollywood-Thrillers verspricht, findet im Mestalla statt. Der spanische Meister Valencia CF hat in der Gruppe G eine einfache Mission zu erfüllen - den Deutschen Meister Werder Bremen zu schlagen. Sollte dies nicht klappen, ist Valencia raus.

Ranieris Brillanz
Es ist diese Alles-oder-nichts-Situation, die den Europapokal so faszinierend macht. Doch die Dramatik nimmt noch zu, wenn man sich Bremens Geschichte und den manchmal so brillanten, manchmal aber auch erschreckend unlogisch handelnden Valencia-Trainer Claudio Ranieri vor Augen führt.

Fatale Entscheidung
Im Bestreben, im Halbfinale der letzten Saison dem AS Monaco FC den Todesstoß zu versetzen, setzte Ranieri, damals noch Coach bei Chelsea FC, auf volle Offensive, lief den Franzosen ins Messer, verlor das Spiel und - obwohl die Entscheidung wohl bereits vorher gefallen war - seinen Job.

Aus der Versenkung aufgetaucht
An seine alte Wirkungsstätte Valencia zurückgekehrt, wo er für die Erfolge von Héctor Cúper und Rafael Benítez die Grundlage gelegt hatte, stießen Ranieris Aufstellungen wie immer auf heftige Kritik. Doch nach anfänglicher Krise ist Valencia wieder aus der Versenkung aufgetaucht und liegt in der Primera División bereits an vierter Stelle.

Meister der Aufholjagd
Die Valencia-Fans werden gegen Werder für ein frühes Tor beten, damit die Anspannung weicht, doch das könnte zu wenig sein. Sie spielen ja schließlich gegen Bremen, eine Mannschaft, die 1993/94 gegen Anderlecht nach 33 Minuten bereits 0:3 im Rückstand lag, die Partie aber noch 5:3 gewann.

Unglaublicher Schlussspurt
Die Aufholjagd war aber noch spektakulärer, als es den Anschein hat. Erst in der 66 Minute erzielte Bremen den ersten Treffer. Wenn Sie sich das Spiel auf Video ansehen, werden Sie sehen, wie die Belgier von Minute zu Minute an Selbstvertrauen einbüßten, als Rune Bratseth in der 72. Minute auf 2:3 verkürzt hatte.

"Wunder von der Weser"
Das von Pfützen übersäte Spielfeld machte es Werder umso schwerer. Bremen hat sich im Europapokal allerdings als Spezialist für unmögliche Aufträge erwiesen, das Schlagwort vom "Wunder von der Weser" taucht immer wieder im Zusammenhang mit Bremens furiosen Aufholjagden auf.

Beeindruckende Ergebnisse
Im UEFA-Pokal 1987/88 verlor Werder ein Auswärtsspiel gegen den FC Spartak Moskva mit 1:4. Im Rückspiel triumphierten sie jedoch auf heimischem Boden und nach Verlängerung mit 6:2. Im Jahr drauf, im Pokal der europäischen Meistervereine, verloren sie auswärts beim BFC Dynamo Berlin mit 0:3, das Heimspiel entschieden sie jedoch mit 5:0 zu ihren Gunsten. Die berechenbar unberechenbaren Bremer "krönten" ihre Aufholjagd gegen Anderlecht mit einer 0:5-Niederlage im nächsten Spiel gegen Porto, eine Rekordheimpleite für einen deutschen Klub.

Wunder gibt es immer wieder
Das alles deutet in Valencia auf einen Abend hin, an dem alles passieren kann. Sie können eine Prognose wagen, doch Sie sollten keinesfalls vergessen, dass in diesem rätselhaftesten aller Wettbewerbe immer ein Wunder geschehen kann.

Paul Simpson ist Herausgeber von Champions, dem offiziellen UEFA Champions League-Magazin. Hier können Sie Champions abonnieren